Diemelsee

Eine Staumauer braucht „Gefühl“

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- Diemelsee (nv). 72 000 Kubikmeter Bruchstein halten bei Vollstau des Diemelsees 20 Milliarden Liter Wasser in Schach. Damit die Experten des Wasser- und Schifffahrtsamtes Hann. Münden „fühlen“ können, ob die Staumauer dem Druck gewachsen ist, erneuern sie die Messtechnik.

Woche für Woche ist Talsperrenwärter Lars Brücher unterwegs, um die Staumauer zu kontrollieren. „Wäre irgendwo ein Loch, würde der Druck steigen“, erklärt der Rhenegger. Die entsprechenden Messwerte liefern ihm 35 Druckaufnehmer, die in der 42 Meter hohen Mauer verteilt sind. Die Mauerkrone ist 194 Meter lang und sieben Meter breit. Die Sohlenbreite beträgt 31 Meter. „Die Druckaufnehmer wurden 1985 eingebaut und bei der Sanierung 1997 gewartet“, berichtet Brücher. Obwohl das Bollwerk als Schwergewichtsmauer konstruiert wurde, das dem Wasserdruck allein aufgrund seines Gewichts standhalten sollte, hatten im Laufe der Jahre höhere Auftriebskräfte gewirkt. Erst die Grundsanierung von 1995 bis 1997 für rund 20 Millionen Mark erlaubte den Vollstau wieder.

Die Sensoren gelangten seinerzeit durch Bohrungen in das Mauerinnere. „Der tiefste Druckaufnehmer sitzt 36 Meter unter der Mauerkrone“, erläutert der Talsperrenwärter. Wichtigstes Arbeitsgerät ist für Brücher und seinen Kollegen Udo Rosenkranz daher ein Gestänge-Satz. Rohr für Rohr stecken die beiden zusammen und schieben die Konstruktion von der Mauerkrone in eines der Löcher, die sonst mit einer Art Gullideckel verschlossen sind. „Wir müssen immer wieder suchen, wo genau der Druckaufnehmer sitzt“, erklärt Brücher. Es gilt das Rohr richtig anzusetzen, den Sensor loszudrehen und vorsichtig herauszuziehen. „Außerdem müssen wir aufpassen, dass uns das Gestänge nicht plötzlich in der Tiefe verschwindet“, lächelt der Fachmann. 25 Messgeräte tauschen die WSA-Mitarbeiter über die Mauerkrone aus, zehn über den 150 Meter langen Kontrollgang, der im Zuge der Sanierung in die Mauer gesprengt worden war.

Die neuen Geräte, die eingebaut werden, sobald die Löcher gespült wurden, haben eine andere Befestigungstechnik, die das Arbeiten künftig erleichtert. Auf die Frage, warum die Druckaufnehmer erneuert und nicht erneut gewartet werden, hat Brücher eine einfache Antwort parat: „Das ist wie beim Auto: Der TÜV sorgt auch dafür, dass ein Teil ausgetauscht wird, bevor es kaputt ist und etwas passiert.“Aufgrund der aufwändigen Arbeiten ist die Sperrmauer voraussichtlich bis zum 28. Oktober tagsüber gesperrt. Die Überfahrt ist nur montags bis donnerstags von 17 bis 8 Uhr und freitags ab 13 Uhr möglich. Samstags und sonntags bestehen keine Beeinträchtigungen. Die Umleitung ist ausgeschildert. Brücher: „Wir wissen allerdings nicht, was in der Tiefe noch auf uns wartet.“

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