Ausstellung im Bonhage-Museum in Korbach:

Erinnerungen an 100 Jahre Westwallschule

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Tafeln, Ranzen und unzählige Dokumente finden Besucher in der neuen Ausstellung im Korbacher Museum, die in Zusammenarbeit der Teams von Museum und Westwallschule entstanden ist: Britta Hein, Peter Jatzko, Carmen Best, Wilhelm Völcker-Janssen, Birgit Wille-Oppermann und Mareike Bangert.

Korbach - Kleine Schiefertafeln und lederne Ranzen, Legomenschen, die vom Schulalltag 2064 erzählen und Klassen, in denen Bäume wachsen: Die neue Ausstellung im Bonhage-Museum widmet sich dem Korbacher Schulleben - damals, heute und in Zukunft.

Wer auf den kleinen Holzstühlen Platz nimmt, mit der Kreide auf einer Tafel zu schreiben beginnt und mit dem Finger die gemalten Sütterlin-Buchstaben verfolgt, begibt sich auf eine Reise. Auf eine Zeitreise. Da werden Erinnerungen wach an die eigene Schulzeit, an strenge und geliebte Lehrer, an Schulfreunde und Anekdoten. Und genauso ist die neue Ausstellung im Wolfgang-Bonhage-Museum auch gedacht. „Es ist eine Ausstellung zum Mitmachen“, sagt Museumsleiter Wilhelm Völcker-Janssen, „Besucher dürfen ihre Geschichten mit einbringen.“ Viele Korbacher haben das schon getan und nach einem Aufruf alte Zeugnisse und Fotos, Schulbücher und Tafeln ins Museum gebracht. Eine leere Wand lässt aber auch künftig noch Raum für solche Dokumente. „Die Ausstellung darf weiter wachsen“, betont auch Britta Hein, die im Museum für das pädagogische Angebot zuständig ist.

Ausstellung zum Mitmachen und Mitgestalten

Anlass für die Ausstellung, die am Freitag eröffnet wird, ist der 100. Geburtstag der Westwallschule (wir berichteten). Lehrerin Birgit Wille-Oppermann war mit der Idee auf das Museumsteam zugegangen - mit Erfolg. Dr. Wilhelm Völcker-Janssen durchforstete den Dachboden der Westwallschule, die eigenen Archive und das Stadtarchiv. Und Schüler, Eltern und Lehrer der Westwallschule steuerten nach einer Projektwoche weitere Ausstellungsstücke bei. „Herausgekommen ist eine Ausstellung, die sich so viele Medien zunutze macht, wie noch nie“, sagt der Museumsleiter.

So drehten die Drittklässler mit Birgit Wille-Oppermann im kleinen Schulmuseum von Karl Preising in Benkhausen einen kurzen Film. „Schule in der Kaiserzeit“ betitelten sie das Werk und empfangen damit die Besucher der Ausstellung. In Kostümen der Freilichtbühne werfen sie einen Blick zurück in das Korbacher Schulleben vor dem Ersten Weltkrieg. Dokumente, Tafeln, ungewohnte Schriftbilder, Baupläne der Westwallschule und alte Fotos ergänzen das Kapitel um die Anfangsjahre der Schule.

Die Zeitreise führt weiter in die 1960er-Jahre: „Wir haben einen alten ZDF-Film ausgegraben, bei dem damals das Korbacher Schulleben abgebildet wurde“, berichtet Völcker-Janssen. Interviews mit ehemaligen Schülern sind zu hören, Bücher von einst zu studieren.

Wie das Schulleben heute aussieht, zeigt das nächste Kapitel der Ausstellung: Schüler haben mit Lehrerin Mareike Bangert eine Stunde im Schulalltag aufgenommen, Materialien zusammengetragen und eigene Eindrücke geschildert. In Stammbäumen zeigen Korbacher Kinder, wie viele Generationen ihrer Familien bereits Schüler an der Westwallschule waren. „In dieser Ausstellung können sich die Korbacher selbst wiederfinden“, sagt Birgit Wille-Oppermann. Und das meint sie ganz wörtlich: Denn auf vielen Klassenfotos und auch im ZDF-Film dürften sich Schüler vergangener Generationen wiederfinden. Auf der letzten Station der Reise wagen Schüler und Lehrer dann einen Sprung in die Zukunft. „Wie sieht der Schulalltag 2064 aus?“, haben die Lehrer der Westwallschule gefragt. Während einige der Kinder von riesigen Bildschirmen und ausgefeilter Technik in den Klassenräumen ausgehen, sehen sich andere mit Heft und Stift in der Natur. In einem der Lego-Modelle wächst sogar ein Baum im Klassenzimmer.

Es ist eine bunte Ausstellung, die von Kinder- ebenso wie von Expertenhand gestaltet wurde und so ihren besonderen Charme erhält. Zu sehen ist sie bis April 2015.

Erinnerungsnachmittagemit Kaffee und Kuchen

„Und diese Ausstellung schreit geradezu nach einem museums-pädagogischen Programm“, sagt Britta Hein. So werden alle Führungen mit Aktionen zum Mitmachen gestaltet - wie etwa Schriftübungen. Kindergeburtstage werden ausgerichtet. Und jeden zweiten Samstag im Monat wird im Wechsel zu Mitmach-Führungen für Einzelpersonen und Erinnerungsnachmittagen bei Kaffee und Kuchen eingeladen. Am kommenden Freitag ist die Ausstellung bis 18 Uhr kostenlos zu besichtigen. (Theresa Demski)

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