Vöhl

Wie erwartet und doch anders

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- Vöhl-Buchenberg (jd) Raus aus Waldeck-Frankenberg, rein in ein fremdes Land. Aber nicht als Tourist, sondern mit dem Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun: Johanna Dohl (19) aus Buchenberg lebt für sieben Monate in Indien.

Angefangen hat alles mit dem Abflug von Frankfurt nach Chennai am 6. September. Trotz der Vorfreude auf ein neues, eindrucksvolles und spannendes Land ließen sich Abschiedstränen bei uns zwölf Freiwilligen der Karl-Kübel-Stiftung nicht vermeiden. Denn der Schritt, nach Indien zu gehen, bedeutet lange Zeit ohne bisherige Freunde und Familie klarzukommen. Nach fast zehn Stunden Flug kamen wir in Chennai an und waren sehr müde. Es gab jedoch keine Zeit zu entspannen, da wir die fremde Umgebung erst einmal begutachten mussten. Erst einmal ist Indien genauso wie ich es mir vorgestellt habe, aber irgendwie auch vollkommen anders: Viele Menschen, Autos, Rikschas, Kühe, ziemlich viel Müll und vor allem ist es heiß. Aber trotzdem sehe ich auch alles mit anderen Augen und jedes kleine Detail ist eine neue Überraschung und Faszination pur.

Selbst nachts sieht man überall Menschen und gehupt wird (aus für mich zum Teil unbekannten Gründen) ständig. Schnell wurde klar, dass wir nicht wie Inder sind und überall schlafen können, so dass wir in Chennai bis sechs Uhr auf unseren Anschlussflug warten mussten. Dieser führte uns dann nach Coimbatore, einer Großstadt im inneren des Landes, zum K.K.I.D. (Karl Kübel Institute for Development and Education). Dies ist das Bildungsinstitut der Karl-Kübel-Stiftung in Indien und dort arbeitet Malathi, die Mentorin der Mentorinnen. Sie ist eine sehr herzliche, liebevolle und weltoffene Frau und hat uns den Einstieg in das fremde Land erleichtert. Denn in der ersten Woche mussten Verhaltensregeln – etwa das obligatorische Tragen eines Schals, Kleidung von Hand waschen und andere Dinge – gelernt werden.

Für die meisten war besonders das Essen eine Umgewöhnung: Ich kann mich nicht erinnern, jemals in meinem Leben so scharf gegessen zu haben. Überdies erlebten wir in der ersten Woche schon sehr viel: Wir besuchten verschiedene kleine Dörfer, um Land und Leute besser kennenzulernen. In einem abgelegenen Dorf in den Bergen wurden wir sogar gefragt, warum wir weiße Haut hätten. Denn die Menschen haben noch nie Ausländer, insbesondere Menschen aus dem Westen, gesehen. Außerdem kauften wir indische Kleidung, bekamen Henna-Tattoos und lernten natürlich unsere Mentoren kennen. Zum Abschluss der ersten Woche veranstalteten wir einen kulturellen Abend mit indischen Tänzen, Liedern und anderen Vorführungen.

Unser Direktor Mr. Lawrence ist ein sehr netter Mann und unsere Mentorinnen heißen übrigens Jeeva und Vijaya und kümmern sich sehr gut um uns. Ihre Aufgabe ist es, uns in Indien zu betreuen und sie sind unsere Kontaktpersonen, wenn wir Probleme haben. Von Mitte September bis Anfang Oktober geht die Einführungsphase. Das bedeutet, dass meine Mit-Freiwillige Ronja und ich in dieser Zeit in einem Appartement in Pondicherry, an der Ostküste des Landes, wohnen und mit Jeeva einige Einkäufe und alltägliche Dinge erledigen, aber auch verschiedene Sehenswürdigkeiten anschauen. Und natürlich besuchen wir Projekte in ländlichen Gegenden, wo unsere Organisation tätig ist und die Menschen unterstützt. Dabei wird besonders deutlich, dass viel Wert auf Eigeninitiative und Weiterentwicklung der Menschen gelegt wird.

Über ihre Erlebnisse bloggen Johanna und Ronja unter http://www.kks-real-11.blogspot.com

Mehr lesen Sie in der WLZ vom Donnerstag, 20. Oktober

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