Korbach

Ehemaliger Tierschutz-Vorsitzender wegen Untreue vor Gericht

- Korbach (pfa). Der ehemalige langjährige Vorsitzende des Korbacher Tierschutzvereins soll über Jahre hinweg Geld unrechtmäßig in die eigene Tasche gewirtschaftet haben. Seit Donnerstag steht er daher wegen Untreue vor Gericht.

Private Telefonkosten, Büromiete, eine Hotelrechnung, der Kauf eines Kopierers, Sprit- und Kilometergeld oder sogar das „Knöllchen“ für einen Tempoverstoß soll der 72 Jahre alte ehemalige Vorsitzende aus dem Vereinsvermögen beglichen haben – das jedenfalls wirft die Anklage dem Handwerksmeister vor, der sich über viele Jahre hinweg für das Wohl von Tieren in der Region engagierte. Dazu zählte auch der Hund des ermordeten Ehepaares Pompetzki aus Goddelsheim. Rund sieben Millionen Mark erhielt das Korbacher Tierheim 1993 aus dem Nachlass der Unternehmerfamilie. Der damalige Vorsitzende verwaltete das Vermögen, legte Geld an, kaufte Immobilien und erweiterte das Tierheim, für das in der Folge bis zu acht Mitarbeiter und zwei Auszubildende tätig waren. Mit der siebenstelligen Erbschaft begannen scheinbar auch die Unregelmäßigkeiten, die die neue Vereinsspitze nach Abdanken des bisherigen Vorsitzenden Mitte 2005 festgestellt haben will – man schaltete die Staatsanwaltschaft ein. Zur Anklage kamen 31 Fälle, deren Gesamtvolumen Staatsanwalt Padberg auf bis zu 40 000 Euro summierte. Einen Teil des Geldes hat der Angeklagte inzwischen zurückgezahlt – etwa eine vom Verein „versehentlich“ erstattete Hotelrechnung oder eine Mietkaution, die er im Tresor „vergessen“ hatte. Für die vom Verein beglichene Rechnung über Arbeiten eines Gärtners beim Sohn des Angeklagten wusste dieser vor Gericht eine – aus seiner Sicht – plausible Erklärung: Viele an seine Familie gerichtete Rechnungen seien von den Betrieben quasi „automatisch“ an den Verein gegangen. „Mein Name war über Jahrzehnte eng mit dem Tierheim verknüpft“, sagte der ehemalige Vorsitzende. Er schilderte zum Prozessauftakt, wie viel Zeit und Mühe, aber auch Geld er in die Arbeit beim Aufbau der Tierschutzarbeit gesteckt hatte. Nicht zuletzt habe er dem Tierasyl hohe öffentliche Zuschüsse verschafft und zugleich Ausgaben erspart, weil er die Pompetzki-Erbschaft selbst „abgewickelt“ hatte.„Sie stellen sich hier als Wohltäter der Menschheit dar“, sagte der Vertreter der Anklage. Tatsächlich aber habe sich der 72-Jährige als „Sonnenkönig“ aufgeführt und sich „durch eigennütziges Handeln eine dauerhafte zusätzliche Einnahme“ verschafft. Diese Untreue sei als gewerbsmäßig einzustufen. Ein tragender Vorwurf am Donnerstag lautete, dass für die Entscheidungen des Vorsitzenden zumeist Genehmigungen des Vereinsvorstands fehlten.

Mehr lesen Sie in der WLZ und FZ vom Freitag, 31. Juli 2009.

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