Der Ton wird rauer

Facebook statt Fakten: Stadtverordnete sorgen sich um Streitkultur in Korbach

Facebook statt Fakten: Stadtverordnete sorgen sich um die Streitkultur in Korbach.
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Facebook statt Fakten: Stadtverordnete sorgen sich um die Streitkultur in Korbach.

Der Ton wird rauer: Bundesweit werden Kommunalpolitiker in den sozialen Medien wie Facebook immer häufiger Ziel verbaler Attacken. Ist die Diskussionskultur auch in Korbach bedroht? Die WLZ hat bei den Stadtverordneten nachgefragt.

Korbach – Heinz Merl, CDU-Fraktionschef in der Korbacher Stadtverordnetenversammlung macht die Kommunikationskultur in Korbach Kummer: „Kommentare in sozialen Medien ersetzen zunehmend das persönliche Gespräch. Mehrheiten werden anhand der Zahl von Likes konstruiert“, stellte Merl schon in der jüngsten Sitzung der Stadtverordneten fest. 

Insbesondere in Sachen „Pergola“ hätten Gerüchteküche und Facebook-Kommentare Informationen ersetzt und den zwischenmenschlichen Umgang erschwert. Der CDU-Politiker führt zwei Zitate aus einer Facebook-Gruppe ins Feld: „Was haben die Stadtverordneten für diese Entscheidung an Geld kassiert“, habe einer geschrieben, ein anderer habe kommentiert: „Weil sie böse sind“.

Heiß in den sozialen Medien diskutiert: Die Pergola im Korbacher Stadtpark s orgte im vergangenen Jahr für eine Debatte, die zunächst auf Facebook ausgetragen wurde und in einer Demonstration in der Fußgängerzone mündete. Foto: Benseler

Natürlich sei es das gute Recht der Bürger, sich in bestimmten Angelegenheiten zu äußern, Unterschriften als Zeichen der Unzufriedenheit zu sammeln und auf diese Weise eine bestimmte Haltung zu dokumentieren, stellt _Merl klar. Auf der anderen Seite nähmen die Bürger vermehrt Wahrheiten für sich in Anspruch und Fakten nicht zur Kenntnis.

Schützenhilfe bekam Merl in der Sitzung von Helmut Schmidt: „Der Ton der Auseinandersetzungen verschärft sich, das führt zu Verunglimpfungen von Bürgern, die sich in der Stadtverordnetenversammlung für Korbach einsetzen“, sagte der SPD-Stadtverordnete. Bürgerbeteiligung sei wichtig, „man sollte aber auch akzeptieren, dass die Stadtverordneten abwägen und entscheiden.“

Gelassener blickt Kai Schumacher auf die Debatte in den sozialen Medien: „Ich finde das gar nicht so schlecht. Ich lese auf Facebook mit und erfahre, was der Bürger denkt“, sagt der FWG-Fraktionsvorsitzende auf WLZ-Nachfrage. Die Interventionen der Korbacher in Sachen „Pergola“ hätten ihn und die Stadtverordnetenversammlung schließlich auch zum Nach- und Umdenken bewegt: „Wir haben zwar den Kompromiss gewählt, die Pergola zu verlegen, aber auch entschieden, sie zu erhalten.“ Grundsätzlich sollten die Politiker mehr auf die Bürger hören und sie mitnehmen, so Schumacher. Das werde im Alltag der großen und kleinen Politik zu oft vergessen.

„Ich sehe das persönlich nicht so dramatisch. So eine Art, Kritik zu äußern, hat es schon immer gegeben“ sagt auch Arno Wiegand (FDP). Durch die Technik würden Gerüchte und Halbwahrheiten nur schneller und weiter verbreitet. „Wir als Stadtverordnete müssen da den Mut haben, auch mal zu sagen: Nein, so ist das nicht.“

Grünen-Fraktionschefin Heike Kramer wünscht sich, dass die Menschen den direkten Kontakt zu den Stadtverordneten suchen: „Dann kann man auch argumentieren und auf einer sachlichen Ebene sprechen.“ Rückmeldung bekomme sie meist, wenn Bürger sich von einem Thema persönlich betroffen fühlten. Die Korbacher Grünen wollen in diesem Jahr eine regelmäßige Bürgersprechstunde anbieten.

„Ich finde es toll, dass sich die Bürger engagieren. Leider wird das in Korbach nicht so gefördert“, sagt Axel Krüer (Aktive Bürger). Gerade die Pläne um die Pergola hätten viele Korbacher bewegt. „Ich glaube, es hat wegen lokalen Themas noch nie vorher eine Demonstration in Korbach gegeben.“ Mehr Transparenz könne durch eine vierteljährliche Bürgerversammlung und regelmäßige Sprechstunden des Bürgermeisters geschaffen werden.

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