Scharfe Regeln und viele Informationen: So schützen Schulen in Waldeck-Frankenberg ihre Schüler

Elterntaxi macht Schulweg unsicher

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Vor Schulbeginn das Verkehrschaos: Am Schulzentrum in Frankenberg fährt morgens ein Auto nach dem nächsten vor.

Korbach - Sie wollen nur das Beste fürs Kind. Und schaffen stattdessen oft Gefahren für Leib und Leben: Viele Eltern bringen ihre Kinder mit dem Auto zur Schule.

Verkehrsregeln zählen offenbar wenig, Hauptsache, es geht schnell: An vielen Schulen herrscht morgens das blanke Chaos. Ein Auto nach dem anderen parkt vor dem Schulhof, Kinder steigen aus und laufen zwischen den Fahrzeugen über die Straße. Viele stoppen ihr Auto sogar im Halteverbot. Schulbusse kommen nicht mehr durch, weil die Straßen blockiert sind.

Immer wieder komme es bei einigen Schulen im Landkreis zu Situationen, wo bis zu zehn Autos gleichzeitig hintereinander anhielten, um die Kinder aussteigen zu lassen, häufig auch noch zur Straßenseite hin, sagt Petra Frömel, Sprecherin des Landkreises. Die Folge: Die Unfallgefahr steigt. „Unsere Schulen informieren regelmäßig hierüber in Elternabenden und bei sonstigen Gelegenheiten, oft jedoch ohne Erfolg“, sagt Frömel. Gegen das „Elterntaxi“ ist schwer anzukommen.

Wenn die Einsicht nicht da ist, hilft oft nur das Ordnungsamt: Die Christian-Rauch-Schule in Bad Arolsen informiert nicht nur die Eltern zweimal jährlich per Infobrief über die Gefahren, schon vor einigen Jahren hat sie Parkverbote rund um die Schule durch die Stadt errichten lassen. „Das hat gut gefruchtet“, sagt der stellvertretende Schulleiter Joachim Bollmann. Trotzdem: In Schüben kehre das Chaos immer wieder zurück. „Das regelt sich jedoch meist schnell wieder von selbst“, so Bollmann. Mittlerweile sprächen andere Eltern die Uneinsichtigen an und brächten sie zur Räson.

Regelmäßige Elternabende haben an der Humboldt-Schule in Korbach geholfen: „Es ist nicht mehr so schlimm wie noch vor einigen Jahren“, berichtet Schulleiterin Ute Moldenhauer. Zeiten, in denen Eltern Einfahrtverbote missachteten, in Bushaltebuchten parkten und auf Gehwegen wendeten, sind an der Grundschule mit Förderstufe vorbei. Sicherheitshalber werden aber schon die Erst- klässler auf die Gefahren im Straßenverkehr vorbereitet: „Zu Beginn der 1. Klasse machen die Kinder einen Fußgängerführerschein“, sagt Moldenhauer.

Cornelia Schönbrodt, Leiterin der Ortenbergschule in Frankenberg, sieht das Problem zumindest für den direkten Bereich vor dem Schulgebäude entschärft. Die Grund-, Haupt- und Realschule liegt in einer Sackgasse. Bis vor etwa zwei Jahren fuhren viele Eltern bis vor die Eingangstür, ließen ihre Kinder aus dem Wagen, wendeten und fuhren zurück. Eine neue Verkehrsregelung verhindert das seither. „Ich denke, dass sich 90 Prozent der Eltern daran halten“, sagt sie.

Das Grundproblem, dass viele Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen, ist damit aber kaum gelöst, sondern viel mehr verschoben - in Richtung Edertalschule. Dort aber sieht Schönbrodt auch die meisten Verursacher: „Unsere Grundschulkinder kommen fast ausschließlich zu Fuß“, sagt sie. Weiter entfernt lebende Kinder würden den Bus nehmen. „An der Oberstufe aber müssen die Schüler den Transport selbst zahlen“, erinnert sie an ein Urteil von vor wenigen Monaten. Da würden viele Eltern den Weg zur Arbeit nutzen, ihre Kinder an die Schule zu bringen. „Und dann sind da natürlich die ganz großen, die ihr eigenes Auto haben und selbst zur Schule kommen und an der Straße parken“, sagt Schönbrodt.

Der „laufende Schulbus“, an vielen Grundschulen in Deutschland gang und gäbe, könnte das Problem lösen. Dabei verabreden sich Eltern an einem festen Treffpunkt und bringen ihre Kinder in der Gruppe zu Fuß zur Schule. Für die Schulen im ländlichen Landkreis kein geeignetes Mittel, da die Zahl der Schüler, die aus der gleichen Richtung zur Schule kommen, eher gering sei, schränkt Petra Frömel ein.

Dabei ist die Schülerbeförderung so geregelt, dass „Elterntaxis“ in den meisten Fällen gar nicht notwendig sind: Bei kurzen Schulwegen sollten die Kinder die Schule gut zu Fuß erreichen können. Wird die Grenze von zwei Kilometern (ab 5. Klasse drei Kilometer) überschritten, organisiert der Schulträger die Beförderung mit Bus oder Bahn.

Halteverbote beachten

Mit etwas Umsicht können Eltern gefährliche Situationen vermeiden. Die hessische Polizei rät: „Wenn Sie Ihr Kind mit dem Auto zur Schule bringen oder abholen müssen, halten Sie bitte nie direkt vor der Schule oder an Bushaltestellen. Beachten Sie unbedingt alle Halt- und Parkverbote, diese dienen der Sicherheit der Kinder. Sie sollten Kinder grundsätzlich auf der Gehwegseite ein- und aussteigen lassen.“

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