Ministerpräsident Volker Bouffier und Bischof Prof. Martin Hein im Gespräch

Evangelischen Landeskirchen  eröffnen ihre „Klangkirche“ zum Hessentag

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Vor der Eröffnung der "Klangkirche" am Südportal der Kilianskirche: Korbachs Bürgermeister Klaus Friedrich, das Hessentagspaar Lukas Goos und Lisa-Marie Fritzsche, Ministerpräsident Volker Bouffier und seine Ehefrau Ursula, Propst Matthias Schmidt von der Evangelischen Kirche Hessen-Nassau, Horst Rühl von der Diakonie in Hessen, Pröpstin Sabine Kropf-Brandau aus Hersfeld , Bischof Prof. Martin Hein aus Kassel und die Korbacher Dekanin Eva Brinke-Kriebel.

Korbach. Mit lockeren Dialogrunden und Klangerlebnissen eröffneten die beiden evangelischen Landeskirchen Kurhessen-Waldeck und Hessen-Nassau am Freitag abend in der Kilianskirche ihre „Klangkirche“. Zu Gast war auch Ministerpräsident Volker Bouffier.

„Wer Ohren hat zu hören, der höre“ – unter diesem Motto steht die „Klangkirche“. Die Moderatoren Fabian Vogt und Dieter Datsch beleuchteten mit ihren Gästen im Gespräch die Aspekte dieses Ausspruchs. 

Die Kilianskirche mit ihrem wunderschönen Raum sei eine Besonderheit der Hessentags-Stadt, erklärte Bischof Prof. Martin Hein. Und Kirche habe viel mit Klang zu tun – ob dem der Sprache oder den des Gesangs. „Der Glaube hat mit hören zu tun“, sagte der Kasseler Bischof. Die Kirche solle aber nicht nur reden, sondern Menschen aller Altersstufen zuhören. Sie müsse das Ohr genau da hin zu richten, wo sich Stimmen unterschieden.

„Ich finde es richtig, dass die Kirche beim Hessentag ist“, sagte Volker Bouffier. Es sei „das große Fest des Landes – genau da gehört Kirche hin.“ Er könne sich keinen Hessentag ohne die Kirchen vorstellen. 

Der Hessentag in Waldeck

Wobei es ja nun für zehn Tage ein Hessentag in Waldeck sei, merkte Bischof Hein an – das Publikum in der voll besetzten Kirche applaudierte spontan. „Wir wissen, wo wir sind“, gab Bouffier schmunzelnd zurück und verwies aufs „Waldecker Lied“, das garantiert wieder erklinge. Aber: Waldeck „ist auch Hessen“. 

„Bischof Hein kennt die Waldecker Seele“, bemerkte der Korbacher Bürgermeister Klaus Friedrich. Der Hessentag habe den Korbachern schon ein neues Wir-Gefühl geschenkt, betonte er. Das zu sehen, mache ihm viel Spaß. 

Seit dem Landesfest 1997 habe sich das prosperierende Korbach weiterentwickelt, Hessens einzige Hansestadt sei weltoffen und tolerant – aber die Korbacher seien auch heimatverbunden. Wenn sie von einer Reise zurückkämen und die beiden Kirchtürme sähen, sagten sie: „Mein Gott, ist es gut, dass ich Korbacher bin.“ Es sei schon ein Erfolg des Hessentags, wenn die Einwohner nach dem Fest sagten: „Ich lebe gern in meiner Stadt.“ 

"Zwischentöne wahrnehmen"

Zum Thema Klänge befragt, bedauerte der Ministerpräsident, dass oft nur die wahrgenommen würden, die am lautesten schrien. Er mahnte, die Leisen nicht zu übergehen und darauf zu achten, gerade die Zwischentöne wahrzunehmen. 

Horst Rühl von der Diakonie in Hessen rief auf, Kirche und Diakonie müssten zusammenwirken, „wir können nur überzeugen durch den gemeinsamen Klang.“ Es gelte, in Netzwerken zu arbeiten. Aufgabe der Diakonie sei, auf die zu sehen, „die unerhört bleiben“ – und den Blick der die Kirche auf sie zu richten. 

„Sperrt mal die Lauscher auf“, forderte Propst Matthias Schmidt, schon Jesus habe Achtsamkeit gegenüber anderen gefordert. Und: „Hört auf eure Herzen, was Gott sagt.“ Er wünsche sich eine Kirche, die zuhöre und die wie eine Symphonie klinge – mal in Moll, mal wie ein Walzer, ein Rumba oder ein Tango. Kirche müsse so viele Klänge habe wie sie Menschen umfasse. „Ich freue mich auf die erste Rumba-Kirche“, kommentierte Fabian Vogt lachend. 

Was war für das Hessentagspaar der schönste Klang? Der Knall bei der Eröffnungfeier vorm Rathaus, nach dem flimmernde Goldfolien hinab flogen, antwortete Lisa-Marie Fritzsche spontan. Für Lukas Goos war es bei einem besonderen Lied bei einem Konzert seiner Lieblingsband. 

Gemeinschaft erleben

Die Korbacher Dekanin Eva Brinke-Kriebel hob den Einsatz der vielen Ehrenamtlichen aus dem gesamten Kirchenkreis hervor. Sie erlebten etwas Besonderes in der Gemeinschaft. Und bei der „Klangkirche“ erlebten die Besucher ihre Kirche neu – „bunt und vielfältig, so sind wir: Unsere Türen stehen offen.“ 

„Zwischentöne“ während der Feier setzten der Pianist Peter Hamburger und der Saxophonist Jochen Engel. Der Frankfurter Toningenieur, Komponist und Klangdesigner Parviz Mir-Ali bekannte, der schönste Klang für ihn sei der Hall in der Kilianskirche. 

Er präsentierte zur Eröffnung der „Klangkirche“ die Vertonung der Geschichte von Elia aus dem Alten Testament. Sie und zwei weitere Geschichten sind noch während des Hessentags zu erleben. 

Die Projektbeauftragte Evelyn Falting verwies auf das weitere Programm mit Konzerten, „geistlichen Impulsen“ und Posaunen-Serenaden.

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