„Monopoly“ mit Gewerkschaftern

DGB lädt Bundestagskandidaten im Wahlkreis Waldeck zur Diskussion ein

Ein besonderes Brettspiel spielten (vorne von links) Jochen Rube, Armin Schwarz, Esther Dilcher, Peter Koswig und Regina Preysing auf Einladung des DGB – vertreten durch Jenny Huschke und Gerhard Geitz.
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Ein besonderes Brettspiel spielten (vorne von links) Jochen Rube, Armin Schwarz, Esther Dilcher, Peter Koswig und Regina Preysing auf Einladung des DGB – vertreten durch Jenny Huschke und Gerhard Geitz.

Fünf Direktkandidaten für den Bundestagswahlkreis Waldeck hat der DGB auf den Zahn gefühlt – mit einem ungewöhnlichen Diskussionsformat.

Korbach – Wenn Gewerkschafter zum Monopoly-Spielen einladen, läuft einiges anders: Dann geht es nicht darum, das eigene Vermögen auszubauen und die anderen zu ruinieren, sondern um Fragen über Rente, Mindestlohn und den Fachkräftemangel im Gesundheitssystem. Dem stellten sich auf Einladung der DGB-Kreisverbände Waldeck-Frankenberg und Kassel die Bundestagskandidaten Armin Schwarz (CDU), Esther Dilcher (SPD), Dr. Peter Koswig (Grüne), Jochen Rube (FDP) und Regina Preysing (Linke).

Hinter den Themenfeldern des Spielplans verstecken sich von den Gewerkschaftern vorbereitete Fragen – wer welche bekommt, entscheidet der Würfel. So wird Jochen Rube etwa nach dem Lehrermangel gefragt – er forderte eine Lehrkräfte-Akademie des Bundes und mehr Praxis schon vor dem Referendariat, um Abbrüche zu verhindern. Armin Schwarz erklärt seine Ablehnung der Vermögenssteuer mit negativen Auswirkungen auf den Mittelstand. Dem Mangel an Auszubildenden würde Peter Koswig mit attraktiveren Berufsschulen begegnen wollen – doch auch Gehälter und die Arbeitgeber selbst müssten attraktiver werden. Regina Preysing fordert, die „Rosinenpickerei“ privater Kliniken zu verhindern, die nur die profitabelsten OPs durchführten. Und Esther Dilcher will Leiharbeit verbieten: Es gebe genug Möglichkeiten, Menschen zu ganz normalen Arbeitsbedingungen zu beschäftigen.

Seltener werden alle Kandidaten aufgefordert, die gleiche Frage zu beantworten, etwa zur künftigen Gestaltung der Rente. Armin Schwarz spricht sich für die Kombination der „Generationenrente“, kofinanzierter privater Vorsorge und betrieblicher Rente aus – und dafür, dass wer wolle und könne, länger arbeiten dürfe. Esther Dilcher befand, dass die private Altersvorsorge als Modell gescheitert sei und 67 die absolute Höchstgrenze für den Renteneintritt sei. Steuerfinanzierung sei notwendig. Stärkung der gesetzlichen Rente und 67 „als absoluten Cut“ forderte auch Peter Koswig. Flexible Modelle für Interessierte seien eine gute Idee. Regina Preysing hingegen forderte Rente mit 65 – zwar steige die Lebenserwartung, aber auch die Produktivität. Das solle Renten speisen und nicht nur Profite. Jochen Rube sprach sich gegen starre Eintrittsalter aus: Mancher schaffe die 65 Jahre nicht, wer länger arbeiten wolle, werde bislang fast bestraft.

DGB-Regionsgeschäftsführerin Jenny Huschke hielt zuletzt fest: Die Pandemie habe gezeigt, dass es viel Geld im Land gibt – es müsse genutzt werden, um Straßen, Bäder und Krankenhäuser zu finanzieren. Demokratie gehöre in die Arbeitswelt: Wer Betriebsräte verhindert, gehöre bestraft. Und zuletzt: Bei der Rente werde immer mit steigender Lebenserwartung argumentiert. Aber für Menschen mit niedrigeren Einkommen sei sie statistisch kürzer. Wer das missachte, „klaut faktisch den Beschäftigten die Rente.“ (wf)

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