Fischereiverein bringt bedrohte Tierart in die Lorfe zurück

Edelkrebse wieder angesiedelt

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Vereinsvorsitzender Rolf Zölzer setzt die Krebse aus.Fotos: Schultze

Vöhl-Schmittlotheim - Mitglieder des Fischereivereins Kirchlotheim/Schmittlotheim haben ihr Projekt „Wiederansiedlung des Edelkrebses“ in der Lorfe bei Schmittlotheim gestartet.

Der Edelkrebs (lat. astacus astacus) war die größte europäische Flusskrebsart und sehr weit verbreitet. In nahezu allen Flüssen und Bächen Europas kam er vor. Die von amerikanischen Arten eingeschleppte Krebspest brachte die einheimischen Krebsarten an den Rand der Ausrottung. Hinzu kam die sich stetig verschlechternde Wasserqualität in den 1960er- und 1970er-Jahren. So auch in der Lorfe. In einem seiner historischen Berichte beschreibt Walter Zarges aus Schmittlotheim das damalige Vorkommen des Edelkrebses in den Gewässern seines Heimatortes.

Die Mitglieder des Fischereivereins bemühen sich seit Jahrzehnten darum, die Lebensbedingungen im und am Wasser ihres Pachtgebietes entlang Eder und Lorfe zu verbessern. Bei der Renaturierung im Bereich der Eder konnten schon Erfolge erreicht werden. Im Jahr 2012 reifte dann der Entschluss, die Wiederansiedlung des Edelkrebses zu versuchen. Zunächst mussten die Voraussetzungen geprüft werden. Eine Checkliste wurde mit Unterstützung des Fischereibiologen Christoph Dümpelmann (Marburg) erstellt und fortlaufend abgearbeitet. Zu den Arbeiten zählten unter anderem Elektrobefischungen, um zu ermitteln, ob und in welcher Dichte der Hauptfeind der Krebse, der Aal, vorkommt. Zum einen sind die Bestände des Aales in der Eder seit Jahren stark rückläufig, zum anderen sorgt der unnatürliche Verlauf der Lorfe in der Ortslage Schmittlotheim für einen größeren Austausch der Fischbestände aus Eder und Lorfe. Bis auf ein einzelnes Exemplar konnten keine Aale in der Lorfe festgestellt werden.

Als nächstes musste mit Hilfe von Krebsfallen ermittelt werden, ob eventuell noch einzelne Krebse, auch wenn dies aus den Beobachtungen der Vorjahre nicht zu erwarten war, vorhanden sind. Über einen Zeitraum von zwei Wochen wurden mehrere Fallen ausgebracht und täglich kontrolliert. Ohne Ergebnis.

Schließlich mussten noch die notwendigen Genehmigungen eingeholt werden. Der Verpächter (Forstamt Frankenberg, Hessen Forst) begrüßt das Vorhaben. Ebenso erteilte die obere Fischereibehörde beim Regierungspräsidium Kassel die Genehmigung. Nachdem alle Punkte abgearbeitet waren, ging es nur noch darum, einen geeigneten Züchter zu finden und einen Zeitpunkt für den Start festzulegen. Als Züchter wurde den Angelfischern die Edelkrebszucht von Björn Kral aus Schotten im Vogelsberg empfohlen. Für die bestmöglichen Voraussetzungen muss die Wassertemperatur längerfristig unter 12 Grad Celsius gesunken sein, was erfahrungsgemäß ab Mitte Oktober der Fall ist. Regelmäßige Messungen waren erforderlich. Durch die lang andauernd hohen Temperaturen in diesem Herbst verzögerte sich der Beginn aber bis in den November.

1000 Jungkrebse wurden schließlich angeliefert und direkt danach von einem halben Dutzend Vereinsmitgliedern an festgelegten, geeigneten Stellen ausgesetzt. Diese Wiederansiedlung ist auf drei Jahre ausgelegt und wird jährlich mit derselben Stückzahl an Jungtieren wiederholt. Erst im darauffolgenden vierten Jahr kann mit geeigneten Mitteln festgestellt werden, ob die Wiederansiedlung erfolgreich war. Die Vereinsmitglieder sowie der Biologe und auch der Züchter sehen einem Erfolg optimistisch entgegen.(asc)

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