Korbach

Euthanasie-Ausstellung im Museum eröffnet

- Korbach (den). Mit einem Gottesdienst wurde am Mittwoch die Ausstellung „Ihr Tod reißt nicht die geringste Lücke“ eröffnet. Die Initiatoren erinnern damit an die grausamen Euthanasie-Verbrechen im Landkreis.

Es war ein bewegender, teilweise schmerzlicher und aufrüttelnder Gottesdienst, den die Besucher in der Kilianskirche erlebten. „Wir wollen die Namen nennen und die Bilder zeigen“, hatte Bischof Martin Hein in seiner Predigt angekündigt. Und was die Anwesenden nach der Eröffnung im angrenzenden Bonhage-Museum zu sehen bekamen, erfüllt diesen Anspruch voll und ganz.

Im unteren Teil des Museums präsentieren die Macher der Ausstellung Bilder, (Lebens-)Geschichten und Persönliches, das unter die Haut geht – dank akribischer Archivarbeit und gekonnter Darstellung. Es sind die Geschichten von Fürstenbergern, Twistern, Korbachern, Landauern oder Bewohnern von Wrexen; von Nachbarn, die während dieser „unwürdigen und grausamen“ Zeit zu Opfern wurden, weil sie anders waren.

„Die Ausstellung kommt gerade zu rechten Zeit“, mahnte der Bischof. „Denn auch heute werden die Menschen nach ihrer Wirtschaftlichkeit beurteilt. Wir sind auf einer schiefen Bahn.“

70 Jahre sind seit der Umsetzung des Euthanasieprogramms durch Ärzte, Richter, Bürokraten und ganz „normale“ Menschen von nebenan vergangen. „Mit dem Krieg nach außen begann auch der Krieg nach innen“, blickten Bürgermeister Klaus Friedrich und Wolfgang Werner auf den Beginn des Euthanasieprogramms am 1. September 1939, dem Beginn des Zweiten Weltkrieges.

„Sie haben weder den Willen zu leben noch zu sterben. Sie bilden eine schwere Belastung. Ihr Tod hinterlässt nicht die geringste Lücke“, zitierte Werner aus einer wissenschaftlichen Abhandlung aus den 20-er Jahren, die der Ausstellung als mahnendes Motto gilt. Dieser Ideologie setzte er ein jüdisches Sprichwort entgegen: „Tot sind nur jene, an die sich niemand erinnert.“ Die Ausstellung wolle dieses Schicksal verhindern.

500 Opfer aus Waldeck-Frankenberg haben die Organisatoren vor dem Vergessen retten können. „Wir wollen ihnen hiermit späte Gerechtigkeit widerfahren lassen“, erklärte Museumsleiter Wilhelm Völcker-Janssen. „Unsere Projektgruppe wird sich nicht auflösen, sondern weiterhin mit dem Thema befassen“, versprach er.

An dem Gottesdienst beteiligten sich neben „Hausherrn“ Bernd Böttner und Domkapitular Gisbert Wisse die Theatergruppe der Lebenshilfe und der Chor der Alten Landesschule.

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