Adorf

„Erhalten Namen und Würde zurück“

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- Diemelsee-Adorf (md). Zur Erinnerung an die ehemaligen Adorfer jüdischen Glaubens wurde gestern in würdigem Rahmen ein Gedenkstein am Kahlenberg seiner Bestimmung übergeben.

Im 19. Jahrhundert gab es in Adorf eine lebendige jüdische Gemeinde. Ende des Jahrhunderts schrumpfte sie jedoch; viele zog es in die Ballungsräume oder nach Übersee. Als die Nationalsozialisten 1933 die Macht übernahmen, lebten noch rund 20 Frauen und Männer jüdischen Glaubens in Adorf. Einige emigrierten rechtzeitig vor Druck, Feindseligkeiten und Entrechtung; 15 Adorfer Juden aber kamen Anfang der 1940er Jahre in Ghettos um oder wurden in Konzentrationslagern ermordet.

Diesen 15 Frauen und Männern ist der Gedenkstein gewidmet, der in unmittelbarer Nähe der Stelle, an dem einst die Synagoge stand, seinen Platz gefunden hat. Unter den Nationalsozialisten zu Nummern entwürdigt, gibt der Gedenkstein ihnen ihre Namen und damit ihre Würde zurück –in dem Ort, in dem sie lebten. „Zudem steht er an einem Ort, an dem Menschen vorbeikommen und so Erinnern und Gedenken wirklich stattfindet“. Das machte Wilhelm Schluckebier am Freitagnachmittag deutlich, als er in seiner Gedenkrede der Frage nachging, „warum der Gedenkstein jetzt und warum er hier“ seiner Bestimmung übergeben wird.

Der gebürtige Adorfer, Richter am Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe und Mitglied des Waldeckischen Geschichtsvereins, sagte, Erinnern sei ein wichtiger Teil der Gegenwart und Zukunft. Erinnern berge die Chance des Klügerwerdens in sich. Schluckebier mahnte zur Besinnung auf naturgegebene Gaben wie Mitgefühl, das als persönliche Kontrollinstanz zu verstehen sei, zu Toleranz und der Notwendigkeit, wechselseitiges Verständnis für Gepflogenheiten und Religionen zu fördern. Bürgermeister Volker Becker hatte zu der Veranstaltung begrüßt und gemahnt, in der persönlichen Auseinandersetzung sei Gedenken weit mehr als nur eine ritualisierte Pflichtübung.

Mehr lesen Sie in der WLZ vom Samstag, 19. März.

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