Korbach

Eigene Stärken mit Musik entdecken

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- Korbach-Lelbach (nv). „Kinderchorarbeit ist anspruchsvoller, als ich mir je hätte träumen lassen“, betont Stadtkantor Eberhard Jung. Zusammen mit Musikwissenschaftlerin Margit Filipponi sucht er nach immer neuen Wegen, die Sänger des Kinder- und Jugendchors Korbach/Lelbach freudvoll zu fordern und zu fördern.

Musik, Bewegung, schauspielerische Elemente, kirchliche Inhalte und eine tolle Gemeinschaft: „Bei uns bekommen die Kinder das gesamte Paket“, berichtet Margit Filipponi und wirbt für die Nachwuchsarbeit in der evangelischen Stadtkirchengemeinde. Die Korbacherin, die eine Zusatzausbildung zur Lehrerin für rhythmisch-musikalische Erziehung absolviert hat, unterstützt Jung seit 2009. „Nach einem gescheiterten Versuch 2001 habe ich die Kinderchorarbeit 2004 wieder aufgenommen“, erläutert der hauptamtliche Kirchenmusiker. „Der Start war mühevoll, aber unser erstes Musical hat viele Kinder zum Chor gebracht, der seitdem expandiert.“

Derzeit betreuen die leidenschaftlichen Musiker rund 50 Kinder zwischen vier und 15 Jahren. Margit Filipponi hat sich der musikalischen Früherziehung der Vier- bis Siebenjährigen verschrieben, bei der rhythmische Sicherheit und spielerische Stimmbildung im Mittelpunkt stehen. Jung übernimmt die weitere Ausbildung in drei nach Alter gestuften Gruppen. „Singen mit Kindern boomt seit einigen Jahren“, erklärt der Stadtkantor. Jung, der mit Georg Lungwitz und Thomas Schwill das Kulturzentrum „Alte Schule“ in Lelbach betreibt, hat aber einen anderen Anspruch als den, einem Trend zu folgen. Gemeinsam mit Margit Filipponi will er die jungen Sänger fundiert ausbilden und mit ihnen auf einem gewissen qualitativen Niveau musizieren. Mit ihrer typischen Kinderstimme könnten junge Sänger im Optimalfall vier Oktaven abdecken, zeigt der Experte die Möglichkeiten auf. Wenn die Stimme jedoch nicht oder falsch geschult werde, reduziere sie sich häufig auf die Bruststimme, also die Sprechstimme. „Die Kinder müssen daher lernen, die Kopfstimme einzusetzen.“

Um diesem Ziel näher zu kommen, hat Jung 2010 den Master-Studiengang „Kinder- und Jugendchorarbeit“ an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover aufgenommen. „Während meines Kirchenmusikstudiums war Kinderchorarbeit kein großes Thema, aber inzwischen haben die Hochschulen umgedacht.“ Gerade in Zeiten, in denen viele Kinder Verhaltensauffälligkeiten zeigten, von Reizen überflutet würden und volle Terminkalender hätten, ist das Musizieren auf anspruchsvoller Ebene für Jung wichtiger denn je. „Die Kinder wollen gefordert werden“, hat er beobachtet. „Es ist toll zu sehen, wie sie Neues dann regelrecht aufsaugen.“

Erster Schritt zum Erfolg ist für Jung und Filipponi, dass die Kinder ihre Fähigkeiten (wieder) entdecken. Dazu gehört nicht nur die Kopfstimme, sondern zum Beispiel auch die Tiefenatmung und das Körperbewusstsein – denn „der Körper ist das Instrument“, betont Filipponi. Große Bedeutung schreiben die beiden Musiker auch dem Gehör zu: „Wer nicht hören kann, kann keine Musik machen“, fasst die Musikwissenschaftlerin zusammen.

Mehr lesen Sie in der WLZ vom Dienstag, 13. September

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