WLZ fragte bei allen Beteiligten nach - Eine Chronologie

Eingeklemmter Kater: Leserin kritisiert Ablauf des Befreiungs-Einsatzes

+
Einsatz in der Gelsenkirchener Straße in Korbach: Ein Kater wurde von der Feuerwehr befreit, starb jedoch später. Die Anruferin, die den Notruf abgesetzt hatte, kritisierte ebenso wie ihre Tochter den späten Beginn der Rettung. 

Korbach – Vor rund einer Woche sind Einsatzkräfte in die Gelsenkirchener Straße in Korbach ausgerückt, um einen Kater zu retten. Das Tier starb später auf dem Weg zum Tierarzt (wir berichteten). Kurz danach meldete sich die Waldeckerin Constanze Wrecz (55) bei der WLZ. Sie hat ebenso wie ihre Mutter (77), die in der Gelsenkirchener Straße wohnt und den Notruf abgesetzt hatte, Zweifel daran, dass der Einsatz schnell genug ablief.

„Ich weiß nicht, ob der Kater hätte gerettet werden können. Aber das Leiden des Tieres hätte man sicher schneller beenden können“, sagt sie.

Unsere Zeitung fragte diesbezüglich bei allen Beteiligten noch einmal gezielt nach.

Der erste Anruf

Laut Polizei-Protokoll wählte die Mutter von Constanze Wrecz am Freitag, 12. April, die 110. Sie informierte die Beamten darüber, dass im gegenüberliegenden Mehrfamilienhaus ein Kater in einem halb geöffneten Fenster im zweiten Stock  eingeschlossen sei und er sich daher in Gefahr befinde. „Wir wurden um 14.14, direkt nach dem Anruf, von unserer Zentrale in Kassel über den Fall in Kenntnis gesetzt. Eine Korbacher Polizeistreife hat sich daraufhin sofort auf den Weg gemacht“, berichtet Polizeisprecher Jörg Dämmer.

Der eingeklemmte Kater im zweiten Stock des Gebäudes. 

Als die Beamten eingetroffen seien, hätten sie den eingeklemmten Kater direkt bemerkt. „Die Situation wurde von den Kollegen aber als nicht lebensbedrohlich für das Tier angesehen. Der Kater gab laute Rufe von sich und war im vitalen Zustand. Daraufhin haben sich die Kollegen erst einmal darum bemüht, die Besitzer des Tieres zu erreichen. Das gelang jedoch nicht, weil niemand in der Wohnung war. Der übervolle Briefkasten sowie Aussagen der Nachbarn ließen den Schluss zu, dass die Wohnung seit längerer Zeit unbewohnt war und der Kater dort alleine lebte“, so Dämmer. Offenbar sei das Tier auf der Suche nach Futter gewesen und habe sich bei dem Versuch, aus der Wohnung zu kommen, in dem Fenster verkeilt.

Der Sprecher betont, dass das Verhalten der Kollegen absolut nachvollziehbar gewesen sei. „Wenn nichts darauf hindeutet, dass sich ein Tier in akuter Lebensgefahr befindet, ist es zunächst richtig, mit Hilfe der Besitzer dem Tier zu helfen. Außerdem waren keinerlei äußere Verletzungen sichtbar. Ein Feuerwehreinsatz ist letztlich immer mit hohen Kosten für die Tierhalter verbunden.“

Unverständnis

Die Tatsache, dass sich unmittelbar nach Eintreffen der Polizei noch kein Rettungseinsatz abzeichnete, war für die 77-jährige Anruferin jedoch nicht nachvollziehbar. Sie rief ihre Tochter gegen 14.45 an und fragte um Rat. „Ich habe ihr gesagt, sie solle die Feuerwehr unter der 112 kontaktieren. Ich verstehe auch nicht, warum eine halbe Stunde nach dem Anruf bei der Polizei immer noch nicht mit der Rettung des Katers begonnen worden war“, sagt die Tochter.

Der zweite Anruf

„Nach dem Anruf der Frau informierte uns die Leitstelle um 14.51 Uhr. Wir sind um 14.57 Uhr ausgerückt und trafen um 15.02 Uhr am Haus ein. Schneller geht es nicht“, berichtet Stadtbrandinspektor Carsten Vahland. Die Feuerwehr habe sofort mit der Rettung begonnen und den eingeklemmten Kater mit Hilfe einer Drehleiter und einer Transportbox „aus der misslichen Lage befreit“. Das Tier sei danach dem Korbacher Tierheim übergeben worden.

Todesursache unklar

„Leider ist der Kater dann auf der Fahrt zum Tierarzt gestorben“, berichtet Tierheimleiterin Karina Kuhn. Da das Tier nicht obduziert worden sei, könne nicht festgestellt werden, was die Todesursache gewesen sei. „Er kann an inneren Verletzungen gestorben sein, die er sich zugezogen hat, als er im Fenster eingeklemmt war. Auch ein Herzinfarkt ist möglich“, so Kuhn. Unterernährung als Todesursache scheide wohl aus, das gehe nicht so schnell.

Anzeige erstattet

Wie die Polizei der WLZ auch mitteilte, hat sie gegen die Besitzer Anzeige wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz erstattet. Schließlich sei der Kater wohl über längere Zeit allein in der Wohnung gelassen und durch das halb geöffnete Fenster einer Gefahr ausgesetzt worden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare