CDU, FWG, FDP und Grüne in Vöhl lehnen Rathausanbau ab

„Die Gemeinde muss auf Sicht fahren“

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Vöhl - Der Mietvertrag ist unterschrieben. Am 1. Oktober ziehen die Mitarbeiter von Vöhler Bauamt und Kämmerei in die alte Schule um – vorübergehend. Während die SPD langfristig einen Rathausanbau fordert, luden CDU, FWG, FDP und Grüne gestern zum Pressegespräch, um ihren Standpunkt klarzumachen.

Seit einem Jahr diskutieren die Gemeindevertreter über mögliche Lösungen, um die Platznot im Vöhler Rathaus zu beenden. Während der Gemeindevertretersitzung am Montagabend setzten sich CDU, FWG, FDP und Grüne mit einem Antrag durch, die betroffenen Mitarbeiter vorübergehend in der alten Schule unterzubringen (wir berichteten). Inzwischen ist der Mietvertrag unterschrieben, zum 1. Oktober wird umgezogen. Von generellen Aussagen zur langfristigen Lösung sahen die Politiker der vier Fraktionen bisher ab. Währenddessen setzt sich die SPD für einen Rathausanbau ein. Laut Verwaltung würden Investitionen von rund 600 000 Euro nötig. Die Folgekosten seien bei diesem Projekt aber am geringsten für die Gemeinde, argumentieren die Sozialdemokraten. Bei CDU, FWG, FDP und Grünen hieß es bisher, man wolle ergebnisoffen prüfen und beraten. In einem Pressegespräch, mit dem die Vertreter der vier Fraktionen auf die Veröffentlichung der möglichen Kosten für die verschiedenen Varianten in der WLZ-FZ reagierten, nahmen sie nun deutlich Stellung. „Wir wollen keinen Anbau“, betont Harald Koch (FWG), „denn er bedeutet nicht kalkulierbare Kosten.“ Die Folgekosten bei der Anbaukalkulation ließen entscheidende Faktoren wie Zins- und Tilgungszahlen außer Acht, sagt er. Deswegen seien die Zahlen keine gute Grundlage, um auf ihnen eine so wichtige Entscheidung zu gründen, findet auch Sven Lorenz von den Grünen. „Ich bin auch der Meinung, dass der Anbau nicht zu Ende gedacht ist“, kritisiert Hermann Kubat (CDU), „da wird einfach ein neues an ein altes Gebäude gestellt.“ Deshalb gebe es zurzeit nur eine Lösung, ergänzt Karl Brüne von der CDU: „Wir müssen mieten, da sind die Kosten klar kalkulierbar.“ Rund 20 000 Euro kostet das die Gemeinde im Jahr, die nötige Sanierung von 28 000 Euro übernimmt der Eigenbetrieb des Landkreises. Dafür gibt es eine Bedingung: Der Mietvertrag wird auf fünf Jahre abgeschlossen. Wird er vorzeitig gekündigt, muss die Gemeinde die Differenz bezahlen. „Wir wollen nicht die komplette Sanierung der alten Schule“, betont Koch, „wir wollen eine kurzfristige Lösung mit der Anmietung von zwei Schulräumen und überschaubaren Kosten.“ So würde gleichzeitig ein Leerstand verschwinden. Die SPD protestierte in der Sitzung am Montag: „Für eine Übergangslösung sind die Kosten zu hoch“, befand Volker König. Die Sozialdemokraten warnten davor, die endgültige Entscheidung mit dieser ­Zwischenlösung vorwegzunehmen.Und wie geht es langfristig weiter? „Darüber können wir in dieser Situation nicht entscheiden“, sagt Monika Heidel, „wir müssen erst sehen, wohin sich unsere Gemeinde entwickelt.“ Und damit meint sie nicht nur den neuen Bürgermeister Matthias Stappert, der im Dezember seinen Dienst antritt, sondern auch den demografischen Wandel. „Wir wissen doch gar nicht, wie viel Platz wir in zehn oder 20 Jahren noch brauchen“, sagt die Gemeindevertreterin der FDP, „wir müssen erst mal auf Sicht fahren.“(resa)

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