Die Sportler vom Powerdrachen-Team Nordhessen haben in Basdorf die Faszination des Kitens entdeckt

Für einen Moment der Schwerelosigkeit

Vöhl-Basdorf - Der Traum vom Fliegen ist so alt wie die Menschheit. Thorben Mehrhoff, Florian Bamberg und ihre Freunde vom Powerdrachen-Team leben ihn. Dafür brauchen sie die Wiesen rund um Basdorf, eine ordentliche Portion Wind und vor allem ihre Kites.

Der Wind fegt über die Felder in Basdorf. Die Wolken ziehen schnell und zwei Fahnen flattern im Wind. „Perfektes Wetter“, befindet Thorben Mehrhoff, schnallt sich sein Mountainboard unter die Füße und legt sich ein Geschirr um den Bauch. Jetzt will er fliegen. Und weil das alleine nur halb so viel Spaß macht, steht er nicht alleine auf dem großen, gemähten Feld in Basdorf. Florian Bamberg, Adam Ernst und Adrian Drzezla haben auch bereits ihre Helme aufgesetzt und trotzen dem Wind. Nach einem kurzen Blick auf die flatternden Fahnen haken sie sich ein und lassen sich mitreißen. Der Wind greift in die großen Schirme und lässt die Sportler springen, wirbeln und fliegen. Diejenigen, die auf ihren Boards­ auf Rollen stehen, fahren über die Wiese, heben ab und landen freudestrahlend wieder. Andere sind mit Handle-Kites unterwegs, die aus der Hand gesteuert werden und wie große Lenkdrachen sind – nur viel stärker. „Es ist der kurze Moment der Schwerelosigkeit, der für das Kribbeln und die Faszination sorgt“, sagt Mehrhoff. Dafür muss der Wind – ohne zu starke Böen – richtig stehen und der Boden eben sein. „Und dann kämpft man mit den Elementen“, sagt Adrian Drzezla. „Außerdem“, fügt Florian Bamberg hinzu, „wir wollen eben fliegen.“ Briefmarken sammeln könne ja jeder. Beigebracht haben sich die Männer ihre Sportart selbst. „Wir haben das an der Küste gesehen“, sagt Mehrhoff, „und da dachten wir: Wind haben wir in Basdorf auch.“ Vorsichtig begannen sie mit ihren ersten Schirmen und Boards, testeten die Kraft des Windes aus, lernten Griffe und Kombinationen und erweiterten ihre Ausrüstung. Inzwischen treffen sie sich mehrmals die Woche. Zuweilen fliegen sie vier oder fünf Meter und kehren zu ihren Familien mit Schürfwunden zurück. Auch Knochenbrüche kommen vor. „Der Sport ist nicht ungefährlich“, sagt Mehrhoff „man muss seine Grenzen kennen.“ Das gilt sowohl für die Fähigkeiten am Schirm als auch für die Kraft in Armen, Beinen und Bauch. Und im Zweifelsfall müsse auch mal die Reißleine gezogen werden. „Wir freuen uns sehr darüber, dass uns die Landwirte auf ihren Flächen fahren lassen“, sagen die Kiter, „denn die Windbedingungen hier in Basdorf sind sehr gut.“ Das gilt für Sommer und Winter: Denn wenn Schnee gefallen ist, schnallen sich die Kiter Ski unter die Füße und lassen sich von ihren Schirmen ziehen. Mit dabei ist dann auch Rabea Mehrhoff mit Fotoapparat und Videokamera. Denn inzwischen haben sich die Sportler im Internet eine eigene Community aufgebaut. Mit der Gründung des Powerdrachen-Teams Nordhessen sind sie auch in die Öffentlichkeit gegangen. „Wir wollen auch andere Menschen für unseren Sport begeistern“, sagt Mehrhoff. Und das fällt nicht schwer: Denn wenn der Wind den Schirm erfasst und die Leinen sich straffen, dann beginnen die Basdorfer wirklich zu fliegen.Beiträge zum Thema finden Sie auch im Mitmachportal der WLZ-FZ, auf www.myheimat.de, unter dem Suchbegriff „Kiten Basdorf“.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare