„Kunst fürs Dorf - Dörfer für Kunst“ in Sachsenberg · Kurator erhält Einblicke

Eine Idee Wirklichkeit werden lassen

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Lichtenfels-Sachsenberg - Der Künstler Frank Bölter ist gut angekommen in Sachsenberg. Anfang April zog er von Köln in die Waldeckische Schweiz zog, um mit den Sachsenbergern Kunst zu machen. Seine Kunst-Ideen haben schon Form angenommen

.Ein Gedenkstein am Bürgerhaus, der die Jahreszahl 751 trägt, ein Fachwerkhaus, vom dem nur noch die Fassade steht, Häuser aus Zeitungspapier und einer Folie, die eigentlich für das Fenster in seiner neuen Wohnung gedacht war. Eine Blitzbetonbank um die Linde an der Ev. Kirche - und ein Gesäßabdruck auf der Bank, weil er sich auf sie gesetzt hat, als der Beton noch nicht getrocknet war. Das sind Ideen, die der 43-jährige Künstler Frank Bölter vornehmlich virtuell gestaltet und ins Internet gestellt hat - unter der Projektseite www.doerfer-fuer-kunst.de sind (siehe auch Hintergrund) sie zu sehen. Da kann sich jeder informieren, der wissen will, was der Künstler während des sechsmonatigen Kunstprojektes in Sachsenberg so macht, oder zusammen mit den Sachsenbergern machen könnte. Doch das weltweite Netz ist für Bölter nur ein Weg, um mit der Öffentlichkeit zu kommunizieren, damit vielleicht schon Reaktionen zu bekommen.

Viel mehr und viel lieber ist er in Sachsenberg unterwegs und unterhält sich bei den unterschiedlichsten Gelegenheit von Angesicht zu Angesicht mit den Bewohnern des Städtchens. „Ich versuche, hier ein Teil der Gesellschaft zu werden, und die Sachsenberger reagieren offen“, sagt Bölter. Als “Neu-Sachsenberger” hat er schon an einer Sitzung des ehemaligen Festausschusses teilgenommen, hat die Geschäfte besucht, bei einer Ortsbegehung die regionale Fachwerkarchitektur studiert, die Kirchen und den Friedhof besichtigt und beim Verteilen von Einladungen für den Städtchenabend am 20. April geholfen, bei dem er sich der Öffentlichkeit auch vorstellen wird.

Um mit den Sachsenbergern ein Kunstprojekt auf die Beine zu stellen, muss er lernen, welche Strukturen im Ort herrschen, „und das ist ein spannender Prozess“, erklärt Bölter. Ebenso spannende ist es für die Sachsenberger, daran mitzuwirken, aus einer Idee Wirklichkeit werden zu lassen, erklärt Thomas J. Hauck aus Berlin. Der Kurator des Projektes „Kunst fürs Dorf, Dörfer für Kunst“ ist am Mittwoch nach Sachsenberg gereist, um sich ein Bild zu machen. Das Kunstprojekt soll zur Kommunikation einladen, den Sachsenbergen ermöglichen, einen neuen Blick auf ihr Städtchen zu bekommen. Schon längst ist der Prozess angelaufen, und durch Filmabende unter der Linde oder gemeinsames Kochen soll er immer wieder neues Futter für Geist und Körper bringen: Kunst als verbindene Kraft.

Hintergrund

Die Deutsche Stiftung Kulturlandschaft, „Landschafft“, setzt sich seit ihrer Gründung im Jahr 2006 für den Erhalt und die ressourcenverträgliche Entwicklung der bäuerlich geprägten Kulturlandschaft ein.

Mit Hilfe verschiedener Projekte trägt sie Ideen zur sozialen und gesellschaftlichen Weiterentwicklung in Orte und Regionen, die vom demografischen Wandel besonders betroffen sind.

Das Projekt „Kunst fürs Dorf – Dörfer für Kunst“ ist eines davon. Konkret für Sachsenberg bedeutet das Projekt: Die Stiftung ermöglicht dem Künstler Frank Bölter für sechs Monate in Sachsenberg zu leben und arbeiten. Wohnung und Atelier stellt die Stadt.

Ein halbes Jahr lang können Künstler und Sachsenberger nun ein Kunstprojekt schaffen, wobei es weniger um das fertige Kunstprojekt geht, als vielmehr um den gemeinsamen Schaffensprozess, um die Auseinandersetzung mit der Kunst und der eigenen Wahrnehmung der Lebenswirklichkeit im Dorf. (md)

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