Am Ostersonntag einfach rollen lassen

Eier-Schiebeln in Korbach: Eine fast vergessene Ostertradition am Waldecker Berg

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Und los: Familie Reeb bringt dem jungen das Schiebeln bei.

Korbach. Nur eine Familie pflegt noch die fast vergessene Tradition des Eier-Schiebelns am Waldecker Berg. Doch sie hofft, dass der Brauch wieder auflebt.

Wenn nach dem Ostermorgen ein paar bunte Eierschalen am Waldecker Berg liegen, dann war weder der Osterhase schlampig noch hat jemand unvorsichtig gegessen – nein, dann hat Familie Reeb eine alte Tradition gepflegt: das Eier-Schiebeln. Bernd Reeb aus der Nähe Bad Homburgs kommt jedes Jahr mit seiner Familie – doch seit 40 Jahren findet er niemanden sonst, der den Brauch noch begeht.

In den 1950er Jahren war das noch anders, berichtet Bernd Reeb: 10 bis 20 Kinder aus der Nachbarschaft des Waldecker Bergs liefen alljährlich im Lauf der Vormittags mit den bunt gefärbten Ostereiern zum heutigen Grillplatz. 

Wie das Ostereier-Schiebeln in Korbach funkitioniert

Auf dem Gras schiebelten sie die Eier dann: Vorsichtig ließen sie sie den Hang hinunterkullern. Dabei sollten die Eier heil bleiben, erläutert bernd Reeb, aber so klappt klappte das nicht immer: „Zum Schluss war dieses Areal mit bunten Eierschalen übersät.“ 

Die Belohnung: Philipp Reeb sammelt nach dem Schiebeln die Eier ein.

Wessen Ei am weitesten unbeschädigt den Hang hinabkam, der hatte gewonnen – als Preis gab es all die Eier, die nicht so weit gekommen waren. „Die angedetschten wurden gleich gegessen“, sagt Bernd Reeb – was manchem satten Kind, das zu Mittagsessen zurückerwartet wurde, auch schon mal Ärger eingebrockt habe.

Warum ein Bad Homburger die Tradition des Ostereier-Schiebelns in Korbach am Leben hält

Bernd Reeb ist gebürtiger Homburger, doch seine Großeltern, die Hofmanns, lebten im Flandernweg. Dreimal jährlich besuchte er sie – auch zu Ostern, so dass er sich den Kindern der Nachbarschaft anschloss. Nach 1960 hatte der damals 13-Jährige andere Interessen, dann kamen Ausbildung, Bundeswehr, Studium und Beruf. „Zwischenzeitlich waren die Großeltern verstorben, aber ab 1970 zog es mich immer wieder mal nach Korbach“, berichtet er. Wenn er und seine Eltern den Waldecker Berg besuchten, sei aber kein Mensch mehr da gewesen.

Doch mit seiner Frau und seinem Sohn führte er die Tradition später fort – bis heute. Gerne sähe er es, würde der Brauch wiederbelebt, mit vielen Kindern am schönen Waldecker Berg. Familie Reeb jedenfalls wird Sonntagvormittag da sein und schiebeln.

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