Meik Valentin verbringt auf eigene Kosten zwei Wochen in einem griechischen Waldbrand-Camp

Einsatzerfahrung statt Urlaubsfreuden

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Annäherung an den simulierten Brandherd: Im Wald muss sich jeder Feuerwehrmann auf seinen Körper, seinen Orientierungssinn und einen wachhabenden Kollegen verlassen können.

Frankenberg/Sachsenberg - Jedes Jahr sind es die gleichen Bilder: In Spanien, Kalifornien, der Türkei und Griechenland brennen die Wälder. Meik Valentin wollte helfen und seinen Erfahrungsschatz erweitern - denn auch in seiner Heimat sieht er eine steigende Gefahr von Feuern im Wald.

Da ist Meik Valentin extra nach Griechenland gefahren, auf eigene Kosten, selbst organisiert, um etwas über Waldbrände zu lernen - und dann brannte es nicht. Der griechische Wald, sonst jedes Jahr ein bedrohliches Flammenmeer, blieb bislang vom Feuer verschont. Enttäuscht ist Valentin deshalb nicht. „Jeder nicht stattgefundene Einsatz ist ein guter Einsatz“, sagt er - ganz der Feuerwehrmann.

Tagsüber verkauft der Familienvater für die LBS in Frankenberg Häuser und Wohnungen. In seiner Freizeit ist er Vorsitzender des Feuerwehrvereins in seinem Heimatstädtchen Sachsenberg. „In der Einsatzabteilung bin ich aber nur Indianer“, gibt er zu - also ein Brandschützer ohne besondere Führungsaufgaben. Er erfüllt mit seinen Kameraden die typischen Aufgaben der hiesigen Wehren: Menschen aus Unfallwracks retten, Unfallstellen absichern, Ölspuren abstreuen, Keller auspumpen - das namensgebende Abwehren von Feuer spielt eine immer geringere Rolle: „Der Anteil sinkt stetig“, sagt der Familienvater. Und wenn es doch mal brennt - das große Feuer in Neukirchen im vergangenen Jahr ist noch immer in Erinnerung -, dann sind es meist Häuser, kaum aber unbewohnte, schwer zugängliche Gelände.

Desolate Versorgung

In Griechenland ist das anders. Der klassische Brandschutz hat dort einen viel höheren Stellenwert. „Doch es gibt da keine freiwilligen Feuerwehren“, sagt Valentin. Die Aufgabe übernehmen professionelle Brandschützer - dementsprechend schlecht ist bei der desolaten Finanzlage des südeuropäischen Landes die Versorgung. „Wenn man einen Autounfall hat, dann muss man schon mal 30 Minuten warten“, zeigt Meik Valentin die schockierende Wahrheit auf.

Weil ein Unternehmer ähnlich lange warten musste, bis die Wehr seine Lagerhallen löschte, gründete er die Esepa - Griechenlands erste freiwillige Feuerwehr.

Wichtiger Bestandteil der Esepa: das Waldbrandcamp nahe des Dörfchens Rizomata bei Thessaloniki. Dort lebte auch Meik Valentin zwei Wochen. Die Anreise musste er selbst zahlen, eigenen Urlaub opfern. Um 9 Uhr gab es Frühstück, dann wurde bis 14 Uhr Theorie gelernt. Bis 17 Uhr gab es wegen der großen Hitze Pause, dann mussten die Teilnehmer bis in die Abendstunden eine zweite Einheit absolvieren - mal Theorie, mal Praxis. „Es gab Training auf dem Gelände, aber auch im unmittelbar angrenzenden Wald“, erinnert sich Valentin, der mit 20 weiteren Männern aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, den Benelux-Ländern, Liechtenstein und Südtirol in dem Camp lebte.

Die Trainingsinhalte: Schneisen schlagen, mit wenig Gerät umgehen lernen, in Kleingruppen zusammenarbeiten. „Man lernt etwa, dass es wichtig ist, dass ein Kamerad nichts weiter macht, als die Umgebung im Blick zu halten“, sagt Valentin. Während das Team Bäume fällt, Gras und Buschwerk beseitigt, passt einer auf, dass das Feuer nicht zu nahe kommt. „Ganz anders als hier ist auch, ein Feuer ohne Wasser zu bekämpfen“: Die Brandschützer gehen mit gerade einmal 20 Litern pro Mann in den Wald. Das Feuer wird nicht gelöscht, sondern ausgehungert. Das Wasser dient dazu, Bäume gegen den Funkenflug zu schützen.

Ein zweitägiges Camp im „Einsatzgebiet“ half, sich auf eine Notlage einzustellen. „Man lernt auch viele sinnvolle Kleinigkeiten“, sagt der Sachsenberger: eine sichere Zone mit Gerät und Verpflegung einrichten. Fahrzeuge in Fluchtrichtung abstellen. Denn Waldbrände sind tückisch, wie jüngst der Tod von amerikanischen Feuerwehrmännern gezeigt hat.

So ist das Fazit des jungen Mannes auch ohne Brandeinsatz positiv: Gerade weil der Klimawandel auch in Deutschland Waldbrände wahrscheinlicher macht, sei ein Besuch des Esepa- Camps sinnvoll, sagt Valentin. Und er habe Erfahrungen in das Land gebracht - habe geholfen ohne simple Geldspende.

Ganz ohne Einsatz verließ auch er am Ende Griechenland nicht: Nahe des Camps gab es einen Autounfall. Meik Valentin leistete technische Hilfe - wie auf heimischen Straßen auch.

Infos: http://www.esepa.gr/de und ffw.sachsenberg@gmx.de

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