Mörtel und Anker sichern Mauerwerk · Kloster nach Radaranalyse rekonstruierbar

Experten retten Abtshaus vor Einsturz

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Notverband und Stützkorsett: Fördervereinsvorsitzender Helmut Walter zeigt, wie Experten das Bruchsteinmauerwerk des Abtshauses sichern, um es zu restaurieren.

Diemelsee-Flechtdorf - „Es war ein spannender Sommer“, betont Helmut Walter, Vorsitzender des Fördervereins Kloster Flechtdorf. In der ehemaligen Benediktinerabtei hat sich einiges getan. Derzeit sanieren Experten für 180 000 Euro das einsturzgefährdete Abtshaus.

Einen „Notverband“ trägt das Bruchsteingebäude, dessen Kern ein Torhaus aus dem 12. Jahrhundert ist, bereits seit mehreren Monaten. Inzwischen ergänzt ein Stützkorsett aus dicken Holzbalken die verankerten Spanngurte.

„Das Torhaus steht einigermaßen, aber der Umbau zum Wohnhaus um 1530 wurde nicht fachmännisch ausgeführt“, erklärt Walter das Problem. Zwischen den beiden Mauerschalen aus den verschiedenen Jahrhunderten haben sich Mäuse eingenistet und das Mauerwerk beschädigt, so dass sich die äußere Schale bedrohlich nach außen wölbt.

Darüber hinaus lassen Brandspuren auf ein zerstörerisches Feuer im 17. Jahrhundert schließen. Um die statischen Schwierigkeiten zu beheben, blasen Fachleute für Mauerwerksrestauration die Löcher derzeit mit einem Kompressor aus und füllen die Hohlräume mit Schaummörtel. Wenn dieser aushärtet, verbindet er beide Mauerschalen. Für zusätzliche Stabilität sorgen verbindende Anker, die auf jedem Quadratmeter gesetzt werden. Während die Arbeiten an der Außenhülle laufen, sitzt der Ring­anker aus Eichenholz über dem Gewölbe im Innenraum bereits. Laut Walter verbindet er nicht nur beide Hüllen, sondern fängt auch den Druck des Gewölbes auf die Wände ab.

Da sowohl das freigelegte Gewölbe als auch die Überreste des Torhauses im Obergeschoss des Abts­hauses Hingucker sind, wollen die Flechtdorfer die Balken des Ringankers nur teilweise mit Eichendielen belegen und stattdessen einige Felder verglasen. Herberge nimmt Form an Gleich nebenan, in den ehemaligen Wirtschaftsgebäuden, entstehen Schritt für Schritt das geplante Infozentrum sowie die Herberge des Kultur- und Begegnungszentrums. Durch neue Dachgauben fällt schon heute Licht in das Fachwerkgebäude, in dem Klostergäste später übernachten. „Das Fachwerk in diesem Teil ist komplett saniert“, erklärt Walter.

„Interessante Holzkonstruktionen“ finden sich außerdem im 2011 rekonstruierten Dachstuhl des Abtshauses. Zum „Tag des offenen Denkmals“ am Sonntag, der den Naturstoff Holz in den Mittelpunkt rückt, haben die Flechtdorfer daher ein interessantes Programm rund um ihr geschichtsträchtiges Holz zusammengestellt (siehe Hintergrund). Hinweise auf Kreuzgang Zurück ins Mittelalter geht es in Flechtdorf allerdings nicht nur über, sondern auch unter der Erde: Zufrieden präsentiert Walter erste Ergebnisse der Bodenradaruntersuchung am 9. August (wir berichteten). Wie von Walter erhofft, hat der Marburger Experte Torsten Riese dabei das Mittelalter gefunden.

„Wir können die alten Klostergebäude nun in ihren Außenmaßen rekonstruieren“, erläutert der Fördervereinsvorsitzende. Die Analyse lässt sowohl auf den einstigen Standort des Ostflügels, die Länge des nur noch in Teilen erhaltenen Südflügels sowie einen vor beiden Flügeln liegenden Kreuzgang schließen.Darüber hinaus entdeckte Riese die Grundmauern des später errichteten Hospitalgebäudes sowie Strukturen, die auf einen Brunnen im Kreuzhof hindeuten. Von Stille bis Rockkonzert „Die Länge der Kirche ist jedoch weiterhin ein Rätsel, obwohl wir einzelne Wandstrukturen gefunden haben“, berichtet Walter und blickt voraus: „Da wollen wir noch einmal tiefer in die Erde gucken.“

Weitergehen muss indes die Sanierung: „Wir wünschen uns, dass vor allem in das Thema Heizung mehr Bewegung kommt.“ Die Installation eines Blockheizkraftwerks, das Alten- und Pflegeheim sowie Klostergebäude versorgt, ist laut Walter seit längerer Zeit im Gespräch. Um für das Kloster zu interessieren, planen die Flechtdorfer weitere Veranstaltungen: Neben dem „Tag des offenen Denkmals“ laden sie zum „Einkehrtag“ in die ehemalige Abtei ein (siehe weiteren Text). Nach dem großen Erfolg des Open-Air-Konzerts am 24. August sollen weitere Freiluftkonzerte folgen. Walter:„Ob Rock oder Country – es gibt viele Ideen, um neue Zielgruppen anzusprechen.“

Hintergrund

Ob Fachwerk oder Dachstühle – der beständige Baustoff Holz, der zugleich die Altersbestimmung von Gebäuden ermöglicht, begegnet den Besuchern im ehemaligen Kloster Flechtdorf überall. Zum „Tag des offenen Denkmals“ am Sonntag, der sich 2012 dem Naturstoff Holz widmet, haben die Mitglieder des Fördervereins daher ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt.

Die Klostertore öffnen um 11 Uhr. Die erste Themenführung, die zum Beispiel auch unter die Klosterdächer führt, startet um 12 Uhr. Weitere Führungen gibt es um 14 und 16 Uhr. Eine Holzkunst-Ausstellung eröffnen die Diemelseer um 13 Uhr mit Bläsermusik in der Klosterkirche. In diesem Rahmen werden Kunstobjekte aus den alten Flechtdorfer Orgelpfeifen versteigert. Den Ausbau von Fachwerkwänden mit Lehm demonstriert ein Team des Korbacher Berufsbildungszentrums ab 13 Uhr. Die Klosterfrauen servieren in einem Zelt Kaffee und Kuchen. Auf einem kleinen Klostermarkt gibt es Mitbringsel wie Kartoffelmarmelade und hübsche Kränze.

Der Denkmaltag klingt mit dem Konzert der international bekannten Gruppe „Asamblea Mediterranea“ um 18 Uhr in der Klosterkirche aus. Unter dem Titel „Es ist Zeit für die Liebe“ will das achtköpfige Ensemble mit mittelalterlichen Klängen aus der mediterranen Welt begeistern. Karten für das von der Sparkassen Kulturstiftung Hessen-Thüringen geförderte Konzert kosten zehn Euro. Sie sind in der Buchhandlung Schreiber, in der Sparkasse Adorf und der Flechtdorfer Bäckerei Lamm erhältlich.(nv) Weitere Informationen: www.kloster-flechtdorf.de.

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