Lieder, Tänze und ein Singspiel gefallen den zahlreichen Besuchern

Eulenspiegeleien beim Gemeindefest

+
Till Eulenspiegel hinter Gittern – doch der Schelm kann sich auch aus dieser brisanten Situation befreien.

Vöhl - Beim Gemeindefest wandelte Petrus ein wenig auf den Spuren von Till Eulenspiegel und spielte den Veranstaltern einen Streich. Doch die Besucher ließen sich von den paar Regentropfen nicht abhalten, sondern strömten in Scharen zur Martinskirche.

Die Streiche von Till Eulenspiegel waren das Thema des Musicals, das am Pfingstmontag im Rahmen des Vöhler Gemeindefestes in der Martinskirche erstmals aufgeführt wurde. Doch bevor der Kinderchor das heitere Singspiel um den Schelm, der seinen Mitbürgern den Spiegel vorhält, anstimmen konnte, schien es so, als hätte Petrus den Veranstaltern einen Streich gespielt, denn über Mittag fielen dicke Tropfen vom Himmel. Doch die Vöhler ließen sich vom Überlauf der himmlischen Schleusen nicht weiter beeindrucken oder gar verschrecken und bestätigten damit die Botschaft des Stückes, denn die Bilanz des Schlusschores lautete, dass in der Reaktion auf die Streiche Tills die wahre Natur der Menschen zum Vorschein kommt.

Dasselbe gilt wohl auch für den Streich Apostels mit dem Schlüssel zu den Himmelsschleusen, die nach dem dreiteiligen Konzert in der Martinskirche denn auch konsequent geschlossen blieben.

Den Auftakt machte das Frankenberger Vokalensemble Da Capo mit Chorleiter Benedikt Kantert an den Tasten und den Machern des Musicals in den Stimmfächern Sopran, Alt, Tenor und Bass. Zum „Vorprogramm“ für den Auftritt des Kinderchors zählten auch zwei Nummern, die dem Hauptdarsteller des Singspiels schon einmal die Bühne bereiteten: Bei „Ich wollt‘ ich wär‘ ein Huhn“ und dem Abgesang auf die „Schöne Isabella von Kastilien“ stand der Bassist mit der blonden Lockenmähne bei sämtlichen Soli im Mittelpunkt, während die Mitsänger munter gackerten oder die Damen verführerisch die Fächer zückten.

Beste Stimmung in vollbesetzter Kirche

Anschließend gab Irene Tripp die Einsätze zur musikalischen Vorstellung des Kinderchores, der bei der Einstimmung auf ein Fest schon einmal munter in die Hände klatschte und mit den Liedern von Johnny mit dem Pony oder dem Chachacha der Gans Agathe die Stimmung in der voll besetzten Martinskirche weiter anheizte.

Drei Streiche oder Abenteuer des jungen Manns, der vor 600 Jahren kein Handwerk lernen wollte, sondern seine Zeit lieber mit dem Ausdenken neuer Schliche verbrachte, mit denen er seine Nachbarn zum Narren halten konnte, bildeten die Handlung. Am Anfang stand der Streich mit den am Seil aufgehängten linken Schuhen, der in einer wilden Rauferei endete, da jeder Bauer und jeder Bürger seinen Schuh zuerst aus dem Haufen holen wollte. Ein heftiges Stakkato am Piano begleitete den Chor im Handgemenge.

Hinter Gittern begann das zweite Abenteuer für Till, denn letztlich war der „listige Geselle“ doch den von ihm Düpierten in die Hände gefallen. Aber es gibt keine Lage, aus dem einen der eigene Einfallsreichtum nicht befreien kann. In diesem Fall war die dringende Suche eines Bäckers nach einem Gesellen der Ausweg, der die „dumme Frage“ seines neuen Mitarbeiters nach den Gebäcksorten mit dem launigen Kommentar „Eulen und Affen“ abfertigte und wortwörtlich beliefert wurde.

Als frisch entlassener Geselle machte Till mit dem neuartigen Gebäck dann gutes Geld vor der Kirche, ehe er noch ein paar Bienenkorbdiebe überlistete, die zuletzt aufeinander los gingen.

Auch beim Anstehen um Kaffee und eine leckere Auswahl von Kuchen wie beim Verzehr ging es in jeder Hinsicht harmonisch zu, zumal der nächste Punkt im musikalischen Unterhaltungsprogramm vor der Kirche gleich seinen Anfang nahm: Die ökumenische Tanzgruppe unter der Leitung von Christine Pircher bezauberte die Zuschauer mit einer abwechslungsreichen Auswahl von Choreographien.

Viele schöne Anblicke zum Anschauen oder zum Mitnehmen als Blickfänger und reizvolle Fixpunkte fürs eigene Heim gab es im Obergeschoss des Gemeindehauses. In den Räumlichkeiten der „Bücherkiste“ hatte Walter Schauderna eine Auswahl seiner besten Motive aus Vöhl und Umgebung zum Verkauf ausgestellt. Darunter waren einige klare Fälle von Liebe auf den ersten Blick.

Am Ende hatte die Feiergemeinde den Charaktertest zum Pfingstfest in jeder Hinsicht bestanden: Rund 1800 Euro schlugen für die Renovierung der Martinskirche zu Buche.

Von Armin Hennig

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare