Korbacher soll seine „Affäre“ um 1000 Euro betrogen haben ·

Erpressung mit Sex-Video ?

Korbach - Hat ein junger Korbacher von einer Frau mit Gewaltandrohung und einem Sex-Video 1000 Euro erpresst? Oder hat die vermeintlich Geschädigte aus Liebe das Geld an den Angeklagten überwiesen, als sie aber merkte, dass er nur ein Spiel mit ihr spielte, die Erpresser-Geschichte erfunden?

Diese Fragen konnten am Dienstag auch vom Korbacher Amtsgericht nicht endgültig geklärt werden. Weitere Zeugen sollen bei einem neuen Verhandlungstermin helfen, den Fall zu lösen.

Fest steht, dass Angeklagter und Klägerin im vergangenen Jahr eine heimliche Beziehung führten - wobei es dem Angeklagten vor allem „um den Spaß“ ging. Der Korbacher lernte die 24-Jährige aus Garbsen bei Hannover 2012 im Internet kennen. Zu Beginn gab er sich mit falschem Namen aus. Die beiden trafen sich zunächst in einem Hotel in Hannover, es folgten mehrere Treffen in Hotels in Korbach. „Für mich war das nur ein Zeitvertreib“, sagte der 25-jährige Angeklagte. Das sah seine „Affäre“ allerdings anders. Sie verliebte sich in ihn.

Bei einem Telefonat zwischen den beiden kam der Angeklagte auf seine Schulden zu sprechen. Er müsse unter anderem noch Gerichtskosten zahlen. Laut Angeklagtem bot die 24-Jährige an, ihm mit 1000 Euro auszuhelfen. Die Klägerin allerdings sagte aus, dass er sie erpresst habe. „Wenn du mir die 1000 Euro nicht gibst, dann schlage ich dich kaputt“, sei eine Drohung an sie und ihre Familie gegangen. Zudem habe er heimlich ein Sex-Video von beiden aufgenommen, das er dem Vater der Klägerin zeigen wolle, falls sie das Geld nicht überweise. Mit diesem Druckmittel habe er sie zu weiteren gemeinsamen Nächten im Korbacher Hotel gezwungen - die Übernachtungen bezahlte die 24-Jährige.

Bei der Polizei gab die Klägerin zudem an, dass der Angeklagte ihr während einer Nacht im Hotel rund 40 Euro gestohlen habe - sodass sie das Hotelzimmer nicht bezahlen konnte. Als der 25-Jährige von der Anzeige erfuhr, ging er seinerseits zur Polizei und legte den Beamten den SMS-Verlauf zwischen den beiden vor. Immer war es die 24-Jährige, die den Kontakt suchte - und wissen wollte, warum er ihr das alles angetan habe. Der 25-Jährige reagierte nicht auf die SMS.

Widersprüche

Was die Staatsanwaltschaft und den Vorsitzenden Richter Karl-Heinz Kalhöfer-Köchling stutzig werden ließ, war die Aussage zum Sex-Video. Zunächst erklärte die 24-Jährige, sie habe das Video nie gesehen, nur um kurze Zeit später zu behaupten, doch einen kurzen Einblick in das Stück gehabt zu haben. Auch dass sie ihren Vater nicht als Zeugen sehen wollte, sorgte für Verwirrung. Ein Polizeibeamter sagte aus, dass der Vater bereits von der vermeintlichen Erpressung durch ein Telefonat mit der Polizei wisse.

Unterstützung erhielt der Angeklagte durch die Mitarbeiterin einer Spielhalle in Korbach. Sie will bei einem Telefonat mitbekommen haben, dass die Klägerin die 1000 Euro freiwillig überwiesen habe.

Fest stand gestern allerdings nur, dass der Angeklagte nie eine ernsthafte Beziehung wollte, während bei der Klägerin Gefühle im Spiel waren. Ob er sie erpresst hat oder ob sie das Geld aus Liebe überwies, soll bei einem weiteren Termin Ende März/Anfang April geklärt werden. Dabei helfen sollen eine Rezeptionistin aus einem Korbacher Hotel und die beste Freundin der Klägerin.(tt)

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