Stadtbus Korbach: Mehr Linien, weitere Haltestellen, aber weniger Kilometerleistung

„Fahrgäste kannten System sehr gut“

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Am Bahnhof treffen die fünf Linien aufeinander. Wer ein ungünstiges Ziel hat, muss hier lange auf den anderen Bus warten.

Korbach - „Fahren Sie Nordring?“ Unsicher steht ein junger Fahrgast vor der halb geöffneten Bustür und fragt sich, ob seine Entscheidung für Linie 2 richtig ist. Busfahrer Frank Wagener muss selbst noch kurz auf den Plan linsen. Dann steht fest: Passt, bitte einsteigen.

Tag eins im neuen Bussystem der Kreisstadt. Den ganzen Tag hindurch begleiten Thomas July und Kollege Uwe Henkel in den beiden neuen Fahrzeugen die Fahrgäste, die noch bis Samstag umsonst fahren dürfen.

Die Promoter, die für den Nordhessischen Verkehrsverbund arbeiten, erklären die neue Linienführung und haben für die Fahrgäste ein offenes Ohr.

„Super Busfahrer“ lobt eine ältere Dame und reckt den Daumen nach oben. Nicht alle Reaktionen sind so positiv. Manche sind überfordert mit der Umstellung, andere lehnen die Neuordnung generell ab.

Die Stadt als Lizenzgeber muss vor allem sehen, dass die Kosten nicht ausufern. Der Busbetrieb ist längst nicht kostendeckend – aber politisch gewollt. Seit 1. Januar 2012 sind die Kosten weiter gestiegen, weil sich der Landkreis aus der Co-Finanzierung in Höhe von 80 000 Euro zurückgezogen hat.

Die Zahl der Linien und der Haltestellen hat sich zwar erhöht. Weil der Takt aber auf eine Stunde gestiegen ist, fallen insgesamt weniger Streckenkilometer an.

Antworten auf viele Fragen

Helfer July kommt aus Kassel. Doch er hat den Fahrplan bereits verinnerlicht. Die neue Haltestelle in der Berliner Straße, der Verlauf von Linie 5 durch das Gewerbegebiet oder die neue Andienung am Waldecker Berg – fast alle Antworten hat er parat. Manche Änderung ist für die Mitfahrer gewöhnungsbedürftig. Dass die „Dortmunder Straße“ nun „Holunderflosse“ heißt etwa.

„Vor allem die älteren Fahrgäste kannten das System sehr gut“, hat July bemerkt. Also muss er viel erklären und beraten. Manche Dinge hat auch er noch nicht durchdrungen. Wann beispielsweise die Busse welche Linie fahren, ist noch unübersichtlich. „Das ist wichtig, weil ich den Leuten nicht sagen kann: Sie müssen nicht umsteigen, bleiben Sie im Bus“, erläutert der Fahrplanexperte das Problem.

Erklärtes Ziel der Stadt ist es laut Amtsleiter Carsten Vahland nicht, dass ein Anwohner aus der Leipziger Straße ruckzuck „Im Alten Felde“ ankommt – für diese Strecke benötigt er in der Tat 41 Minuten. Wichtig sei es, „relativ schnell“ ins Zentrum zu gelangen.

Der Bahnhof bleibt Dreh- und Angelpunkt, eine Linienfahrt nimmt zwischen einer viertel und fast einer halben Stunde in Anspruch.

Linie 5 nutzt Lebenshilfe

Auffälligste Neuerung ist Linie 5, die das Gewerbegebiet zwischen Nordring und Umgehung anfährt. Dadurch sollen Arbeitnehmer die Möglichkeit bekommen, ihr Auto zu Hause stehen zu lassen. Die elf Stationen werden zwischen 7.15 Uhr und 18.28 Uhr bedient.

Die Mitarbeiter der Lebenshilfe kommen zudem nun besser in die Werkstätten; im alten System war am Westring Schluss. Besondere Rücksicht haben Stadt und Betreiber, die DB Busverkehr Hessen, auf die Schulzeiten genommen. Berliner Schule/Louis-Peter-Schule sowie Alte Landesschule/Berufliche Schulen werden weiterhin pünktlich zum Schulgong verstärkt angefahren.

Um 17 Uhr haben die Promoter Feierabend. Heute geht es weiter mit ihrer Aufklärungsarbeit. Kostenlose Fahrten werden bis Samstag angeboten. Die Preise für Einzelfahrten sind gleich geblieben (1,60 Euro für Erwachsene, 1,10 Euro für Kinder). Alle weiteren Preise wurden angehoben (zwischen 0,10 Euro und 15 Euro). Wochentickets gibt es nicht mehr.

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