Ortskerne erhalten, Familien fördern: Kommune unterstützt Bauvorhaben

Diemelsee baut auf neue Bürger

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Diemelsee - Landflucht, Leerstände, Überalterung: In ländlichen Kommunen kennzeichnen diese Begriffe den demografischen Wandel. Um für die Zukunft gerüstet zu sein, bauen die Diemelseer auf Förderprogramme für Bauherren und Hausbesitzer.

Im Vergleich zu Land, Kreis und Nachbarkommunen wirkt in Diemelsee vor allem der von der Bertelsmann-Stiftung prognostizierte Bevölkerungsrückgang um 21,9 Prozent bis 2030 alarmierend: Die Zahl der Hessen schrumpft hingegen nur um drei Prozent, die der Waldeck-Frankenberger um 11,9 Prozent. Korbacher gibt es 2030 9,2 Prozent und Upländer 14,7 Prozent weniger (siehe Hintergrund). Weniger Bürger, das bedeutet weniger Bauherren und Hausbesitzer, aber mehr leer stehende Häuser: „Kampf dem Aussterben der Dorfkerne und gegen Leerstände“, heißt es daher in einer Kampagne der Gemeinde, mit der sie neue Bürger gewinnen will. Das Informationsblatt in Form eines Hauses lag am Mittwoch der WLZ in Diemelsee bei.

„Wir haben uns für diese Form entschieden, weil sie ins Auge fällt“, berichtet Bauamtsleiterin Anke Linnekugel. Die Initiative schreibt die Fachfrau allerdings der Gemeindevertretung zu: Die Abgeordneten hatten sich bei ihrer Sitzung im Februar mehrheitlich für einen Antrag der SPD-Fraktion ausgesprochen und beschlossen, dass gemeindeeigene Bauplätze bis zum 31. Dezember 2012 vergünstigt angeboten werden. Ziel ist, sowohl neue Bürger als auch Geld für die Gemeindekasse zu akquirieren.

Günstige Bauplätze

„Nutzen Sie also das Jahr 2012, um sich Ihren Traum vom Eigenheim zu besonders günstigen Konditionen zu verwirklichen“, werben die Diemelseer für ihre „Sonderaktion“. Dass die 18,50 Euro pro Quadratmeter erschlossene Fläche günstig sind, erklärt Linnekugels Vorgänger Rainer Fischer, inzwischen Haupt- und Personalamtsleiter: „Üblich sind in Diemelsee Kosten zwischen 30 und 35 Euro pro Quadratmeter.“

Im Angebot hat die Gemeinde rund 90 erschlossene Bauplätze in Adorf, Flechtdorf, Schweinsbühl, Stormbruch, Sudeck und Vasbeck. „Interessenten, die in anderen Ortsteilen bauen wollen, melden sich im Bauamt“, bittet Anke Linnekugel. Ebenso wie die aktuelle Kampagne informieren die Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung zugleich über weitere Förderprogramme für Bauherren und (angehende) Hausbesitzer: Um junge Familien nach Diemelsee zu holen, unterstützt die Gemeinde den Grundstückserwerb bereits seit 2006. Pro kindergeldberechtigtem Kind, das in häuslicher Gemeinschaft mit dem Bauherren lebt, werden 1000 Euro des Grundstückspreises erlassen.

Darlehen und Beratung

„Wir wollen aber auch die Dorfkerne erhalten“, hebt Anke Linnekugel hervor. Weil es nach ihren Angaben in allen 13 Ortsteilen Leerstände gibt, vergibt die Kommune schon seit einigen Jahren zinslose Kleindarlehen zwischen 2500 und 10?000 Euro „zur Sanierung erhaltenswerter Gebäude“. Damit Interessenten wissen, was möglich ist, übernimmt die Kommune zudem die Kosten für die Beratung durch ein Planungsbüro. „Alle Förderprogramme werden angenommen“, resümiert die Bauamtsleiterin. Einige bestehende Häuser seien bereits an Niederländer verkauft worden. Einen Bauplatz zu den vergünstigten Konditionen sicherte sich kürzlich ein Ehepaar aus Diemelsee. Trotz dieser ersten Erfolge scheint es sinnvoll, auf Kampagnen wie die aktuellen zu bauen. Die Zahlen zur Bevölkerungsentwicklung sprechen für sich. Weitere Informationen gibt es bei Anke Linnekugel, Telefon 05633/989916, Rainer Fischer, Telefon 989912, sowie im Internet unter www.diemelsee.de.

Hintergrund

Daten zur demografischen Entwicklung erhebt die Bertelsmann-Stiftung seit einigen Jahren. Auf ihrer Internetseite www.wegweiser-kommune.de lassen sich diese für Städte, Gemeinden, Landkreise und Bundesländer abrufen. Die jüngsten Daten stammen aus dem Jahr 2009. Die Experten ordnen Diemelsee dem Demografie-Typ 6?zu: „Städte und Gemeinden im ländlichen Raum mit geringer Dynamik“.

2009 zählten sie 5080 Diemelseer, die durchschnittlich 44,4 Jahre alt waren. Bis 2030 prognostizieren sie einen Bevölkerungsrückgang um 21,9 Prozent, also um 1112 Bürger auf 3968 Bürger. Sie sind im Durchschnitt 49,4 Jahre alt. 2009 beträgt der Anteil der unter 18-Jährigen 18,5 Prozent, 2030 nur noch 14,8 Prozent. Während die Zahl der Jugendlichen schrumpft, steigert sich die Anzahl der Senioren: bei den 65-bis 79-Jährigen von 17,5 auf 22,5 Prozent, bei den über 80-Jährigen von 6,1 auf 8,3 Prozent. Zum Vergleich:

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