Erich Kästners "Waldecker Opposition" zur Vereinigung Waldecks mit Preußen

"Wir sind keine Preußen, sondern empört"

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Der Geschichtskurs Q2 der Alten Landesschule hat sich mit dem Gedicht „Waldecker Opposition“ beschäftigt. Vorne zwei Schülerinnen mit der Zeitung vom 1. April 1929. Damals gab es eine Sonderausgabe zur Eingliederung Waldecks in Preußen. 

Korbach – Die Waldecker waren unzufrieden, sie wollten keine Preußen sein. Das wusste auch Erich Kästner. Vor 90 Jahren erschien das Gedicht „Waldecker Opposition“ des Schriftstellers, in dem er sich mit der Eingliederung Waldecks an Preußen auseinandersetzte.

„Waldeck war selbstständig, trotz der kleinen Größe. Die Waldecker wollten über sich selbst bestimmen“, sagt Sophia Zekl. Sie und ihre Mitschüler aus dem ALS-Geschichtskurs haben sich mit Lehrerin Dr. Marion Lilienthal mit Kästners Gedicht und den Umständen, unter denen es entstanden ist, beschäftigt.

„Sehr ausdrucksstark“ sei das Gedicht, sagt Lea Simon. Beim Lesen habe man den Eindruck, Kästner sei Waldecker gewesen. „Er hat die Emotionen sehr gut rübergebracht,“ findet Anna Potthoff. Und in einem sind sich die Oberstufenschüler ebenfalls einig: Erich Kästner war mutig, die deutlichen Zeilen zu verfassen, denn Kritik sei damals nicht ungefährlich gewesen.

Waldecker Opposition

Zeile für Zeile haben die Schüler „Waldecker Opposition“ durchgearbeitet, sich mit dem Ende des Staates Waldeck und auch dem Schriftsteller Kästner beschäftigt, der sich mit „bissigen“ Texten auch für die kleinen Leute, das Volk, eingesetzt habe, so Marion Lilienthal. Und die Waldecker hätten viele Veränderungen emotional verkraften müssen.

Und dann habe Waldeck ab dem 1. April 1929 auch noch ohne Regierung da gestanden. In Berlin, so sagen die Schüler, hätte man die Wünsche und Sorgen der Menschen vor Ort sicher nicht so gut verstanden.

Auch wenn die Waldecker nicht einverstanden waren damit, dass sie fortan zu Preußen gehören sollten: Es gab auch Profiteure der Fusion. Beispiel: die Alte Landesschule. Die Turnhalle der Schule sei von Preußen finanziert worden, sagt Marion Lilienthal. Damit habe man Pluspunkte sammeln wollen. Und: Der technische Fortschritt, sagt Hendrik Salzmann, habe in Waldeck erst Einzug gehalten, nachdem es mit Preußen verbunden war. Nichtsdestotrotz: Das Volk hatte eine starke Verbundenheit zu Waldeck.

Und wie steht es heute um den Lokalpatriotismus? Den gibt es, sagt Hendrik Salzmann, aber nicht mehr so stark. Das bestätigen die Mitschüler, vor allem in Korbach sei davon nicht viel zu spüren.

Aber es gibt auch Ausnahmen, wie Elin Scriba erzählt: „Bei uns in Goddelsheim wird vor jeder Feier und vor jedem Fußballspiel das Waldecker Lied gesungen.“

Im Auftrag für Zeitung entstanden

„Kästner hatte einen Vertrag mit der Zeitung Montag Morgen“, sagt Matthias Nicolai von der Erich Kästner Gesellschaft in München. Für das Blatt schrieb er regelmäßig Gedichte. „Der Auftrag lautete, dass sie aktuell sein oder sich auf ein aktuelles Ereignis beziehen sollten.“

„Waldecker Opposition“ ist am 8. April 1929 erschienen und damit eine Woche nachdem der Freistaat Waldeck mit Preußen vereinigt wurde. Eine Beziehung zum Waldecker Land habe Kästner nicht gehabt, so Nicolai.

Erich Kästner

Für die Waldecker bedeutete die Fusion mit Preußen das Ende des seit dem Mittelalter bestehenden eigenständigen Landes Waldeck. Es wurde der preußischen Provinz Hessen-Nassau eingegliedert.

Das Fürstentum Waldeck-Pyrmont hatte 1867 mit Preußen einen Akzessionsvertrag geschlossen, um selbstständig zu bleiben: Preußen übernahm die innere Verwaltung des Landes und trug alle Kosten. Diesen Vertrag kündigte Preußen 1926. Außerdem änderte der Reichstag den Länderfinanzausgleich – eine Eingliederung war unausweichlich, da Waldeck finanziell allein nicht lebensfähig war.

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