Gute Unterhaltung bei Krimikomödie aus Steiners Theaterstadl, präsentiert von WLZ-FZ

„Dumm gelaufen“ - viel gelacht

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Korbach - Mit Heiterkeit auf Hochtouren von Anfang an und einem durchweg prominent besetzten Ensemble sorgte Steiners Theaterstadl für allerbeste Unterhaltung in der sehr gut besuchten Korbacher Stadthalle.

„Wer zuletzt lacht, lacht am besten“, dieser Grundregel gilt auch für Werner Sieberts Komödie „Dumm gelaufen“, in deren Verlauf die Gelegenheit nicht nur Diebe oder Liebe macht, sondern auch die unverhoffte Chance zu einem lukrativen Mord eröffnet. Für Lacher vom ersten Moment an sorgt Markus Böker, der im Verlauf seiner Vorfreude-Pantomime als Bankdirektor auf Abwegen keine Region unbeduftet lässt. Zu „I feel love“ reibt er seinen Schritt an jeder passenden Kante der Privatbank, ehe ihn der Anruf seiner längst über den Wolken gewähnten Ehefrau auf den harten Boden der Tatsachen herunter holt.

Seine Gattin Henriette von Pfaffinger (Gerda Steiner) will doch lieber persönlich Bargeld in seiner Filiale abholen und steht denn auch im Raum, ehe Halmertshofer-Pfaffinger sein überaus hitziges Fräulein Brettschneider von der leichten Verzögerung in Sachen Vollzug in Kenntnis setzen kann. Nach Henriettes Rückkehr aus dem Urlaub sind die beide „Liebenden“ ihren Job los und bei Scheidung wegen Seitensprungs geht der Gerade-noch-Bankdirektor leer aus - so steht es im Ehevertrag.

Dusselige Bankräuber

Beim verbalen und handgreiflichen Catfight zwischen der ebenso reifen wie bissigen Millionenerbin und der unter andrem als „Fräulein Betthupferl“ beschimpften Sekretärin bekommt der Zankapfel von beiden Seiten nicht immer das Beste über sich und seine Männlichkeit zu hören. Die Zuschauer kommen bei der gegenseitigen Beschimpfung der drei Akteure auf jeden Fall auf ihre Kosten und es kommt noch besser. Tatsächlich zünden die beiden dusseligen Bankräuber beim Eindringen in die Bank die nächste Heiterkeitsstufe.

Insbesondere Gilbert von Sohler als Walter, der sich beim Kommando seines Kollegen Hans-Georg (Henner Quest) ebenfalls zu Boden wirft und sich später von seinen Geiseln weismachen lässt, der Alarmknopf sei der Schalter für die Kaffeemaschine. Um nicht viel später daheim anzurufen, da er vielleicht vergessen haben könnte, die eigene Kaffeemaschine auszustellen. Dabei sind die Fluchttickets nach New York schon gebucht und auch die Polizei hängt längst in der Leitung, um wegen der Geiseln zu verhandeln.

Der Einfaltspinsel, der alles wörtlich nimmt, zumindest, das was er verstanden hat erweist sich als konstanter Motor der Heiterkeit. Auch mit seinen vergeblichen Versuchen, in der Nase zu bohren, da die an seinen Arm gefesselte Henriette permanent gegensteuert, provoziert Gilbert von Sohler deftige Lacher. Gerda Steiner vollzieht im Verlauf der Aufführung einen Wandel: vom fauchenden Drachen, den jeder Mann nur zu gern, nur nicht ohne Schmerzensgeld verlassen hätte, zur pfiffigen Sympathieträgerin, die am Ende die Polizei und jenes Pärchen austrickst, das aus dem Tod der reichen Frau nur zu gern maximales Kapital geschlagen hätte.

Auch Markus Böker bekam als Halmertshofer-Pfaffinger im Strudel der turbulenten Ereignisse reichlich Gelegenheit, von einem Fach ins nächste zu wechseln und den einzig glaubhaften Kriminellen zu verkörpern. Denn Bandenkopf Hans-Georg kann zwar eine „Om“-Runde nach der anderen einläuten, fällt aber bei den Verhandlungen ebenfalls dauernd aus der Rolle, bis er sich zuletzt im längst aufgegeben Part der großen Liebe wiederfindet, der Frau Pfaffinger einst den ersten Kuss gegeben hat.

Komplizin aus Liebe

Henner Quest spielte überzeugend den permanent überforderten geradlinigen Charakter, der einfach eine Frau braucht, die Bescheid weiß und sie mit 50 Jahren Verspätung endlich gefunden hat. Die Frage, ob das Fräulein Brettschneider nach der glücklich organisierten Flucht des Trios in ihrem Bankräuber den richtigen gefunden hat, beantwortet das Stück zwischen den Zeilen, denn Halmertshofer-Pfaffinger kann sich zwischendrin sehr gut vorstellen, auch ohne sie am Strand zu liegen.

Als Komplizin aus Liebe, die ihre Argumente allerdings bei beiden Bankräubern nicht anbringen kann, machte Cécile Bagieu eine gute Figur. Im Drama hat sie als sammelwütige Freizeit-Domina Brettschneider allerdings die A...karte gezogen. Denn mit den einschlägigen Bildern des Pärchens auf ihrem Handy, das sich nun in Henriettes Besitz befindet, sorgt das als drei weibliche Geiseln verkleidete Trio für freien Abzug aus der Bank.

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