Verein „Historischer Goldbergbau Eisenberg“ eröffnet die neue Saison der Führungen

Einblicke in die harte Arbeit der Bergleute

Mit Schutzkleidung und Helm ging’s unter Tage: Walter Hellwig (rechts) führte diese Gruppe gestern Nachmittag durch den „Unteren-Tiefen-Tal-Stollen“, der bereits im 17. und 16. Jahrhundert angelegt worden ist. Rund 100 Meter arbeiteten sich die Bergleute in mühsamer Handarbeit vor. 1922 bis 1929 wurde der Stollen in Richtung Goldhäuser Sportplatz um weitere 160 Meter verlängert. Foto: -sg-

Korbach-Goldhausen - Der Verein „Historischer Goldbergbau Eisenberg“ ist gestern in die neue Saison der Führungen gestartet. Drei Gruppen erkundeten die Stollen unter Tage.

Mit Hammer und Meißel arbeiteten sich die Bergleute im Gestein vor, nur fünf bis sechs Zentimeter schafften sie in einer Tagesschicht. Umso erstaunlicher ist, dass die verschiedenen Stollen im Eisenberg eine Gesamtlänge von rund 20 Kilometern haben. Und der Ertrag? Nur ein bis zwei Tonnen Gold haben die schwer schuftenden Männer über die Jahrhunderte aus dem Berg geholt - die Menge passt in ein 50-Liter-Fässchen. Zum Vergleich: Mit großem maschinellen Aufwand fördern Firmen inzwischen weltweit etwa 2700 Tonnen Gold - jedes Jahr.

Mit seinen Erläuterungen faszinierte Walter Hellwig gestern die jungen und alten Besucher. Bei strahlendem Sonnenschein nutzten zahlreiche Interessenten die Gelegenheit, sich bei einem spannenden Ausflug über die Goldhäuser Bergbaugeschichte zu informieren. Die reicht immerhin bis ins zwölfte Jahrhundert zurück: Ab 1250 ist sie in Urkunden zu fassen.

Hellwig erläuterte wie das Gold durch eine „Supernova“ - eine explodierende Sonne - auf die Erde geschleudert wurde. Die feinen Partikel lagerten sich auch im Sediment von Urzeitmeeren ab. Als zwei Kontinentalplatten mit riesiger Gewalt aufeinanderstießen, formten sich Gebirge wie der Eisenberg, der bei Goldhausen einen senkrecht verlaufenden „Hauptgang“ mit Gold aufweist - oder wie die früheren Bergleute sagten: einen „alten Zug“. Den versuchten die Leute ab dem Mittelalter auszubeuten. Die Grafen von Waldeck holten sich Fachleute aus Nürnberg und später Straßburg; den zehnten Teil des Ertrages kassierten sie als Landesherren. Zunächst betrieben die Bergleute unterhalb des heutigen Zechenhauses Tagebau, später trieben sie Stollen mit Entwässerung unter die Erde.

Das goldhaltige Gestein wurde in mit Wasserkraft betriebenen Pochwerken in Nieder-Ense, Eppe und möglicherweise in der „Alten Wiese“ zerkleinert - auch Goldmühlen genannt. Im Dreißigjährigen Krieg 1618 bis 1648 endete der Abbau. In den 1920er- bis 1940er-Jahren gab es weitere Versuche von Investoren, mit moderneren Methoden Gold zu gewinnen. Nach 1970 erklärte das Land, der Abbau der wohl noch ein bis zwei Tonnen im Berg lohne sich nicht. Es stellte die einstigen Stollen 1996 unter Denkmalschutz - das Besucherbergwerk entstand.

Im alten Zechenhaus neben dem Dorfgemeinschaftshaus sind heute Exponate aus der Geschichte ausgestellt: Gestein und Werkzeuge. Ein besonderes Erlebnis sind jedoch die Führungen durch den „Unteren-Tiefen-Tal-Stollen“. Die diesjährige Saison läuft noch bis Oktober.

Wegen der gestrigen Konfirmationsfeiern hatte der Verein am Morgen auf den sonst zur Saisoneröffnung üblichen Gottesdienst verzichtet. Stattdessen bat der pensionierte Pfarrer Walter Hellwig vor der ersten Führung bei einer kleinen Andacht um Gottes Segen, auf dass die Saison unfallfrei verlaufe. Nach alter Sitte zitierte er den Spruch der Bergleute: „Gott zur Ehr, dem Berggeist zur Wehr.“

Die drei Führer Jörg Kleine, Werner Grebe und Walter Hellwig waren vor Ort. Der Vereinsvorsitzende Wolfgang Behle erklärte in einer Ansprache, er hoffe, dass es in dieser Saison wieder so viele Besucher wie im vorigen Jahr gebe: Rund 2600 Interessenten hatten sich in etwa 250 Gruppen durch den historischen Stollen führen lassen.

Abstecher zum Schloss

Gab es am Morgen nur eine Gruppe, musste die zweite am Nachmittag wegen des großen Interesses aufgeteilt werden. Hellwig und Grebe führten die Besucher unter Tage. Start war am Zechenhaus, wo es eine Einführung gab. Zur Saisoneröffnung gab es Sondereintrittspreise. Bei dem klaren Wetter bot sich auch ein Spaziergang zu den Resten des gräflichen Schlosses Eisenberg und dem Georg-Victor-Turm an, der eine Fernsicht bis fast nach Kassel bietet.

Weitere Informationen zum „Abenteuer Gold“ und zu den Terminen und Preisen der Führungen gibt es unter www.korbach.de oder www.goldspur-eisenberg.de im Internet. Von Dr. Karl Schilling

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