Flugrost im Hallenbad · SPD fordert Akteneinsichtsausschuss im Stadtparlament

„Ein atmosphärisches Problem“

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Flugrost am Beckenkopf aus Edelstahl: Schon wenige Wochen nach der Eröffnung finden sich Korrosionserscheinungen im Korbacher Hallenbad. Die Ursache ist unbekannt.Foto: Lutz Benseler

Korbach - Die Pannenserie setzt sich fort: Seit knapp zwei Wochen ist das Korbacher Hallenbad wegen Keimen im Trinkwasser geschlossen, jetzt verursacht Rost an Edelstahlbecken, Rutsche, Türzargen, Beschlägen und Lampen Sorgen.

Entsetzt verfolgten die Stadtverordneten im Ausschuss für Bauen und Umwelt am Dienstag den Bericht von EWF-Geschäftsführer Stefan Schaller. Die Ursache für Korrosion und Flugrost nur wenige Wochen nach der Eröffnung ist unterdessen unklar, „möglicherweise ist etwas in der Atmosphäre drin“, mutmaßten Schaller und Architekt Uno Kleine.

Streit gibt es um Verantwortung für die gesperrte Rutsche: Badbetreiber EWF hatte die Nachrüstung einer Lichtschranke gefordert, um Unfälle zu vermeiden. Schaller verwies dabei auf die Verkehrssicherungspflicht. Projektleiter Friedhelm Schmidt entgegnete, eine Lichtschranke sei nicht vorgeschrieben, der TÜV habe die Rutsche mit einer zeitgesteuerten Ampelanlage zugelassen. Unterschiedliche Ansichten zwischen Badbetreiber und Projektleiter gibt es auch darüber, ob für das Becken aktuelle Normen anzuwenden sind oder Bestandsschutz gilt. So haben etwa die Beckenumgänge eine Breite von 2,90 Metern, für Neubauten werden inzwischen vier Meter verlangt. Schaller forderte, die Frage zweifelsfrei klären zu lassen.

„Miteinander gesprochen?“

„Haben Erbauer und Betreiber im Vorfeld überhaupt einmal miteinander gesprochen?“, fragte Andreas Ruppert (CDU) angesichts der Differenzen. Als Schmidt daraufhin erklärte, dass EWF zu allen Sitzungen eingeladen gewesen sei, protestierte Schaller: „EWF war an der Planung in keinster Weise beteiligt.“ Es habe keine Abstimmung zwischen Projektleiter und Betreiber gegeben. Gegenüber der WLZ verwies der Geschäftsführer auf einen Magistratsbeschluss, der die EWF - bis auf Projektleiter Friedhelm Schmidt - von jeglicher Haftung freigestellt habe (siehe Hintergrund). Damit sei der Betreiber bewusst aus der Verantwortung für die Planung genommen worden. Schmidt kündigte im Bauausschuss für die gestrige Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses eine Stellungnahme an (weiterer Bericht folgt morgen).

„Was hier läuft, ist eine ziemliche Posse“, kommentierte Ralph Backhaus (SPD) den Streit. Offenbar stimme die Chemie zwischen Schaller und Schmidt nicht. Die SPD werde gegebenenfalls einen Akteneinsichtsausschuss beantragen, erklärte Backhaus außerdem. „Was ist hier in der Zusammenarbeit schiefgelaufen?“, fragte auch Henrik Ludwig (SPD). Es sei von vorneherein klar gewesen, dass die Stadt das Bad nicht betreibe, eine Abstimmung zwischen beiden beteiligten Seiten wäre deshalb gegeben gewesen.

Verhältnismäßig klein sind weitere Mängel am Bad: So wurden am Bodenbelag der Saunen laut Schaller Temperaturen von bis zu 62 Grad gemessen. Die Deckenbeleuchtung in der Schwimmhalle könne abends bei Dunkelheit draußen Reflektionen auf der Wasseroberfläche verursachen, sodass für die Schwimmmeister nicht zu erkennen sei, was im Becken passiere. Für das Bewegungsbad sei ursprünglich eine reine Kameraüberwachung geplant gewesen, listete der EWF-Geschäftsführer weiter auf. Das sei aber nicht zulässig, so Schaller: „Eine ständige Aufsicht muss da sein.“ Für die Mitarbeiterin müsse möglicherweise eine Kabine nachträglich installiert werden, da die Temperaturen und die hohe Luftfeuchtigkeit im Bad nicht den Vorgaben der Berufsgenossenschaft entsprächen.

Antworten erwartet

Rutschige Fliesen - unter anderem an den Treppen im Foyer und der Cafeteria - seien mittlerweile mit Flusssäure behandelt oder ausgetauscht worden. Für die Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses gestern wurde erwartet, dass Generalplaner Klaus Meyer vom Ingenieurbüro Möller + Meyer aus Gotha zu den Mängeln Stellung nimmt. (lb)

Hintergrund

Mangelnde Abstimmung zwischen den Beteiligten – das ist einer der Hauptkritik­punkte in der Diskussion um die Hallenbad-Sanierung in den politischen Gremien der Stadt. Tatsächlich ist die Verantwortung für Bad, Betrieb und Bauarbeiten auf drei Schultern verteilt: Friedhelm Schmidt, Chef des Technischen Eigenbetriebs der Stadt, ist gleichzeitig für die Energie Waldeck-Frankenberg (EWF) Projektleiter der Bädersanierung, denn Bauherrin ist zwar EWF, die Umsetzung läuft aber unter Regie der Stadt. Hintergrund ist eine Sonderkonstruktion in Sachen „Bäder“, wie sie auch viele andere Kommunen im Landkreis Waldeck-Frankenberg gebildet haben: Die Kosten des Hallenbades trägt zwar die Stadt Korbach, den Betrieb hat aber aus steuerlichen Gründen EWF inne. Per Magistratsbeschluss hat die Stadt Korbach den Betreiber der Bäder komplett von jeglicher Haftung bei der Sanierung freigestellt – also die Energie Waldeck-Frankenberg inklusive des Geschäftsführers Stefan Schaller. Ausgeschlossen ist davon allein Friedhelm Schmidt, der als Bäderbeauftragter sowohl in Diensten von EWF als auch der Stadt Korbach steht. Das Ingenieurbüro Möller + Meyer aus Gotha wiederum ist haftender Generalunternehmer, bedient sich aber eines heimischen Architekturbüros für die Planung. Hier kommt das Büro Kleine und Potthoff zum Zuge, das in den 70er- und in den 90er-Jahren bereits das Hallenbad und den Freizeitanbau konzipiert hatte.(lb)

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