Jungzüchter stellen sich dem Tierbeurteilungswettbewerb

Fachsimpeln über Euter und Körperbau

Helmscheid - Originelle Wanderpokale in Form von Kühen gab es für die beiden Erstplatzierten des Tierbeurteilungswettbewerbs in Helmscheid.

Kühe sehen irgendwie alle gleich aus? Da können die Jungzüchter aus Waldeck-Frankenberg und Marburg-Biedenkopf Laien aber etwas anderes erzählen. Was sie alles über Körperbau, Euterform oder den „Milchcharakter“ der Vierbeiner wissen, stellten sie am Freitagabend auf dem Hof Bürger-Grebe unter Beweis: Mehr als 30 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen fünf und 25 Jahren traten zum Tierbeurteilungswettbewerb an. Den gebe es einmal im Jahr, erläuterte Ute Ermentraudt vom hessischen Landesbetrieb Landwirtschaft in Korbach. Sie ist die Betreuerin der Jungzüchter, die sich in zwei Clubs zusammengeschlossen haben. Der Hof war nicht zufällig ausgewählt: Die Familie Bürger-Grebe ist mit ihren Deutschen Holsteins regelmäßig bei Tierschauen erfolgreich. Diese Kuhrasse ist bei Züchtern beliebt, weil sie als robust und leistungsstark gilt. Ob sie ein schwarzbuntes oder ein rotbuntes Fell hat: Eine gute Kuh muss eine stabile Gesundheit haben, und sie muss fruchtbar sein, damit sie regelmäßig Kälbchen zur Welt bringt. Das ist die Voraussetzung für die „Laktationsperioden“, also für die Zeiträume, in denen sie Milch gibt. Sie muss Futter gut aufnehmen und verwerten. Außerdem muss sie ein gutes Euter haben, damit sie gute Leistungen bringt, und damit es keine Probleme mit den modernen Melksystemen gibt. Ob eine Kuh eine gute Leistung und ein hohes Lebensalter verspricht, können Züchter an bestimmten Körpermerkmalen erkennen. Welche das sind, sollen auch die Jungzüchter frühzeitig lernen. Der Wettbewerb testet ihren Wissensstand. Der Deutsche Holstein-Verband hat dazu einen vierseitigen „Tierbeurteilungsbogen“ entworfen. Gerade für die jüngeren Teilnehmer ging Ermentraudt vor dem Wettbewerb den Fragebogen durch und erklärte an einem Tier, worauf alles zu achten ist. Das geht ziemlich ins Detail: Wie sind die Sprunggelenke ausgebildet? Stehen die Hinterbeine parallel oder in X-Form? Ist der Winkel der Klauen eher steil oder flach? Wie hoch sitzt das Euter? Ist die Kuh eher mager oder rund? Nach diesem Durchgang wurde es ernst, die Jungzüchter machten sich an die Bewertung. Zunächst wurden sechs Kühe auf dem Platz aufgetrieben. Die jungen Teilnehmer sollten sie„rangieren“, also nach ihrer Zuchtqualität einstufen. Danach blieben zwei Tiere zurück, die genau zu beurteilen waren. Die Jungzüchter hatten vier „Merkmalskomplexe“ zu beachten, für die es Punkte gab: -  Beim Milchtyp werden zum Beispiel Rippenausprägung, Knochenbau, Harmonie oder Hals- und Kopfform bewertet. - Beim Körper geht es um die Größe und Länge, einen starken oder schwachen Bau oder um die Beckenform. -  Beim Fundament werden Beinstellung, Knochenqualität oder die Bewegung beurteilt. - Beim Euter kommt es auf Höhe und Breite an, auf die Stellung der „Striche“ genannten Zitzen oder die Ausprägung des sogenannten Zentralbandes. Die Gesamtpunktzahl entscheidet, ob eine Kuh als „exzellent“ gilt, als „gut“ oder nur als „mangelhaft“. Eifrig gingen die Jugendlichen ans Werk, sie diskutierten oder schätzten Größen ein. Nur: Wie sollte ein Kind feststellen, ob die Kuh mindestens 1,42 Meter groß ist, wenn es selbst kleiner ist? „Moment, ich heb‘ dich hoch,“ rief ein Jugendlicher. Und schon konnte der Junge auch Neigung und Breite des Beckens gut erkennen. Parallel zu den Jungzüchtern beurteilten Ermentraudt und ihr Kollege Stefan Waßmuth als Preisrichter die Kühe. Ihr Ergebnis glichen sie zum Schluss mit den Bewertungen der Teilnehmer ab. Wer die geringsten Abweichungen hatte, schaffte es aufs „Siegertreppchen“. Im „Kuh-Café“ der Familie wurden die Platzierungen bekannt gegeben und Preise überreicht: Die Siegerin Monika Schmutzler aus Rauschenberg erhielt eine schwarzbunte Kuh als Wanderpokal. Für Platz zwei bekam Laura Ochse aus Dörnholzhausen eine rotbunte Kuh als Wanderpokal. Punktgleich auf den dritten Platz kamen Stefan Hochgrebe aus Haubern und Marcel Löwer aus Herbelhausen. Platz 5 sicherte sich Wiebke 
Pohlmann aus Welleringhausen.Alle Jungzüchter erhielten Geld- und Sachpreise, die von Unternehmen und landwirtschaftlichen Organisationen gespendet worden waren. Von Dr. Karl Schilling

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare