Gedenken an die sechs polnischen Opfer des Sühnemordes und Fritz Hamel

Erinnern, nicht vergessen

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Vöhl-Herzhausen - Jeder kann zum Bösen verführt werden. Um das zu verhindern, wurde gestern an den Sühnemord an sechs Polen vor 70 Jahren erinnert. Und an Friedrich Hamel, dessen Tod Auslöser für die Tat war.

Anton Cieply (31 Jahre), Marian Orlowsyk (29), Miecyslaw Kolczynski (24), Jan Wojcik (21), Anton Janicki (18), Kazimierz Stephan (18) und Friedrich Hamel (50): Sie alle mussten ihr Leben lassen und sie alle stehen heute für die Erinnerung. Vor 70 Jahren, am 19. Dezember 1942, werden sechs polnische Häftlinge nahe Herzhausen erhängt. Sie sollen ein abschreckendes Beispiel für andere Zwangsarbeiter in der Region sein, nachdem Nicolay Gluszko zuvor den Hilfspolizisten Friedrich „Fritz“ Hamel ermordet hatte.

Gestern gedachten auf dem Friedhof in Herzhausen und am Polenkreuz auf Einladung des Geschichtsvereins Itter-Hesseinstein um Volker König rund 80 Gäste der Opfer. Bei den Rednern stand das Erinnern im Vordergrund – und die Hoffnung, dass solche Taten nicht noch einmal geschehen.

Die 16-Jährige Lea Klaus berichtete aus dem Leben von Friedrich Hamel. Die Schülerin aus Dorfitter erzählte von einem gutmütigen und ruhigen Mann. Zu verhindern, dass von deutschem Boden ein Krieg ausgeht, seien wir Fritz Hamel schuldig.Dem schloss sich der Vorsitzende der Vöhler Gemeindevertretung, Karl-Heinz Stadtler, an. Er wies darauf hin, dass Menschen immer vom Bösen verführt werden könnten. Das müsse mit der Erinnerung an solche Taten verhindert werden, „Es gibt immer noch Menschen, die mit diesem Ort des Gedenkens ihre Schwierigkeiten haben“, wies er auf die Probleme mit Vandalismus hin.

Eingeladen war auch Dr. Gunnar Richter, Leiter der Gedenkstätte Braunau. Dort waren die sechs Ermordeten inhaftiert, unter anderem wegen „Verkehr mit einer Deutschen“. Richter referierte über das Leben der Häftlinge. So hat er Kontakt zur Schwester des ermordeten Miecyslaw Kolczynski nach Polen aufgenommen. Die Familie wusste lange Zeit nichts Genaueres über das Schicksal. Zu den Tätern erklärte Richter, dass Erich Wiegand, der sein Abitur in Arolsen machte, zur Zeit der Ermordung Leiter des Referates II E bei der Gestapo in Kassel war. Die Hauptaufgabe dieser Stelle war die Beobachtung und Verfolgung ausländischer Zwangsarbeiter.

Die Veranstaltung umrahmten die Pfarrer Jan Friedrich Eisenberg und Matthias Müller mit Andacht und Gebet sowie der evangelische Bläserchor Marienhagen unter der Leitung von Tobias Hahn. (tt)

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