Neerdarer Kirchenvorstand hofft auf baldige Restaurierung des Brützel-Altars

Dringender Handlungsbedarf

Willingen-Neerdar - Die dringend notwendige Konservierung und Restaurierung des Brützel-Altars in der Neerdarer Pankratiuskirche wird voraussichtlich rund 28000 Euro kosten.

Diplom-Restauratorin Beate Demolt hat den Altaraufsatz im April gründlich unter die Lupe genommen. Inzwischen liegt das Ergebnis der Voruntersuchung vor: Eine über 40-seitige Dokumentation, die erhebliche Schäden aufzeigt und den hohen Handlungsbedarf verdeutlicht.

Experten vor Ort

Am Donnerstag kamen die Leiterin der Restaurierungswerkstätten des Landesamts für Denkmalpflege, Christine Kenner, und der Kunstreferent der Evangelischen Landeskirche von Kurhessen-Waldeck, Dr. Götz Pfeiffer, nach Neerdar. Sie machten sich vor Ort selbst ein Bild von den Schäden und besprachen das weitere Vorgehen mit Pfarrer Karl-Heinz Bäcker, Kirchenvorsteher Karl Bangert, Kirchenältestem Erich Steuber und Küster Josef Althaus.

Wie bereits berichtet, stehen in dem spätromanischen Gotteshaus umfangreiche Renovierungs- und Sanierungsarbeiten an. In einem ersten Bauabschnitt wurden im vergangenen Jahr das Gemäuer des Kirchturms neu verfugt, neue Dachrinnen angebracht und die Schall-Luken gestrichen. Inzwischen wurde auch ein Streifen entlang des Gotteshauses gepflastert, um sicherzustellen, dass das Wasser abfließt und nicht ins Gemäuer eindringt.

Arbeiten vorziehen

Weitere geplante Maßnahmen sind die Renovierung des Dachs und des Kirchenschiffs sowie des Innenraums. Wie Pfarrer Bäcker im Anschluss an die Besprechung erklärte, sind die Schäden am Altar so erheblich, dass mit der Restaurierung nicht bis zur Innenrenovierung gewartet werden sollte. Die Arbeiten an dem aus dem Jahr 1692 stammenden Aufsatz sollten vielmehr vorgezogen und so bald wie möglich in Angriff genommen werden.

Spinnweben dran lassen

Der Kirchenvorstand will kurzfristig Mittel bei der evangelischen Landeskirche und beim Landesamt für Denkmalpflege beantragen und hofft, dass Brützels wertvolles Werk dann nächstes Jahr hergerichtet werden kann. Auf Anraten der Fachleute sollte der Altaraufsatz bis dahin noch nicht einmal mehr abgestaubt und Spinnweben lieber drangelassen werden.

Im Lauf der Jahrhunderte wurde der Altar offensichtlich mehrfach überarbeitet. Restauratorin Beate Demolt hat dokumentiert, dass er großflächig überstrichen wurde. „Der Altaraufsatz zeigt in Stabilität und Standfestigkeit keine Beeinträchtigungen“, so ihr Urteil. „Jedoch ist eine umfangreiche Oberflächenverschmutzung festzustellen, die die Farben matt und trüb erscheinen lässt.“ Sie hat Kotrückstände von Fledermäusen und Vögeln festgestellt, außerdem Spritzer, Wachsflecken, Ausblühungen und Risse. Die Farbe hat sich teilweise in erheblichem Maße abgelöst. Ein Brützel-Engel hat nur noch einen Flügel, der andere liegt jedoch glücklicherweise daneben. Außerdem fehlen den Engelsfiguren einige Finger.

13 Wochen Arbeitszeit

Aus Beate Demolts Sicht hat die Sicherung des Bestands oberste Priorität. Eine Freilegung der Erstfassung würde ihrer Meinung nach zu einer Aufwertung und einer Verbesserung im Erscheinungsbild führen. Sie geht davon aus, dass die erforderlichen Arbeiten voraussichtlich 13 Wochen in Anspruch nehmen. Im Gegensatz zum Usselner Brützel-Altar, der seinerzeit zur Restaurierung in eine Werkstatt gebracht wurde, sollen die Arbeiten in Neerdar vor Ort ausgeführt werden.

Spenden erbeten

Pfarrer Bäcker und die Mitglieder des Kirchenvorstands hoffen, dass sowohl die Landeskirche als auch das Landesamt für Denkmalpflege großzügige Zuschüsse gewähren. Um die erforderlichen Eigenmittel aufzubringen, wird dringend um Spenden auf das Konto des Förderkreises gebeten (Konto-Nr. 140465 bei der Waldecker Bank, Bankleitzahl 52360059, Spendenzweck: Kirchenrenovierung Neerdar). Die Kollekte beim Meiler-Gottesdienst, der am Fronleichnamstag (Donnerstag, 7. Juni) um 10 Uhr auf dem Opferknochen beginnt, ist ebenfalls für die Arbeiten bestimmt.

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