Lichtenfelser Verwaltungsfachmann schlägt neuen Fachbereich vor

„Ein ehrliches Dankeschön hilft schon viel“

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Andre Gutmann (M.) stellte seine Thesen vor, Bürgermeister Steuber und Dozent Karl-Friedrich Emde (r.) wollen sie nutzen.Foto: md

Lichtenfels - Sie arbeiten in der Feuerwehr mit, leiten Chöre, bringen Kindern Fußballspielen bei: Ohne ehrenamtliche aktive Bürger wäre eine Kommune aufgeschmissen.

Doch was motiviert die Frauen und Männer, sich ehrenamtlich zu engagieren und was kann eine Kommune tun, um das Ehrenamt weiter zu stärken? Dieser Frage ist der 27-jährige Verwaltungsfachmann Andre Gutmann nachgegangen, Mitarbeiter im Hauptamt des Lichtenfelser Rathauses.

Die Antwort gibt er in seiner Abschlussarbeit seines Studium an der Hessischen Hochschule für Polizei und Verwaltung (Kassel). Gutmanns These: Anerkennung und Unterstützung ist wichtig, um Aktive weiterhin zu motivieren.

Seine Recherchen und Umfragen bei Schulklassen und Vereinen brachte zu Tage, dass rund 80 Prozent der rund 155 Befragten sich in einem Verein engagieren - wenn auch nicht unbedingt im Vorstand, erklärte Gutmann am Montag bei der Vorstellung seiner Thesen im Goddelsheimer Rathaus. Hessenweit liege die Quote bei 65 Prozent. Tendenziell sei ehrenamtliches Engagement eher rückläufig - zurückzuführen auf den demografischen Wandel und die Tatsache, dass viele Jugendliche nach Beendung der Schulzeit abwandern würden. „Als Motivation haben die meisten Hobby und Freizeitgestaltung angegeben“, erklärte Gutmann.

Der beste Weg, Ehrenamtliche zu gewinnen, sei die direkte Ansprache, fand der 27-Jährige heraus. Dabei sei es leichter, Frauen und Männer für zeitlich begrenzte, projektbezogene Aufgaben zu finden als für langjährige Verpflichtungen. Gesteigert werden könne der Einsatz durch weitere Anerkennungen - etwa Vergünstigungen für die Nutzung von öffentlichen Einrichtungen. Das sei aber schwierig umzusetzen in kleinen Kommunen wie Lichtenfels, wo es kein Schwimmbad oder dergleichen gebe, gab Gutmann zu bedenken. Auffallend sei im Umfrageergebnis auch, dass nur wenige Aktive sich im Akquirieren von Fördergeldern auskennen würden.

Aus seiner Recherche zog Gutmann daher folgendes Fazit: „Die Vereine müssen spüren, dass die Stadt hinter ihnen steht.“ Dabei sei materielle Anerkennung sei nicht zwangsläufig gefragt, um zu ehrenamtlicher Arbeit zu motivieren. Oft wirke ein Dank besser - „wenn er ehrlich gemeint ist und von Herzen kommt“, sagte er. Um Vereine gezielt zu unterstützen rate er vielmehr zur Gründung eines Fachbereichs Ehrenamt - sinnvollerweise in Zusammenarbeit mit anderen Kommunen oder auf Ebene des Kommunalen Serviceverbunds Eisenberg (KSVE). „Dort ließe sich Know how besser vernetzen, kompetente Ansprechpartner könnten Fördertöpfe nennen und bei der Antragstellung helfen“.

Die Stadt Lichtenfels will aus den Ergebnissen Lehren und Nutzen ziehen. Sie war es auch, die Gutmann für das Studium angemeldet hatte, das er mit dem „Bachelor of Arts für die allgemeine Verwaltung“ abgeschlossen hat. Denn: „Gerade kleine Kommunen brauchen das umfassende Verwaltungswissen, das in dem Studium vermittelt wird - es ist für uns von unschätzbaren Wert“, unterstrich Bürgermeister Uwe Steuber gestern bei der Vorstellung von Gutmanns Thesen. Die 3000 Euro, die das dreijährige Studium koste, seien jeden Cent wert, erklärte der Rathauschef. Das betonte auch Karl-Friedrich Emde, Erstgutachter der Abschlussarbeit und riet der Kommune, die Thesen zu verfolgen.

Für Steuber ist klar, dass er das Fazit den KSVE-Mitgliedern vorstellen wird, um trotz knapper Finanzen und dünner Personaldecke Vereinen und Ehrenamtlichen mehr Unterstützung zu bieten. (md)

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