Korbach

Einer, der in der Badewanne Eis isst

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- Korbach (tt). Wenn er in seinem roten VW Transporter unterwegs ist, muss Markus Buschmann nicht einmal die Hupe benutzen. Die Kinder am Straßenrand warten meistens schon. Denn „Buschi“ ist der etwas andere Eismann.

Gegen kurz vor zwölf am Mittag fährt Markus Buschmann auf den Parkplatz vor der Alten Landesschule und der Humboldtschule. Keine zehn Sekunden steht „Buschi‘s Eismobil“ dort, als eine Grundschulklasse vorbeikommt. Die Lehrerin hat Probleme, die Kinder, die eben noch geordnet in Zweierreihen den Bürgersteig entlang liefen, am Eiswagen und Buschi vorbeizulotsen.

Der Eismann grüßt alle freundlich. Manche der Schüler erkennen ihn und fragen, ob er diese Woche auch wieder bei ihnen zu Hause vorbeikommt. „Natürlich mache ich das“, sagt Buschi und lacht dabei. Kurz darauf bildet sich die erste Schlange vor seinem Wagen. Markus Buschmann scheint anders zu sein, als andere Eisverkäufer. Kunden können bei ihm das Eis mit D-Mark oder Pfandflaschen bezahlen. Und mit dem Eismobil ist er das ganze Jahr unterwegs, auch im Winter.

Die wartenden Eltern an der Schule kommen gerne vorbei, um mit Buschi zu plaudern. Dabei geht es um Themen wie die Busfahrpläne an den Schulen, für die er kein Verständnis hat. Eine Kundin sagt, sein Eis sei gut, nur ein bisschen teuer. Das weiß Buschi selbst, und deshalb kann er darüber auch lachen: „Mit ein bisschen Schnacken baut man eine Verbindung zu den Kunden auf“, meint er. Er ist eine Art Alleinunterhalter, aber auch Geschäftsmann. Die Kugel kostet 90 Cent. „Das liegt halt an der Qualität“, so Buschi.

Die Qualität entsteht in seinem „Eislabor“ – ein Keller mit weißen Fliesen an der Wand und einer Neonröhre unter der Decke. Alles wirkt steril, wie ein Labor eben. Dort stellt der 39-Jährige das Eis selbst her. Bis zu 40 Sorten hat er in seinem Wagen. Dafür fängt er abends gegen 22 Uhr mit der Herstellung an. Das kann bis morgens um sechs dauern. „Nachts stört mich kein Telefon. Und vier Stunden Schlaf sind ein gutes Pensum.“

Weitere Arbeitskräfte will Buschi nicht, damit habe er schlechte Erfahrungen gemacht. Bei der Herstellung werden die Zutaten wie Milch, Sahne und Bindemittel zunächst pasteurisiert, also auf 60 Grad erwärmt, damit die Keime absterben. Hinzu kommt dann die jeweilige Geschmacksrichtung, zum Beispiel Nusspaste. Nach 15 Minuten in der Gefriermaschine werden weitere Zutaten untergemischt, wie Smarties oder Rocher. Buschi ist es wichtig, dass sein Eis gesund ist. Deshalb gibt es auch kein Schlumpfeis, da sei zu viel Chemie drin.

Sechs mal in der Woche geht der dreifache Vater mit seinem Eismobil auf Tour. Im Sommer kann eine Fahrt bis 22 Uhr dauern. Nur samstags hat der Eismann frei, wenn er nicht gerade Eistorten für Hochzeiten liefert.

In diesem Winter wird er das erste Mal kein Eis ausfahren. Er verdient sich sein Geld dann als Skilehrer und im Skiverleih. Auf Speiseeis verzichten möchte er trotzdem nicht: „Für mich gibt es nichts schöneres, als an einem kalten Wintertag ein warmes Bad zu nehmen und dabei ein Spaghetti-Eis zu essen.“

Mehr lesen Sie in der WLZ vom Samstag, 27. August.

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