Jennifer Höblich mit Mira, Marina und Karl-Otto auf 1500-Kilometer-Tour von München nach Rostock

Per Rad durchs deutsche Winterland

Jenny Höblich (Mitte) und ihre Freundinnen Mira (l.) und Marina am Brandenburger Tor.

Usseln/Deisfeld - Jenny ist manchmal stinksauer auf Karl-Otto. Kurz vor Berlin riet ihr der blöde Kerl doch wahrhaftig, auf einen Matschweg abzubiegen. Und dann wollte er sie zur Abwechslung auch mal auf eine Schnellstraße schicken...

Um es vorwegzunehmen: Matschwege und Schnellstraßen haben Jennifer Höblich und ihre beiden Freundinnen auf ihrer Radtour von München an die Ostsee nach Möglichkeit gemieden. Im Allgemeinen hat Karl-Otto, ihr Handy-Navi, sie auf Landes- und Bundesstraßen durch Deutschland geführt - rund 1500 Kilometer weit. Die Fahrradwege, auf denen sie eigentlich unterwegs sein wollten, waren aufgrund der winterlichen Witterung größtenteils nicht befahrbar.

Letzte Semesterferien

Jenny, 25 Jahre jung, ist in Usseln aufgewachsen. 2007 hat sie an der Willinger Uplandschule das Abitur bestanden und anschließend in Marburg Erziehungswissenschaften studiert. Nach der Bachelor-Prüfung war sie anderthalb Jahre als Jugendarbeiterin im Upland tätig und sattelt seit 2011 noch ein Motologie-Studium drauf. Ihren ersten Wohnsitz hat sie inzwischen in Deisfeld und den zweiten in Marburg, ist dem Upland aber immer noch eng verbunden. So ist sie in den Reihen der Usselner Sportschützen aktiv, arbeitet im Vorstand des Turn- und Sportvereins mit und hat einen guten Draht zu den Freundinnen und Freunden aus der Kinder- und Jugendzeit.

Ebenso wie ihre Kommilitoninnen Mira Schweda (25) aus Dorsten und Marina Timmerhinrich (24) aus Olfen steht Jennifer Höblich kurz vor der Master-Prüfung. Ihre letzten Semesterferien nutzen die drei unternehmungslustigen Studentinnen, um Deutschland zu erkunden. Sie sind am 12. März gestartet. Mit der Eisenbahn fuhren sie nach München, wo die Radtour begann, und heute dürften sie in Rostock ankommen. Am kommenden Mittwoch geht es dann mit dem Zug zurück ins Hessenland.

Viele Eindrücke gewonnen

Rund 50 bis 60 Kilometer haben Jenny, Mira und Marina durchschnittlich pro Tag zurückgelegt, einmal sogar rekordverdächtige 88 Kilometer. Sie fuhren ein Stück an der Isar, der Donau und der Saale entlang. Sie lernten interessante Landschaften kennen, angefangen vom Fichtelgebirge bis zur Mecklenburgischen Seenplatte. Sie schnupperten Großstadtluft in München, Nürnberg und Berlin, sahen sich aber auch in schmucken kleineren Städten gründlich um. Sie übernachteten in Pensionen, Gasthöfen oder Ferienwohnungen, gelegentlich auch bei Bekannten oder Verwandten. Sie kosteten lokale Spezialitäten - zum Beispiel Weißwurst mit süßem Senf zum Frühstück -, verdrückten manche Pizza und stärkten sich mit Nudeln. In der Nähe von Bayreuth köpften sie zur Feier von Tour-Kilometer 500 eine Flasche Sekt. Den 1000. Kilometer bejubelten sie am Seitenstreifen der B2, nicht weit entfernt von der Lutherstadt Wittenberg.

Sie hatten mit frostigen Temperaturen, Schnee, Hagel, Regen, Matsch und eiskaltem Gegenwind zu kämpfen. Doch sie erlebten auch Sonnenschein und strahlend blauen Himmel. Sie lernten hilfsbereite und interessante Menschen kennen. Und sie gewannen Erkenntnisse fürs Leben, zum Beispiel, dass die Bayern richtig nett sind („Wenn man sie doch nur verstehen würde ...“), dass Leitungswasser nicht so eklig ist, wie sie erwartet hatten, und dass Pferdesalbe eine echte Wohltat sein kann.

Spenden erbeten

Die ursprüngliche Idee, zum krönenden Abschluss im Bikini in die Ostsee zu springen, werden Jenny, Mira und Marina wohl nicht in die Tat umsetzen. Andererseits sind sie jetzt natürlich ziemlich abgehärtet...

Eines ist sicher: Diese Reise durchs deutsche Winterland werden die drei vermutlich nie vergessen. Viele Freunde und Verwandte haben dank Internet die lange Fahrt, die zugleich eine Spendentour war, miterlebt und ein paar Cent pro Kilometer lockergemacht. Das Geld kommt der Bärenherz-Stiftung zugute, die Einrichtungen für Familien mit unheilbar kranken Kindern unterstützt. Umfassende Infos darüber gibt es im Internet (www.baerenherz.de).

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