Gemeindechor aus Gusew (Gumbinnen) in der Nikolaikirche

Dynamisch und wohlklingend

Korbach/Bad Arolsen - Von der sphärischen Innigkeit des russischen Vaterunser bis zur lebhaften Derbheit des Tanzes bei der Hochzeit im Dorf reichten die melodischen Welten, die der Gemeindechor aus Gusew (Gumbinnen) bei seinem Auftritt in der Nikolaikirche erklingen ließ.

Im Rahmen ihrer Deutschlandtournee gastierten die Sängerinnen des vor 20 Jahren gegründeten Chores in Korbach und Bad Arolsen und sagten dabei wohlklingend Danke für die humanitäre Hilfe des Rotary Clubs Korbach-Bad Arolsen im Oblast (Landkreis) Kaliningrad, dem ehemaligen Königsberg in Ostpreußen, die auch der Diakoniestation in Gusew zugutekommt. Dabei erwies sich die Eröffnung des Konzerts als ideale Gelegenheit, die Stimmen in ihrer vollen dynamischen Bandbreite zu erleben, denn in den geistlichen Gesängen aus der russischen Orthodoxie kontrastiert die sanfte Inbrunst des Individuums im Gebet mit der voll tönenden Pracht des angerufenen Herrn im Himmel, die gerade im Finale zur allmächtigen Majestät erblüht. Im „Heilig, heilig, heilig“ aus Franz Schuberts Deutscher Messe entwickelte sich eine ideale Verbindung von slawischen Stimmen und der Tonkunst der Romantik. Das Spiritual „Heaven is a wonderful place“ schloss den geistlichen Teil mit einer munteren Einladung zum Mitklatschen.Bei den Volksliedern aus der Heimat herrschten eher besinnliche Töne vor und so konnten sich die Zuhörer beim Ostpreußenlied „Land der dunklen Wälder“, Friedrich Silchers Vertonung von „Ännchen von Tharau“ erst einmal zurücklehnen. Eher luftig als trotzig eröffnete der Gemeindechor das gegen Unterdrückung gerichtete Lied „Die Gedanken sind frei“ und hob sich den lautstarken Triumph bis zum Schluss auf. Mit der heiter-tänzerischen „Hochzeit im Dorf“, die das rustikale Geschiebe auf dem Tanzboden auch in derbe Klangbilder umsetzte, läuteten die Sängerinnen zum Abschluss der Heimatrunde schon den Reigen der ländlichen Tanzlieder ein. Denn auch im wolgadeutschen Lied „O Isabella“ ging es ebenso wiegend munter zu wie im schwedischen Volkslied. Auf Jaromir Vejvodas temperamentvollem Stimmungslied „Rosamunde“ reagierten die Konzertbesucher mit spontanem Beifall. Die beliebten Steigerungskurven der russischen und ukrainischen Volkslieder boten den Sängerinnen weitere Gelegenheiten, ihre vokalen Fertigkeiten im besten Licht zu präsentieren und dabei die Zuhörer weiter aufzumuntern. Mit dem Ausklang „Kein schöner Land in dieser Zeit“ endete der Chorabend dann besinnlich. Von Armin Hennig

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