Schnadezug zur Dalwigker Warte ·Neue Grenzmale enthüllt

Einprägsamer Gang durchs Grüne

Korbach - Am Sonntag gingen die Korbacher den Osten ihrer alten Hutegrenze ab. Davon nahmen manche ein Bewusstsein für die Geschichte ihrer Heimat mit, manche einen wunden Hintern.

„Die werden jetzt gestutzt, bis der Stein nicht mehr zu sehen ist“, verkündete der Schnadekundige Heinz Merl. Ziel der Drohung war die Abordnung der Meineringhäuser – nach Berndorfern, Ober-Waroldern und Strothern die letzte Gruppe, die beim Schnadezug zu den Korbachern stieß. Der Einladung der Schützengilde zum Zug vom Hospitalgehege bis zur Dalwigker Warte folgten etwas mehr Menschen als der vor drei Jahren: Von der Mittagspause am Redhof brachen 130 Männer, Frauen und Kinder auf. Nicht die Gemarkungs-, sondern die Hutegrenze gingen sie ab – was bedeutete, dass Strothe komplett eingeschlossen war. Dies nahmen die Meineringhäuser als Anlass zur Provokation: „Der Redhof wandte sich wegen der Huterechte schon vor 150 Jahren an Meineringhausen – ihr habt gar kein Recht, hier zu sein“, behauptete Friedhelm Schmidt als Wortführer des Ortsteils. Als Quittung ließ das Stutzkommando einige Meineringhäuser Bekanntschaft mit dem Redhofstein machen. Nach Beilegung des Konflikts ließen auch die Kanoniere der St. Barbara von der Bedrohung Meineringhäuser Gebiets ab. An der alten Grenze zu Hessen-Darmstadt feuerten sie hingegen demonstrativ. Salut gaben sie ab, wenn neue Steine enthüllt wurden: Rainer Wiegand stiftete ein Grenzmal in der Landwehr nördlich von Strothe, das Königspaar Nadine und Karsten Balk eines am Brünnecken Born – neben dem fürs Stutzen wenig geeigneten Gedenkstein an den Aufruhr, der von dort aus Korbacher Alt- und Neustadt vereinte. Auch der ehemalige Schützenkönig Adolf Gräbe trug mit einem neuen Stein zur Erinnerung an die Grenze bei. Ein schweres, falsch platziertes Exemplar hatten die Pioniere um einige Hundert Meter versetzt.Auf neuen wie alten Grenzmalen ließen sich Schnadezügler stutzen. So schmerzhaft wie bei den Burschen, die noch einige Stockschläge zusätzlich kassierten, war das gemeinhin nicht, aber einprägsam sollte es sein: Vergangenheit und Ausdehnung der Heimat sowie die auf dem Marsch weitergereichten Geschichten sollen den Schnadezüglern auch nach Ende des Grenzbegangs präsent bleiben – getreu dem Schnadespruch „Der Stein, die Grenze, in Ewigkeit.“ Von Wilhelm Figge

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