Kultband des Deutschrock auf dem Korbacher Obermarkt

„Extrabreit“ rockt Altstadtfest

„Hart wie Marmelade“: Die Deutschrock-Band „Extrabreit“ lockt zum Altstadt-Kulturfest.

Korbach - „Extrabreit“ ist bis heute Kult bei Fans des Deutschrock - auch wenn sie nicht mehr auf der „Neuen Deutschen Welle“ surfen. Am Freitag will „Extrabreit“ beim Altstadt-Kulturfest den Obermarkt zum Beben bringen.

Es waren die Jahre, als Deutschlands geburtenstärkste Generation aller Zeiten gerade den Führerschein machte. Rocknudel Nina Hagen röhrte „Ich glotz TV“, die britische Band „Simple Minds“ bot noch avantgardistische Rockmusik vor kleinerem Publikum, „Spliff“ lud zur ultimativen „Radio Show“, und die „Deutsch-Amerikanische Freundschaft“ ließ wissen: „Tanz den Mussolini“.

Damals surften (fast) all die, die heute in Führungsetagen deutscher Unternehmen fein etabliert sind, auf der „Neuen Deutschen Welle“ und beschworen im blauen Dunst ihre Freiheit. Denn: „Polizisten rauchen milde Sorte, weil das Leben ist schon hart genug.“

Die „Polizei“, das war der Kultsong, der die Band „Extrabreit“ 1981 berühmt machte. Auch weil der bayerische Polit-Fürst Franz Josef Strauß die Scheibe im Bayerischen Rundfunk kurzerhand verbieten ließ - wegen Verunglimpfung der Ordnungshüter.

Die wilden 80er

Vor 30 Jahren führte ein Deutschrock-Festival, organisiert vom Jugendhaus, die Hagener Kombo „Extrabreit“ just nach Korbach in die Bullenhalle. So mancher gestandene Polizist von heute rockte damals wohl aufbegehrend mit: „Polizisten werden jeden Tag und jeden Monat immer mehr.“

„Hurra, die Schule brennt“, „Flieger, grüß mir die Sonne“ sind weitere Hits, die den Deutschrockern von „Extrabreit“ in jenen Jahren einen Sonderstatus auf der „Neuen Deutschen Welle“ (NDW) verliehen. Selbst wenn sich die schrägen Avantgardisten aus dem langweiligen westfälischen Hagen unter all dem musikalischen Krempel von „Markus“ oder der „Spider Murphy Gang“ gar nicht tummeln wollten.

Vieles aus den wilden 80er-Jahren hat Extrabreit-Sänger Kai Havaii alias Kay Schlasse in seinem Roman „Hart wie Marmelade“ später zu Papier gebracht. Mit seinem Gitarren-Partner Stefan Kleinkrieg faszinierte Kai Havaii 2008 auch bei einer Lesung in Bad Wildungen.

Der Weg nach Korbach

Von etlichen Auswüchsen der 80er-Jahre hat sich der Extra-breit-Frontmann dabei längst verabschiedet. Aber von der Musik konnten und wollten „Extrabreit“ nicht lassen. So gingen sie nach einiger Pause 2002 wieder auf Tour, vor allem durch Live-Konzerte. Mit Kai Havaii (55), Stefan Kleinkrieg (56) und Drummer Rolf Möller (56) spielt die Band in ihrem Kern bis heute in Originalbesetzung. Gitarrist Bubi Hönig und Bassist Lars Larsson kamen später ins Quintett.

Der Korbacher Oliver Stremmel hat „Extrabreit“ über all die Zeit nie vergessen. Vor zwei Jahren sah er die Band bei einem Live-Konzert in Duisburg - und plötzlich hatte der Heilerziehungspfleger und pädagogische Mitarbeiter eine Idee: 2012 feiert der Kreisverband der Treffpunkte 25-jähriges Bestehen. So überzeugte Stremmel nicht nur den Vorstand seines Arbeitgebers, sondern auch die Stadt Korbach - und die Firma Weber (Baustoffe) als weiteren Sponsor.

Unterstützung gab es zugleich von der Korbacher Fernsehmoderatorin Mandana Naderian, die Kai Havaii persönlich kennt. So schließt sich der Kreis fürs zweite Live-Konzert von „Extrabreit“ in Korbach.

Am 29. Juni, ab 22.30 Uhr, ist am Obermarkt also Deutschrock-Party angesagt. Mit Unterstützung von Conti hat sich überdies eine noble Vorgruppe angesagt: Die NDW-Coverband „Knutschfleck“ brachte das Publikum beim Altstadt-Kulturfest schon wiederholt auf hohe Touren - und wird am Freitag die Bühne für das Original wohl extrabreit bereiten.

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