Korbach: Mehr Praxis, weniger medizinische Theorie

Erste-Hilfe-Kurse sind kürzer geworden

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Mehr Praxis: Teilnehmer üben eine Notfallsituation bei einem Erste-Hilfe-Kurs beim DRK in der Arolser Rettungswache.

Korbach/Bad Arolsen - Stabile Seitenlage, Herzdruckmassage und den Puls feststellen - was die Teilnehmer in den Erste-Hilfe-Kursen bisher in zwei Tagen gelernt haben, sollen sie nun bereits nach einem Tag anwenden können. Dafür setzen die Rettungsdienste verstärkt auf Praxisübungen.

Das Szenario: Ein Motorradfahrer ist gestürzt und liegt bewusstlos auf dem Boden. Doch was tun? Die Teilnehmer des Erste-Hilfe-Kurses in der Bad Arolser Rettungswache sind unsicher. Muss der Helm abgenommen werden oder bleibt er lieber auf dem Kopf des Gestürzten, um ihm nicht noch schlimmere Verletzungen zuzufügen? Ausbildungsleiter Siegfried Sauer nimmt die Angst: „Wenn der Motorradfahrer bewusstlos ist, muss der Helm immer runter.“

Teilnehmer spielen Situationen durch

Denn ein Sturz auf den Kopf kann Erbrechen hervorrufen. Um zu verhindern, dass der Verletzte daran erstickt, muss man ihn in die stabile Seitenlage bringen. Dafür muss der Helm herunter. Ebenso wenn er nicht mehr atmet, dann muss ihn der Helfer reanimieren. Also geht es an die Praxis: Ein Teilnehmer spielt den Motorradfahrer, zwei Frauen aus der Gruppe sind die Helfer. Während die eine den Helm vorsichtig vom Kopf zieht, stützt die andere den Nacken des Verunglückten. Die Übung gelingt, Sauer ist zufrieden.

Als Voraussetzung für den Führerschein, für ein Studium oder den Trainerschein haben ihn fast alle schon einmal absolviert: einen Erste-Hilfe-Kurs. Bislang gab es diverse Kursvarianten mit unterschiedlichen Längen und Inhalten. Damit ist seit dem 1. April bundesweit Schluss. Hartmut Keim vom DRK-Kreisverband Korbach-Bad Arolsen erklärt: „Die neu konzipierte Ausbildung mit neun Unterrichtseinheiten à 45 Minuten löst alle bisherigen Lehrgänge ab, etwa die lebensrettenden Sofortmaßnahmen für Führerscheinbewerber.“ Die Stundenzahl der auf den Straßenverkehr spezialisierten Kurse für Fahrschüler wird sogar von bisher acht auf neun Stunden angehoben.

Die Ausbilder konzentrieren sich nun darauf, die nötigen Handgriffe zu vermitteln und verzichten auf medizinische Informationen. Der Tenor: Lieber die Herzdruckmassage trainieren, als die Funktion des Blutkreislaufes erklären. „Untersuchungen haben bewiesen, dass vor allem schnelle Maßnahmen Leben retten können“, sagt Keim.

„Früher hatten Praxis und Theorie jeweils etwa die Hälfte ausgemacht, jetzt sind es etwa 80 Prozent Praxis“, sagt Sauer, der seit 1985 Waldeck-Frankenberger in Erster Hilfe ausbildet. „Alle Teilnehmer spielen verschiedene Situationen durch, die bei einem Notfall eintreten können - vom Absichern der Unfallstelle über das Absetzen eines Notrufs über die Herz-Lungen-Wiederbelebung bis hin zum Anlegen von Druckverbänden bei starken Blutungen“, erklärt der Ausbildungsleiter: „Es geht darum, Handlungskompetenz zu schaffen.“ Auf jeden Fall sorgt die Praxis für jede Menge Spaß in der Gruppe: „Bei den Teilnehmern kommt es gut an“, bestätigt Sauer.

Anmeldung und weitere Informationen zu den Ausbildungsterminen beim DRK Kreisverband Korbach-Bad Arolsen im Internet unter www.drk-korbach.de oder unter Telefon 05631/959921. (lb)

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