Korbach

„Erlebnisreiches Theater ist unser Ziel“

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- Korbach (nv). „Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt“: Dieses Zitat Friedrich Schillers überschreibt die aufwändige theaterpädagogische Ausbildung, die Jens Lessing und Thorsten Heck absolvieren. Ab der Saison 2011 führen sie auf der Korbacher Freilichtbühne Regie.

Sich selbst erfahren, ausdrücken, ausprobieren, die eigenen Grenzen ausloten – all diese Möglichkeiten bietet das Theaterspiel. Diese Chance zur Persönlichkeitsentwicklung – verbunden mit einer Menge Spaß auf der Bühne – haben die Korbacher Thorsten Heck und Jens Lessing früh erfahren. Als Jugendliche gehörten beide zum Ensemble der Korbacher Freilichtbühne. Nach einer berufsbedingten Auszeit gehören beide seit einigen Jahren wieder zur Truppe, die das Publikum Jahr für Jahr im Schießhagen in ihren Bann zieht.

Dass sie ein gutes Team sind, bewiesen Lessing und Heck zuletzt in der Spielzeit 2009. Im Kinderstück „Peter Pan“ brillierten sie als das bitterböse Duo Captain Hook und Bootsmann Smee. Sein Meisterstück legte Lessing allerdings 2010 ab: Bei den Sonderaufführungen der Freilichtbühne vor dem Portal der Kilianskirche mimte er im gleichnamigen Stück den „Jedermann“. Um dieses Spektakel perfekt zu inszenieren, hatten die Korbacher ihre langjährige Regisseurin Ute Bielig aus dem Ruhestand geholt. „Wir wussten zu Beginn nicht, ob wir eine Saison mit drei statt zwei Stücken überhaupt bewältigen können“, blickt Sabine Lessing, stellvertretende Vorsitzende der Freilichtbühne, zurück. So erklärte sich Ute Bielig bereit, den Wiener Regisseur Günther Treptow, der das Team seit 28 Jahren berät, zu unterstützen.

„Die Zusammenarbeit mit Günther Treptow bleibt wie gehabt, aber vor Ort müssen wir die Regie auf andere Füße stellen“, berichtet Vorsitzender Volker Thielemann. Ebenso wie Ute Bielig will auch Elke Barlozek künftig wieder gern selbst auf der Bühne stehen. Damit bleibt vom bewährten Regie-Team für die Spielzeit 2011 nur noch Heike Pötzsch übrig. „Jens und Thorsten haben zu unserer großen Freude Interesse bekundet“, erläutert Sabine Lessing. „Allerdings haben sie betont, dass sie diese Aufgabe nicht aus dem Stehgreif übernehmen wollen.“ Beide schlugen vor, sich zum Theaterpädagogen ausbilden zu lassen. Über zwei Jahre absolvieren Lessing und Heck 14 Wochenend-Workshops, zwei einwöchige Blockseminare sowie vier Wahlpflichtveranstaltungen an Wochenenden – insgesamt 600 Unterrichtsstunden als berufsbegleitenden Fortbildung des Bildungswerks für Theater und Kultur in Hamm.

„Unsere Ausbilder kommen zum Beispiel aus den Bereichen Clownerie, Theaterpädagogik, Bewegungstheater, Stimmbildung und Regie“, erläutert Heck. „Erlebnisreiches Theater ist unser beider Ziel“, betont der 39-jährige Korbacher. Gerade in der Zusammenarbeit bei „Peter Pan“ hätten er und Jens Lessing den Reiz des Improvisationstheaters entdeckt. Da sie nie gern Text auswendig gelernt hätten, seien sie frühzeitig dazu übergangen den Charakter der Figur herauszuarbeiten. Den Spaß, den sie dabei hatten, der Figur den Vorzug vor einem perfekt am Drehbuch orientierten Text zu geben, wollen sie bei den Proben zur ersten Spielzeit unter ihrer Regie an die Darsteller weitergeben.

Vom 9. Juli bis 21. August 2011 spielen die Korbacher William Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ und Michael Endes „Die unendliche Geschichte“.

Mehr lesen Sie in der WLZ vom Freitag, 3. Dezember.

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