Korbacher Spalte als herausragende Fossilfundstätte von UNESCO anerkennen lassen

Fahrplan für Weltnaturerbe

Korbach - Die „Korbacher Spalte“ ist ein Weltnaturerbe - für namhafte Urzeitforscher steht das schon seit 20 Jahren fest. Das GeoparkBüro und die Stadt Korbach haben derweil einen Plan, wie die Fossilienfundstätte auch offiziell das Prädikat der Vereinten Nationen erhalten soll.

„Dino“ hätte der 250 Millionen Jahre alten Kluft in Fisselers Steinbruch am liebsten schon 1995 den UNESCO-Titel „Weltnaturerbe“ verleihen lassen. Doch damals haderte Professor Eberhard „Dino“ Frey (Naturkundemuseum Karlsruhe) als Grabungsleiter in der Korbacher Spalte noch mit der Stadtverwaltung, die den Zähnen und Knochen im Gestein nicht viel abgewinnen konnten.

Seither hat sich viel geändert, denn die Stadt hat Ende der 90er-Jahre für ein Dach über der Spalte gesorgt, lässt derzeit den benachbarten Kalkturm als Anlaufstelle für Besucher ausbauen und auch das Terrain im Steinbruch neu gestalten (wir berichteten). Denn das versteinerte Grab einer fossilen Tierwelt in Korbach ist weltweit herausragend.

Ähnliche Funde gibt es nur aus dem südlichen Afrika - und allein diese Verbindung macht die Korbacher Spalte zu einem paläontologischen und geologischen Juwel: Die Fossilien im Steinbruch an der Frankenberger Landstraße sind ein Beleg dafür, dass vor 250 Millionen Jahren die Landmassen des heutigen Afrikas und Europas über Landbrücken verbunden waren - der Urkontinent Pangäa also tatsächlich existierte.

Überlegungen, die Korbacher Spalte als Weltnatur-erbe der UNESCO anerkennen zu lassen, „sollen jetzt etwas konkreter werden“, erklärt Norbert Panek, Leiter des heimischen Geoparks „Grenzwelten“. Zumal die Fundstätte in Korbach auch von zentraler Bedeutung für die Entwicklung des Geoparks mit seinen unterschiedlichsten erdgeschichtlichen Epochen ist.

In Abstimmung mit Dr. Marc Müllenhoff (Stadtmarketing) und dem Korbacher Museumsleiter Dr. Wilhelm Völcker-Janssen will Panek das UNESCO-Projekt vorantreiben. „Dabei sind jedoch sehr strenge Kriterien zu beachten und die Aufnahme in dieses Netzwerk ist mit einer langwierigen und vor allem aufwendigen Prozedur verbunden“, schildert der Geopark-Leiter.

Zehn Jahre bis zum Antrag bei der UNESCO

Die große Hoffnung: Speziell in Deutschland bestehe ein Mangel an ausgewiesenem Weltnaturerbe, denn 36 der 39 deutschen Welterbegüter seien Kulturstätten - wie etwa der Kölner Dom. Auch in der aktuellen deutschen Anmeldeliste für die UNESCO sei kein Naturerbe-Vorschlag enthalten.

Fazit: Für eine Nominierung bei der UNESCO gibt es für bedeutende paläontologische Fundstätten wie die Korbacher Spalte prinzipiell gute Chancen. Ein Beispiel in Hessen ist die erdgeschichtlich rund 200 Millionen Jahre jüngere „Grube Messel“ bei Darmstadt, mit herausragenden fossilen Säugetierfunden.

Nach Ansicht des Geopark-Büros und der Stadt Korbach wäre es sinnvoll, sich dem Ziel „etappenweise zu nähern“ - um bis 2024 die Vorarbeiten zu erledigen. „Am Ende dieses Prozesses könnte dann die Einleitung eines Nominierungsverfahrens“ für das UNESCO-Prädikat stehen, erklärt Norbert Panek. Wichtig für dieses Vorhaben sei „eine klare politische Willensbekundung“ von Stadt, Kreis und Land - einschließlich „einer entsprechenden finanziellen Unterstützung bei der Umsetzung der Etappenziele“.

Hintergrund: Welterbe

In zehn Etappen könnte laut Geopark-Büro die Anerkennung der Korbacher Spalte als Weltkulturerbe gelingen:

Aufarbeitung der Funde, Datenbank, wissenschaftliche Bewertung und Publikation.

Fertigstellung des Kalkturms als „Geo-Foyer“.

Neue Forschungsprojekte für Spalte und Fundstücke.

Werbung für die Welterbe-Idee auf Landesebene. l?Internationale Kooperationsprojekte anschieben – etwa mit Fundstelen in Afrika.

Machbarkeitsstudie zu einer möglichen UNESCO-Nominierung mit Unterstützung des Landes.

Definition und Begründung der Einzigartigkeit der Korbacher Spalte.

Vorbereitung eines Antrags zur Nominierung bei der UNESCO, Aufnahme in die nationale deutsche Anmeldeliste.

Offizielle Antragstellung (frühestens 2024)

Anerkennung und Aufnahme in die Welterbeliste.

Von Jörg Kleine

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