Korbach

Euthanasie-Ausstellung bei documenta

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- Korbach (nv) „Ihr Tod reißt nicht die geringste Lücke . . .“: 7500 Gäste besuchten 2009 und 2010 die Ausstellung zur NS-Euthanasie im Korbacher Museum. 2012 ist eine erweiterte Version im Rahmen der documenta XIII in Kassel zu sehen. .

Eine Liste mit 500 Eu­thanasieopfern, die sich in Wal­deck-Frankenberg aufgehalten hatten, ist Grundlage der Ausstellung. Ein Expertenteam trug sie seinerzeit aus dem Totenbuch der Tötungsanstalt Hadamar zusammen, um den Opfern des Nationalsozialismus ein Gesicht zu geben. Die Erforschung ging auf die Initiative des Lebenshilfe-Werkes Waldeck-Frankenberg zurück. Der Projektgruppe gehörten unter anderem Vertreter des Museums, des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen, der Gedenkstätte Hadamar und des Internationalen Suchdienstes in Bad Arolsen an. Die Ergebnisse der mühevollen Recherchen präsentierte der Arbeitskreis vom 9. September 2009 bis 25. April 2010 auf 31 Schautafeln in einer viel beachteten Ausstellung im Wolfgang-Bonhage-Museum.

Um nach und nach weitere Lücken in der Aufarbeitung der deutschen Geschichte zu schließen, hatten die Experten die Ausstellung von Beginn an als Wanderausstellung konzipiert. „Unsere Idee war, die Ausstellung auszuleihen und zu erweitern, so dass sie mit den Jahren wächst“, berichtet Dr. Wolfgang Werner, Geschäftsführer des Lebenshilfe-Werkes. Obwohl die Ausstellung schon an verschiedenen Orten außerhalb des Landkreises zu sehen war, gehen die Initiatoren mit der Präsentation in Kassel den ersten großen Schritt, um dieses Ziel zu erreichen. „Wir werden die Ausstellung um etwa zehn Tafeln mit Opferbiografien und eine Täterbiografie aus Kassel erweitern“, erklärt Werner. Unterschiedliche Opfergruppen, zum Beispiel Zwangsarbeiter und jüdische Opfer, sind vertreten. Gezeigt werden im Foyer des Kasseler Amtsgerichts an der Frankfurter Straße, zwischen Neuer Galerie und documenta-Halle, darüber hinaus bereits bestehende Schautafeln mit allgemeingültigen Informationen zur NS-Euthanasie sowie mit „überregional bedeutsamen Opferbiografien“, betont Marion Möller.

„Wir werden die Ausstellung etwa eine Woche vor documenta-Start eröffnen und etwas länger als die Kunstausstellung laufen lassen“, erläutert Werner. Die documenta XIII findet vom 9. Juni bis 16. September 2012 statt. Sowohl die Stadt Kassel als auch das dortige Lebenshilfe-Werk unterstützen die Euthanasie-Ausstellung. Sie gehört zum offiziellen Begleitprogramm der Kunstausstellung. Der Kasseler Künstler Horst Hoheisel hat darüber hinaus angeboten, einen Probeguss seines „Denkmals der grauen Busse“ bereitzustellen, um vor dem Eingang des Amtsgerichts auf die Ausstellung aufmerksam zu machen. Mit grauen Bussen waren die Euthanasie-Opfer transportiert worden. Werner: „Wir müssen noch prüfen, ob die Einbindung möglich ist.“ Der Probeguss wiegt 17 Tonnen. „Man merkt, dass das Thema den Menschen am Herzen liegt“, bedankt sich Marion Möller für den Einsatz.

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