Mitarbeiter- und kundenorientierte Betriebe: Regionalkonferenz zeigt Praxisbeispiele

„Erfolg durch Verantwortung“

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Gütesiegel für Thonet: Berthold Meier (2. v. l.) und Martin Steiner (2. v. r.) nahmen die Auszeichnung von Projektleiter Friedrich Schüttler (l.) und dem CSR-Qualitätsbeauftragten Detlef Simon entgegen.Foto: tk

Korbach - Motivierte, gesunde und mit ihrem Arbeitsplatz zufriedene Mitarbeiter dauerhaft zu beschäftigen, sollte das Ziel jedes Unternehmens sein, vor allem in Branchen, in denen Fachkräftemangel droht oder bereits aufgetreten ist.

Wie dieses Ziel durch eine Personalplanung und -entwicklung zu erreichen ist, die demografische und gesellschaftliche Veränderungen berücksichtigt, erfuhren die Teilnehmer einer Regionalkonferenz, bei der am Donnerstag Praxisbeispiele und ausgewählte Handlungsfelder erörtert wurden. Ins Berufsbildungszentrum der Kreishandwerkerschaft hatte dazu das CSR-Projektteam (siehe Stichwort) eingeladen.

Kürzel und Begriff seien zwar gewöhnungsbedürftig, räumte Gerhard Brühl bei der Begrüßung ein. Was sich hinter „CSR“ verberge, genieße in der Branche aber seit jeher einen hohen Stellenwert, stellte der Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft fest. So gehöre gesellschaftliche und soziale Verantwortung von Unternehmen, das gute Miteinander von Meistern, Gesellen und Auszubildenden zum Wesen des Handwerks.

Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels im ländlich geprägten Waldeck-Frankenberg sollten Unternehmen aktiv werden, um ihre Belegschaft so lange wie möglich arbeitsfähig und gesund im Betrieb zu erhalten. Bei dieser Aufgabe unterstützte das Berufsförderungswerk des Handwerks vor allem kleine und mittlere Unternehmen im Landkreis seit 2012 mit dem Projekt „Gute Arbeit & gutes Leben“. Dabei ging es zunächst darum, Konzepte und Lösungsansätze „für eine demografiefeste Personalpolitik“ zu entwickeln und zu erproben. An der Modellphase waren vier Unternehmen beteiligt: Frank Walz- und Schmiedetechnik (Hatzfeld), Thonet GmbH (Frankenberg), Weidemann GmbH (Korbach/Flechtdorf) und Wulf Isenberg Warenpräsentation (Berndorf).

Für Betriebe kostenfrei

In einem weiteren Schritt wurden die Modelle dann auf gut ein halbes Dutzend überwiegend inhabergeführte Betriebe im Landkreis übertragen. Diese Transferphase läuft noch bis zum Jahresende. Projektleiter Friedrich Schüttler hofft deshalb auch, dass sich weitere interessierte Firmen beteiligen, zumal praxisorientierte Konzepte und Unterstützung des Projektteams für die Betriebe kostenfrei zu haben sind. Denn das Projekt wird im Rahmen des Programms „CSR - Gesellschaftliche Verantwortung im Mittelstand“ durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und den Europäischen Sozialfonds gefördert.

Zum Abschluss des dreijährigen Programms präsentierten Schüttler und der CSR-Qualitätsbeauftragte Detlef Simon Ergebnisse und Erfahrungen. Die Analyse der Altersstruktur in jedem beteiligten Modellbetrieb markierte die Basis. Daraus wurden anschließend sechs Handlungsfelder abgeleitet, die je nach Ausgangssituation des Betriebs mit unterschiedlichen Schwerpunkten versehen wurden: Arbeitszeitgestaltung, Arbeitsorganisation, Aus- und Weiterbildung, Gesundheitsschutz, Anreizgestaltung und Wissensweitergabe. Wie zufrieden jeder Mitarbeiter an und mit seinem Arbeitsplatz im Betrieb ist, wurde in einer Fragebogenaktion erfasst. In einem folgenden Strategie-Workshop ging es dann darum, konkrete Vorhaben zu entwickeln und umzusetzen, berichtete Schüttler.

Das Projektteam entwickelte mit den vier Modellbetrieben einen Kriterienkatalog, der als Maßstab für die Vergabe eines CSR-Gütesiegels gilt, erläuterte Detlef Simon. Dieses Prädikat zeichne das Unternehmen als verantwortungsbewusst, mitarbeiter- und kundenorientiert aus. Am Donnerstag erhielt die traditionsreiche Frankenberger Thonet GmbH das Zertifikat.

Bei der Regionalkonferenz referierte außerdem Udo Simianer zum Thema: „Mitarbeiterwissen - Quelle des Unternehmenserfolgs“. Der erfahrene Dozent ging insbesondere der Frage nach, wie das Wissen von Mitarbeitern und Führungskräften im Unternehmen dauerhaft gesichert und genutzt werden. Simianer stellte Konzepte und Methoden vor, mit denen sich Wissensverlust vermeiden lässt, etwa wenn versierte Fachleute aus dem Unternehmen ausscheiden.

„Extras für Ihre Mitarbeiter - Was lohnt sich für Personal und Betrieb?“ lautete der Titel des Vortrags, in dem Ralf Schreiber und Daniel Fieseler (Steuerbüro Kratz & Schreiber, Bad Arolsen). Dabei stellten sie Möglichkeiten vor, wie Betriebe ihre Wertschätzung von Mitarbeitern durch steuer- und sozialversicherungsfreie Zuwendungen zeigen können - abgesehen von der klassischen Gehaltserhöhung.

Firmen, die noch teilnehmen möchten, wenden sich an das CSR-Projektteam: Tel. 05631/9535171, Mail: schuettler@bfh-korbach.de.

Hintergrund: CSR

Der Begriff der „Corporate Social Responsibility“ (CSR) beschreibt die freiwillige Übernahme von Verantwortung, die über das Tagesgeschäft eines Betriebes hinausgeht. CSR wird als Handlungsrahmen verstanden, bei dem ökonomische, ökologische und soziale Aspekte ineinander greifen. Im Handwerk sind unternehmerische und gesellschaftliche Verantwortung meist schon traditionell miteinander verzahnt. Im Unterschied zu Großunternehmen gibt es bisher aber nur wenige Handwerksbetriebe, die ihr gesellschaftliches Engagement auch strategisch in die Geschäftstätigkeit integrieren und für die Öffentlichkeit sichtbar machen. Auch dies soll sich durch die Erkenntnisse des CSR-Projekts „Gute Arbeit und gutes Leben in Waldeck-Frankenberg“ ändern. Für die meisten kleinen und mittleren Unternehmen ist ein verantwortliches Handeln gegenüber der Belegschaft, Umwelt und dem Gemeinwesen eine Selbstverständlichkeit, heißt es in der Projektbeschreibung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Weil die Personaldecke häufig sehr dünn ist, können sich nur wenige Mittelständler systematisch mit dem Thema auseinandersetzen. Hintergrund für die Förderung der gesellschaftlichen Verantwortung sei, „dass verantwortliches Handeln nicht nur im Sinne des Gemeinwohls ist, sondern auch zum unternehmerischen Erfolg beiträgt“. Profitieren könnten Unternehmen dabei auf verschiedene Weise. Sei es, indem sie mit einer mitarbeiterorientierten Personalpolitik Motivation und Produktivität der Belegschaft erhöhen, über Modelle zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie und Förderung älterer Beschäftigter den Fachkräftebedarf sichern oder durch einen schonenden und effizienten Umgang mit natürlichen Ressourcen Produktionskosten senken.

Von Thomas Kobbe

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