Stephanie Wetekam aus Vasbeck ist die neue Geschäftsführerin beim Kreisbauernverband Waldeck

Erst am Schreibtisch und dann im Stall

Korbach - Schon als Kind wollte sie immer die Kühe melken und träumte vom Leben im Bauernhaus: Seit dem 1. Oktober ist Stephanie Wetekam aus Vasbeck Geschäftsführerin beim Bauernverband Waldeck – und will eine Lanze brechen für ihre Zunft.

Schreibtisch oder Stall? „Die perfekte Lösung ist für mich eine Mischung aus beidem“, sagt Stephanie Wetekam. Und dieses Modell lebt die 35-Jährige. Seit dem 1. Oktober ist Stephanie Wetekam die neue Geschäftsführerin beim Kreisbauernverband Waldeck. Sie übernimmt die 70-Prozent-Stelle von Vorgänger Dr. Christof Nüsse. „Nach der Arbeit ziehe ich mich um und erledige Arbeit auf unserem Hof in Vasbeck“, erzählt sie, „dabei kann ich auch entspannen.“ Stephanie Wetekam ist Landwirtin aus Leidenschaft – und seit Neuestem eben auch Geschäftsführerin. „Schon als Kind verkörperte Landwirtschaft für mich immer das Bild von einer großen Runde am Esstisch“, sagt sie, „die Väter arbeiteten hart, waren für ihre Kinder aber präsent.“ Als Kind eines Steuerberaters kam sie 1978 in Hanau auf die Welt. „Weil es aber Landwirtschaft in der Verwandtschaft gab, entdeckte ich schnell meine Liebe zu den Tieren“, erinnert sie sich. Nach der Schule ließ sie sich erst zur Steuerfachangestellten ausbilden. „Das wünschten sich meine Eltern und hat mir nicht geschadet“, sagt sie. Anschließend studierte sie aber Landwirtschaft in Göttingen, machte ihren Master in Tierhaltung, ging ein Jahr auf eine Farm nach Neuseeland und kehrte schließlich in den Main-Kinzig-Kreis zurück – auf einen Hof. Sie wechselte dann zur Beratung von Milchbetrieben beim Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH), machte ein Examen in Berufs- und Arbeitspädagogik und übernahm 2008 in Kassel eine Fachgebietsleitung beim LLH. Heute lebt Stephanie Wetekam mit ihrem Mann und den beiden gemeinsamen Kindern auf ihrem Hof in Vasbeck. Ihre neue Aufgabe sieht sie klar definiert: „Der Kunde ist König“, sagt sie. Und der Kunde ist in diesem Fall der Landwirt. „Ich möchte die Landwirte gegenüber der Politik und der Öffentlichkeit vertreten“, sagt Stephanie Wetekam, die in ihrer Freizeit für die FDP im Diemelseer Parlament sitzt. Das gelte für alle Landwirte – ob Bio oder konventionell. 1300 Landwirte seien im Verband organisiert, rund 90 Prozent aller Bauern im Waldecker Land. Natürlich sei es schwierig, allen gerecht zu werden. „Aber ich bin offen und suche das Gespräch“, sagt Stephanie Wetekam. Jeden Menschen und jeden Betrieb wolle sie in seiner Einzigartigkeit wahrnehmen. Nicht vorgestanzte oder einseitige Ansichten wolle sie vertreten, sondern sich von Experten beraten lassen, mehrere Meinungen hören, um dann eine Entscheidung zu treffen. „Und wir Landwirte haben ein starkes Netzwerk, das einen dabei unterstützt“, sagt sie. Trifft sie dabei in einer männerdominierten Branche auf Vorurteile? „Das bin ich gewohnt, dass man als Frau auf so einem Posten manchmal mit Vorbehalten konfrontiert wird“, sagt sie, „aber am Ende überzeugt Leistung.“ Das wünscht sie sich auch für Verbandskritiker. Wie sie denen begegnen will? „Kommt vorbei und sprecht mit mir“, sagt sie.Gelegenheit dafür gibt es bereits morgen, wenn Stephanie Wetekam beim Erntedankfest in der Stadthalle Freienhagen die Festrede hält.

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