Korbach Hanse denkt über eigenes Shopping-Portal nach

Einzelhändler kämpfen gegen "Beratungs-Klau"

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Die Fußgängerzone: Gebühren für die Beratung müssen die Kunden der Korbacher Einzelhändler nicht bezahlen. Die Hanse denkt außerdem über ein Shopping-Portal im Internet nach. 

Korbach. Erst sich im Laden informieren, dann im Internet kaufen – so sparen viele Leute Geld. Die Einzelhändler ärgert das, deshalb verlangen sie mancherorts für die Beratung Gebühren. Ein Modell auch für Korbach?

Deutschlands Händler schlagen zurück: In einigen Brautmodengeschäften sind Gebühren für die aufwendige Beratung Usus, auch das eine oder andere Fotogeschäft lässt sich die fachkundige Information bezahlen, berichtet die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Schreitet der Kunde nach der Beratung doch noch zur Ladenkasse, werden die Gebühren auf den Kaufpreis angerechnet.

In Korbach hat sich laut Hanse-Vorsitzendem Jürgen Tent das Modell noch nicht durchgesetzt. Tent hält Gebühren für Beratung auch nicht für sinnvoll: „Damit verschreckt man die Kunden eher.“ Dass sich die Leute beraten lassen und dann woanders kaufen, habe es schon immer gegeben: „Heute kaufen die Leute im Internet, früher haben sie im Quelle-Katalog bestellt.“ Der Handelsverband Deutschland (HDE) empfiehlt indes: Einzelhändler sollten das Einkaufserlebnis verbessern, anstatt eine Gebühr zu verlangen.

„Handel als Problemlöser“

Der Korbacher Hanse-Vorsitzende kann dem nur zustimmen: „Der Einzelhandel sollte sich als Problemlöser verstehen. Wer sich gut beraten fühlt, bleibt auch treuer Kunde“, sagt Tent. Punkten könnten die Händler auch mit einem schönen, modernen Laden, einem breiten Sortiment und Service-Angeboten im gastronomischen Bereich oder mit Dienstleistungen wie Änderungen und Auslieferungen. Tent: „Das gelingt uns in Korbach schon sehr gut.“

Ohnehin wird die Konkurrenz durch Online-Shops oft überschätzt; das belegen Zahlen des Handelsverbandes Deutschland (HDE): Von den 493 Milliarden Euro, die der Einzelhandel im vergangenen Jahr umgesetzt hat, sind nur knapp zehn Prozent online erzielt worden – die Tendenz ist allerdings steigend.

Laut HDE-Statistik trifft auch eine weitere Befürchtung vieler Einzelhändler nicht zu: Demnach haben sich deutlich mehr Kunden zuerst im Internet informiert, um dann doch im Laden zu kaufen, als umgekehrt. Die eigene Präsenz im Internet vor allem als Informationsquelle für die Kunden ist inzwischen ein Muss, bestätigen der WLZ daher auch weitere Korbacher Einzelhändler. 

„Viele Kunden informieren sich auf unserer Internet-Seite und kaufen dann aber direkt in unserem Laden ein“, sagt etwa Wilhelm Deuster. Auch der Korbacher Fotohändler hält eine Beratungsgebühr für kontraproduktiv. Ein großer Teil der Hanse-Mitgliedsbetriebe bietet seine Waren auch über den eigenen Webshop feil.

Händler gründen eigenes Shopping-Portal

Im Sauerland sind die Ladenbesitzer noch einen Schritt weiter gegangen: Unter dem Motto „Einfach schnell shoppen in der Hansestadt“ haben sich 2015 in Attendorn (Kreis Olpe) zunächst 32 Händler zusammengeschlossen und ihren eigenen Webshop gegründet. Mit Erfolg: Das „Klein-Amazon“ geht mittlerweile ins dritte Jahr, rund 700 000 Produkte sind aktuell im Angebot.

Auch in Korbach denkt die Händlergilde über ein ähnliches Angebot nach: „Wir diskutieren derzeit in der Hanse über eine solche Plattform. Es müssen aber noch einige offene Fragen geklärt werden“, sagt Tent. Sein Fazit: „Wenn wir immer am Ball bleiben, muss uns nicht bange sein.“

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