Einsatz für Kinder, die Deutsch lernen

Diakonie sucht neue ehrenamtliche Sprachpaten in Korbach

Bereit zum ehrenamtlichen Einsatz für Schüler: die Korbacher Sprachpaten, die über die Diakonie organisiert sind. Links steht Sozialberaterin Wiebke Valdez, rechts Lydia Oswald. Die Initiative sucht weitere Mitstreiter. Foto: Schilling
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Bereit zum ehrenamtlichen Einsatz für Schüler: Korbacher Sprachpaten, die über die Diakonie organisiert sind. Links steht Sozialberaterin Wiebke Valdez, rechts Lydia Oswald. Die Initiative sucht weitere Mitstreiter.

Die Initiative Sprachpaten der Diakonie in Korbach sucht neue ehrenamtliche Mitstreiter, die mit Kindern Deutsch üben.

Korbach – Wieso heißt es „schwamm“ und nicht „schwimmte“? Was ist eine Forke? Und was eine Präposition? Deutsche Sprache – schwere Sprache. Schon manch Einheimischer stolpert über Fallstricke des Satzbaus oder der Wortbedeutung. Umso schwerer haben es Einwanderer, sich über die deutsche Sprache den Zugang zur neuen Gesellschaft und Kultur zu erschließen. Schülern in Korbach helfen seit Februar 2007 ehrenamtliche Sprachpaten – die suchen dringend weitere Mitstreiter. 

Deutsch ist unverzichtbar

Lesen lernen, Texte verstehen, Grammatik üben, den Wortschatz erweitern – dabei unterstützen die Paten die Jungen und Mädchen. Denn wenn sie die deutsche Sprache nicht beherrschen, scheitern sie nicht nur in Deutsch, sondern auch in anderen Schulfächern. Und ohne guten Schulabschluss sind die berufliche Karriere und somit Zukunftsperspektiven gefährdet. Damit das nicht passiert, kümmern sich die Ehrenamtler um Schüler. 

„Ich bin froh, dass es die Sprachpaten gibt“, sagt Silvia Mehring-Stummer, die als Schulsozialarbeiterin an der Berliner Schule und der Schule Enser Tor wirkt. Es gebe einen hohen Anteil von Schülern aus Einwandererfamilien, oft könnten ihre Eltern sie beim Erlernen der Sprache nicht unterstützen. „Deshalb greifen wir gern auf die Sprachpaten zurück, ich habe immer gern mit ihnen zusammengearbeitet.“ 

Doch es gibt zu wenige: „Ich hätte 20 Kinder, die Sprachpaten benötigten“, erklärt Mehring-Stummer. Die meisten Paten arbeiteten einmal die Woche für eine halbe bis anderthalb Stunden in der Schule mit den Kindern, sagt Mehring-Stummer – das werde individuell abgesprochen. In der Regel sei es ein „Selbstläufer“: Sie bringe Schüler und Paten nur zusammen, dann laufe die Arbeit. 

Beitrag zur Eingliederung

„Wir wollen einen Beitrag zur Integration leisten“, sagt Sprachpate Wolfgang Gärtner. „Wir wollen den Kindern Hilfen geben, damit sie in die Sprache einsteigen.“ Sie sollten möglichst schnell und gut Deutsch lernen. Oft werde in ihrem Elternhaus nicht Deutsch gesprochen. Ein Problem sei zudem unzureichendes Leseverständnis – das bemängelt auch die jüngste PISA-Studie. Viele Kinder läsen mechanisch, ohne den Sinn des Textes zu erfassen. Da sei wichtig nachzufragen und den Wortschatz zu vertiefen. „Wir richten uns nach den Möglichkeiten und den Problemen der Kinder.“ 

Er betreue Kinder auch bei den Hausaufgaben, berichtet Gärtner. Oder er helfe ihnen, sich in Korbach zurecht zu finden und die Umgebung kennenzulernen. „Es ist ein weites Feld an Aufgaben.“

 Wichtig für das Kind sei auch, dass die Paten allein für es zuständig seien, sagt die Sprachpatin Dr. Hannelore Wendt. Ein individuelles Lob zu bekommen, tue ihm gut und gebe ihm das Gefühl, wichtig zu sein.

 „Die Zeit, die Sie den Kindern schenken, ist so wertvoll. Es ist einfach schön“, betont Mehring-Stummer. „Die Paten sind Multiplikatoren“, sie stellten den Kindern und ihren Familien eine Verbindung in eine noch fremde Gesellschaft her, sagt Lydia Oswald von der Diakonie. Sie brächten ihnen die Welt und deutsches Leben näher. 

„Vertrauensmenschen“ für die Kinder

Und sie würden zu „Vertrauensmenschen“, ergänzt Gärtner. Oft bestehe die Verbindung auch nach der Betreuung fort. „Das Engagement der evangelischen Kirche ist wichtig“, erklärt er. Er hoffe, dass die Diakonie und die Stadtkirchengemeinde „weiter am Ball bleiben“.

Vor zwölf Jahren rief die Sozialpädagogin Ursula Hartmann-Samiec vom Diakonischen Werk in Waldeck-Frankenberg die Initiative Sprachpaten ins Leben. Lehrer und Rektoren hatten festgestellt, dass die Hilfsmöglichkeiten ihrer Schulen nicht ausreichten, um den Spracherwerb von Kindern ausreichend zu fördern. Über einen Aufruf in der WLZ gewann Hartmann-Samiec die ersten Paten.

 Im Oktober ging sie in den Ruhestand, ihre Nachfolgerin ist Wiebke Valdez von der Allgemeinen Sozial- und Lebensberatung der Diakonie. 

Derzeit betreuen die Sprachpaten überwiegend Grundschüler in Korbach. Die meisten Kinder kommen aus Einwandererfamilien, aber auch deutsche benötigen Unterstützung. Gern würde die Initiative schon in Kindergärten aktiv werden – aber dazu fehlen Paten. Auch Anfragen aus Schulen in umliegenden Kommunen mussten deshalb schon abgelehnt werden. 

Spielenachmittage und gemeinsame Theaterfahrten

Etwa vier Mal im Jahr kommen die Sprachpaten zum Austausch zusammen – zuletzt am vorigen Donnerstag. Außerdem gibt es Spielenachmittage und gemeinsame Theaterfahrten nach Kassel, an denen auch Eltern teilnehmen können. Marie-Luise Lindenlaub stellte lesenswerte Kinderbücher vor. 

Eine pädagogische Vorbildung ist für eine Patenschaft nicht erforderlich, es sind zwar einige Lehrer unter den Sprachpaten, aber es finden sich auch Pfarrer, eine Bankkauffrau, eine Ärztin und ein Großhandelskaufmann. „Wir waren mal 33, sagt Lydia Oswald vom Diakonischen Werk. „Derzeit sind wir nur noch 22 Leute.“ Manche hätten aufgehört, seien weggezogen oder krank geworden. 

An die Diakonie wenden

Deshalb appelliert Oswald an Interessenten: Wer die deutsche Sprache beherrscht und gern mit Kindern zusammen ist, sollte sich bei der Diakonie melden. „Die Initiative muss bestehen bleiben.“ 

Wiebke Valdez ist unter Telefon 0151/12561827 erreichbar, Lydia Oswald unter Telefon 0152/01358021. (-sg-)

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