Korbach

Ehrlicher Respekt statt schiefer Blicke

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- Korbach (resa) Rund jeder sechste Mitarbeiter in den Conti-Werken ist Muslim. Grund genug, um die Kultur des Islams kennen lernen zu wollen, befand Werksleiter Lothar Salokat und besuchte gemeinsam mit Vertretern des Korbacher Magistrats die muslimische Gemeinde.

Muhammet Balkan kniet konzentriert auf dem weichen Gebetsteppich. Er spricht arabische Worte aus dem Koran – eine Sprache, die zwar nicht seine Muttersprache, aber die Sprache seines Glaubens ist. Der 33-Jährige kniet, verbeugt sich, steht auf und folgt damit den Bewegungen seines Imam. „Das ist meine Zeit mit Gott“, erklärt der 33-Jährige, „da bekomme ich von außen nichts mit“. Vier dieser Gebetszeiten des Islams fallen in die Spätschicht bei Continental. Das weiß Werksleiter Lothar Salokat und er weiß auch, dass seine rund 500 muslimische Mitarbeiter deswegen zuweilen in Bedrängnis kommen. „Manchmal nutzen wir eine Pause für das Gebet in den Umkleideräumen“, sagt Muhammet Balkan, der Vorsitzender der muslimischen Gemeinde in Korbach und eben auch Conti-Mitarbeiter ist. „Aber manchmal holen wir das Beten auch Zuhause nach“, räumt er ein, „denn wir wollen auf keinen Fall unsere Arbeit vernachlässigen“. Das gilt auch für den Ramadan, während dem die Muslime fasten und trotzdem arbeiten.

90 Prozent aller Männer der muslimischen Gemeinde arbeiten auf der Conti, identifizieren sich mit dem Unternehmen und schätzen ihren Werksleiter. Der nimmt sich am Montagabend Zeit. „Ich kenne den kulturellen Hintergrund der christlich geprägten Mitarbeiter“, sagt er, „da ist es doch nur gerecht, wenn ich auch den Hintergrund der vielen muslimischen Mitarbeiter kennen lerne“. Und das gilt nicht nur in eine Richtung: Balkan kennt die Bibel, zitiert aus ihr, hat die deutsche Kultur studiert und fühlt sich hier Zuhause. „Vorurteile machen alles kaputt“, sagt er wütend. Und auch Salokat ist sicher: „Kennen lernen, heißt verstehen lernen“.

Und weil daran auch die Mitglieder der muslimischen Gemeinde glauben, haben sie ihren Werksleiter in ihre Moschee eingeladen und mit ihm auch die Vertreter des Korbacher Magistrats. Wilhelm Kappelmann und Reinhard Müllenhoff begleiten Lothar Salokat bei seinem Besuch. „Denn auch für uns ist es wichtig, alle Korbacher zu verstehen“, sagt Kappelmann, „nur so können wir auch in ihrem Sinne weiterarbeiten“.Es ist ein Besuch mit Symbolwert – nicht erst nach dem Brandanschlag, der deutsche und türkische Korbacher entsetzte. „Nach diesen Ereignissen haben wir uns noch mehr vorgenommen, die Öffentlichkeit zu uns einzuladen“, sagt Muhammet Balkan, „wir wollen Frieden und Verständigung und wünschen uns Respekt“. Das ist dann auch die Botschaft des Besuchs von Salokat, Kappelmann und Müllenhoff. Sie lassen sich die Geschichte des Islams erklären, lernen den Propheten und die Kalifen kennen, Symbole und Zeichen verstehen.

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