Doppelter Jahrgang an der Alten Landesschule: 222 Schüler wollen ihr Abitur bauen

Bei Englisch war nicht alles „easy“

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Korbach - Mit Englisch-Klausuren haben gestern für gut 730 Schüler in Waldeck-Frankenberg die schriftlichen Prüfungen zum Abitur begonnen. An drei Gymnasien wollen in diesem Jahr wegen Doppeljahrgängen besonders viele ihre Hochschulreife beweisen.

„Am Anfang dachte ich noch: easy going“, sagt Tom Heinemann nach der Klausur. Müde, aber erleichtert, die Englisch-Prüfung nach vier Stunden hinter sich zu haben. Der 22-Jährige aus Medebach hat als Erster seine Arbeit abgegeben und den Klassenraum im dritten Stock der Alten Landesschule (ALS) verlassen. Er hatte sich für einen Vergleich der multikulturellen Gesellschaften in den USA und Großbritannien als Prüfungsaufgabe entschieden. Doch dann sei es gar nicht so einfach gewesen, die Unterschiede herauszuarbeiten. Sein Fazit: „Es war aber okay, es war machbar.“

730 Prüflinge im Landkreis

Knapp 34 000 Schüler in ganz Hessen treten in diesem Jahr zu den zentralen Abi-Prüfungen an. Den Auftakt machten gestern die Grund- und Leistungskurse im Fach Englisch. Auch an den sechs gymnasialen Oberstufen im Landkreis schwitzen die Schüler über den Klausuren. Hier unterziehen sich gut 730 Abiturienten den schriftlichen Prüfungen. Drei der Schulen haben dabei mit Doppeljahrgängen wegen des achtjährigen Gymnasiums (G8) zu kämpfen: die erste G8-Klasse macht gleichzeitig mit der vorerst letzten G9-Klasse Abitur. An der ALS basteln deshalb in diesem Jahr 222 Schüler an ihrer Reifeprüfung, im vergangenen Jahr waren es nur 150. An der Christian-Rauch-Schule in Bad Arolsen steigert sich die Zahl der Prüflinge von 103 auf 140 und an der Uplandschule in Willingen von 13 auf 52.

Das Gustav-Stresemann-Gymnasium in Bad Wildungen hat den Doppeljahrgang schon hinter sich. Hier stabilisiert sich die Abiturientenzahl nach dem Spitzenwert von 127 im vergangenen Jahr wieder auf jetzt 82. Die Edertalschule in Frankenberg (150 Abiturienten) wird erst im kommenden Jahr mehr Schüler durch die Prüfungen schleusen müssen.

87 junge Leute nutzen darüber hinaus die Möglichkeit, am Beruflichen Gymnasium in Korbach die allgemeine Hochschulreife zu erlangen. Neben den allgemeinbildenden Fächern werde dort auch die berufsbezogenen Profilfächer Technik, Wirtschaft und Gesundheit unterrichtet.

Inzwischen hat es auch die Nächste geschafft: „Ich habe mein Bestes gegeben“, sagt Fenja Butterweck (18) aus Goldhausen - und atmet durch. Die ALS-Schülerin hatte die Alternativaufgabe für ihre Englisch-Klausur gewählt: Der amerikanische Traum und der soziale Wandel. „In meinem Kurs war ich die einzige, die sich das Thema ausgesucht hat“, sagt sie. Die Entscheidung bereut Fenja nicht: „Die Aufgabe war angemessen. Ich war nur verwundert, dass der Text in eine komplett andere Richtung ging, als ich am Anfang noch gedacht hatte.“

Seit 2007 werden die Aufgaben für die schriftlichen Prüfungen landesweit einheitlich gestellt. Die Idee des Gesetzgebers war, so die Vergleichbarkeit und Verlässlichkeit des Abschlusses zu erhöhen. Einen Tag vor dem Termin der schriftlichen Prüfung laden die Schulen die Prüfaufgaben von einem abgesicherten Server herunter. Sollte es am Prüfungstag dennoch zu Problemen kommen, sind sowohl im Staatlichen Schulamt in Fritzlar wie auch an den Schulen morgens ab 7 Uhr Notdienste eingerichtet.

Server zusammengebrochen

„Die Prüfungen sind ohne Schwierigkeiten angelaufen“, sagt der leitende Schulamtsdirektor Rainer Walenzik. Zwar gab es noch früh morgens eine Panne am zentralen Rechner, doch diese habe keine Auswirkungen auf die Klausuren gehabt. „Der Server war zusammengebrochen, die Schulen konnten nicht mehr auf ihre elektronischen Postfächer zugreifen“, berichtet Walenzik. Kurz vor 9 Uhr sei das Problem behoben gewesen. „Die Aufgaben für die Prüfung lagen da aber schon seit einem Tag bei den Schulen vor.“

„...es wird schon glücken“

Reichlich Rückhalt gibt es indes für die Schüler: Mit rosa Glücksschweinen, schwungvoll gezeichneten Herzchen oder einfach nur in großen Buchstaben - so wünschen Eltern und Freunde den Abiturienten für die gestern begonnenen schriftlichen Abiturprüfungen viel Glück. Als kleine Unterstützung hängen die bunte Plakate im Foyer der Alten Landesschule. Auf Pappbögen oder großen Stoffstücken haben Eltern, Freunde und Mitschüler die guten Wünsche für die Prüflinge aufgemalt. Das Spektrum ist dabei vielseitig: Lustige Sprüche mit persönlichen Anekdoten, Fotos der Schüler, als sie noch klein waren, oder Anspielungen auf Filme und Zitate aus Charthits sind dort zu sehen. „Einfach immer das Ziel vor Augen haben“, wird einer Anja geraten. „Bio, Sport und Mathe hat so seine Tücken - nur Mut, es wird schon glücken“, steht auf einem anderen Plakat.

Noch bis zum 22. März laufen die schriftlichen Prüfungen, von denen jeder Abiturient drei Stück schreiben muss. Anschließend folgen im Juni zwei mündliche Prüfungen, so dass der Stoff von insgesamt fünf Fächern abgefragt wird.

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