Schulstart in Hessen geht einher mit weiteren Lockerungen

Freude, aber auch Unsicherheit: Am 17. August beginnt wieder der Unterricht

Schutz im Klassenraum: Die angehende Lehramtsstudentin Elisa Brühne holt mit einer Schülerin Unterrichtsstoff in der Ferienakademie der Marker Breite Grundschule in Korbach nach. Auf dem Bild zu sehen ist zudem Schulleiter Dirk Osthöver.
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Schutz im Klassenraum: Die angehende Lehramtsstudentin Elisa Brühne holt mit einer Schülerin Unterrichtsstoff in der Ferienakademie der Marker Breite Grundschule in Korbach nach. Auf dem Bild zu sehen ist zudem Schulleiter Dirk Osthöver.

In etwas mehr als einer Woche beginnt in Hessen wieder die Schule. Der Start des neuen Schuljahres steht vor allem unter dem Eindruck weiterer Lockerungen.

„Das Abstandsgebot im Unterricht wird aufgehoben, weil weitgehend wieder Normalbetrieb herrscht“, berichtet Philipp Bender, Pressesprecher beim Hessischen Kultusministerium. Außerdem werde es den Schulleitungen erlaubt, die Maskenpflicht für außerhalb des Unterrichts – zum Beispiel auf dem Schulhof und in den Pausen – anzuordnen.

„Im Unterricht ist die Pflicht nicht möglich. Dort wären Masken eine hohe Einschränkung für Schüler und Lehrer. Es ist aber möglich, eine Maske freiwillig im Unterricht zu tragen“, so Bender.

Der Sprecher weist darauf hin, dass die Schulen ein Infopaket bekommen hätten – unter anderem den Hygieneplan 4.0, da es die mittlerweile vierte Fassung in der Corona-Pandemie mit Erweiterungen sei. „Außerdem haben die Schulen Ergänzungen zu den bisherigen rechtlichen Hinweisen und zum Datenschutz erhalten – zum Beispiel für den Fall, dass ein Kind, das daheim unterrichtet wird, digital zugeschaltet wird“, sagt Bender. Für die Lehrkräfte gebe es in den Ferien keine verpflichtenden Fortbildungen. „Nach den Herausforderungen zum Ende des Schuljahres brauchen die Lehrer auch mal Erholung.“

Die Einschulungen können laut Ministerium und Staatlichem Schulamt stattfinden. Allen Grundschulen ist am 17. Juni ein Leitfaden zur Gestaltung von Einschulungsfeiern zugesandt worden. Ergänzt wurde dieser zwei Tage später um ein weiteres Schreiben, dem Vordrucke zur Anmeldung für die Einschulungsfeier beigelegt waren“, berichtet Doris Braun-Grimmelbein vom Staatlichen Schulamt. Mit diesen Hilfen könnten die Schulen der Tradition dieses wichtigen Ereignisses im Leben eines jeden Kindes gerecht werden und die Hygienemaßnahmen für Kinder, Familien und das Schulkollegium wahren.

Kreis fordert Einhaltung der Hygieneregeln

Der Landkreis weist als Schulträger darauf hin, dass die vom Ministerium ausgegebenen Hygieneregeln einzuhalten seien. Dazu gehören: eine sorgfältige Händehygiene, die Vermeidung körperlicher Kontakte, wo immer dies möglich ist, die Wahrung eines angemessenen Abstandes, regelmäßiges und ausreichendes Lüften der Unterrichtsräume, das Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung außerhalb des Unterrichts und die gründliche und regelmäßige Reinigung im Schulgebäude.

„Es gibt noch viel zu organisieren“

Dirk Osthöver, Leiter der Grundschule Marker Breite in Korbach, sieht dem Schulstart mit Freude, aber auch mit Skepsis entgegen. „Wegen der Lockerungen herrscht im Kollegium auch Unsicherheit.“ Es gebe zudem noch viel zu organisieren.

Zwei Hauptziele hat sich Dirk Osthöver zusammen mit seinem Kollegium mit Blick auf den Schulstart gesetzt. „Wir wollen, dass unsere Schülerinnen und Schüler Spaß im Unterricht haben. Gleichzeitig wollen wir das Infektionsrisiko so gering wie möglich halten“, sagt der Leiter der Grundschule. Gemeinsam wolle man sich dieser Aufgabe stellen, was jedoch nicht ganz leicht sei

„Es herrscht eine Unsicherheit, keine Frage. Wir wissen zum Beispiel nicht, wo sich die Familien im Urlaub aufgehalten haben. Geklärt ist außerdem nach wie vor nicht, welche Rolle Kinder bei der Verbreitung des Coronavirus spielen“, sagt Osthöver.

Dass die Abstandsregel im Unterricht zwischen den Kindern wegfällt sowie die Lockerung, dass Lehrkräfte zukünftig wieder unterschiedliche und damit auch mehr Kinder unterrichten dürfen, trägt nach Ansicht des Schulleiters zwar zu einem Normalbetrieb bei und helfe bei der Personalplanung. „Doch damit steigt eben auch das Infektionsrisiko. Gerade unsere Lehrkräfte sind höchst gefährdet und wir müssen sehen, ob und wie wir unsere neuen Freiheiten in der Praxis umsetzen.“

Natürlich sei der Hygieneplan 4.0 mit Blick auf den am 17. August beginnenden Unterricht an den hessischen Schulen ein guter Leitfaden. „Er lässt gleichzeitig aber auch viel Spielraum, da wären strengere Richtlinien an einigen Stellen besser gewesen“, sagt der Schulleiter, wenngleich er betont, dass es Landkreis, Schulamt und Kultusministerium auch nicht leicht hätten. „Die Gegebenheiten an den Schulen sind eben unterschiedlich.“

Für den Unterrichtsbeginn an seiner Schule fühlt sich Osthöver dennoch gut gerüstet. Das hängt auch damit zusammen, dass es ihm die Schülerinnen und Schüler leicht machen. „Die Hygieneregeln sind bei allen mittlerweile komplett in Fleisch und Blut übergegangen“, sagt er.

Außerdem gebe es innerhalb der Schule immer noch viele coronabedingte Sicherheitsvorkehrungen, die auch mit Beginn des Schulstarts aufrechterhalten werden. Dazu gehören eine Lenkung der Personen, ein Warte-System vor den Toiletten und unterschiedliche Pausenzeiten für die einzelnen Klassen. „Wir wollen auch sicherstellen, dass der Mund-Nasen-Schutz in so genannten Begegnungsräumen wie beispielsweise auf den Gängen oder in den Toiletten aufgesetzt wird“, sagt Osthöver. Im Klassenraum soll ein bewegliches Holzkonstrukt mit Plexiglasscheibe Lehrer schützen, wenn sie gegenüber Kindern keinen Sicherheitsabstand einhalten können. „Das ist der Fall, wenn unsere Lehrkräfte einzelne Schüler anleiten oder ihnen Aufgaben im direkten Gespräch erklären.“ Der Schulhof bleibe zudem parzelliert, um die Abstandsregelungen einzuhalten.

Der Korbacher Schulleiter betont auch, dass es mit Blick auf Unterrichtsbeginn noch viel zu organisieren gebe. Das fange mit der Essensausgabe an, schließlich sei die Grundschule Marker Breite ein Ganztagsbetrieb. „Es dürfen nicht zu viele Essen auf einmal ausgegeben werden, da müssen wir noch Gespräche mit unserem Caterer führen“, sagt Osthöver. Außerdem müssten noch die Konzepte für die Nachmittagsbetreuung sowie für die Durchführung von AG’s und der Hausaufgabenhilfe festgezurrt werden.

Bei einem anderen Punkt erhofft sich der Schulleiter Unterstützung von den Eltern. „Wir sehen viele Lockerungen in der Gesellschaft und im Privaten. Da könnte der Eindruck entstehen, dass man in der Schule ebenfalls keine Regeln mehr befolgen müsse“, sagt Osthöver. „Umso entscheidender ist daher, den Kindern klarzumachen, warum Einschränkungen in Einrichtungen wie der Schule immer noch wichtig sind.“

Flatterband: Auch im Treppenhaus der Schule sollen die Abstände eingehalten werden.

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