Im Männergesangverein „Liedertafel“ Goddelsheim singen ganze Familiengenerationen gemeinsam

Familienbande mit Liebe zum Gesang

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Im Männergesangverein Goddelsheim setzen ganze Familien auf den guten Ton: Großväter, Söhne, Enkel, Brüder der Familien Grosche, Scriba, Bangert, Behle und Kuhnhenne singen gemeinsam in der Liedertafel.

Lichtenfels-Goddelsheim - Wenn es stimmt, dass Singen glücklich macht, dann muss es in Goddelsheim besonders viele glückliche Menschen geben. Denn ganze Familienbande pflegen die Liebe zum Lied, vor allem im Männergesangverein „Liedertafel“, dem Meisterchor: Väter, Söhne, Großväter, Brüder.

Wie überzeugt ein Vater seine vier Söhne, einem Gesangverein beizutreten? „Nun, erst einmal muss man vier Söhne haben“, sagt Helmut Bangert senior weise - „und dann ist man wohl einfach ein Beispiel.“ Ihm hätten das Singen, die Geselligkeit und die Gemeinschaft im Chor in all den Jahren immer viel Freude bereitet - eine Freude, die sich auch positiv motivierend in die Familie trug, sagt Bangert, der dem MGV „Liedertafel“ immerhin schon seit 1961 seine Stimme schenkt. „Sonst wären wir ihm nicht gefolgt, das ist ganz klar“, bestätigt Junior Uwe Bangert stellvertretend für seine Brüder.

Familien prägen Liedertafel

Im Goddelsheimer Gesangverein mit seinen insgesamt 37 Aktiven gehören 17 Sänger nur fünf Familien an, und alle geben ein besonderes Beispiel. Familie Behle etwa. Sie ist über drei Generationen vertreten: 1975 trat Großvater Wilfried in den Verein, 1988 folgte sein Sohn Thomas, der inzwischen auch den Vorsitz innehat, 1995 folgte Enkel Niklas und drei Jahre später der zweite Enkel Janis. Die Altersspanne in dieser Familie reicht von 15 bis 65 und sie singen jeden Donnerstag von 20 bis 22 Uhr gemeinsam, komme, was wolle.

„Da muss man sich schon gut verstehen, sonst wird es schwierig“, sagt Uwe Bangert und lacht. Er ist stellvertretender Vorsitzender des Chors und weiß, wovon er spricht, denn er selbst singt zusammen mit seinem Vater Helmut senior und seinen Brüdern Helmut junior, Jörg und Ralf auch schon lange im Männergesangverein. Die fünf Bangerts decken drei Stimmen ab - 1. Tenor, 2. Tenor und 1. Bass.

Das zu Ende gehende Jahr ist für die Mitglieder des Männergesangvereins „Liedertafel“ Goddelsheim unter Leitung von Holger Born in zweierlei Hinsicht ein besonderes Jahr. Sie feierten das 135-jährige Bestehen ihres Chores und brillierten beim Chorwettbewerb des Mitteldeutschen Sängerbundes in Hann. Münden derart, dass ihnen der hochkarätige Titel „Meisterchor“ bereits zum dritten Mal zugesprochen wurde.

Wie schafft es ein Chor, sich monatelang freiwillig auf einen schwierigen Wettbewerb vorzubereiten, englische und schwedische Lieder auswendig zu lernen, und einen Verein, der 1878 gegründet wurde, so erfolgreich in die Zukunft zu führen? Vielleicht sind es gerade die Familienbande.

Gemeinschaft, Geselligkeit, Freude. Singen macht also zufrieden über den Weg, den alle gemeinsam gehen - und das über Generationen hinweg. Manche Familiennamen, darunter Scriba und Kuhnhenne, waren schon Anfang des 20. Jahrhunderts im Männergesangverein und die Nachkommen sind der Tradition immer weiter gefolgt: Vater Rainer Kuhnhenne, Bruder Gerhard und Sohn Kevin sind ein ebenso gutes Beispiel dafür die Vater Fritz Scriba, Bruder Henning und Sohn Ingo.

„Der Gesangverein vereint auch alle Generationen. Im Sport sind die Älteren irgendwann raus, aber im Chor gibt es keine Altersgrenze“, sagt Thomas Behle und nennt etwa den 72-jährigen Fritz Grosche, der dem Gesangverein schon 50 Jahre angehört, und seinen 16-jährigen Enkel Steffen, der seit rund einem Jahr mitsingt.

Vielleicht verjüngt sich der ­Altersdurchschnitt in den nächsten Jahren sogar weiter, denn zuletzt seien einige Söhne von ihren Vätern sogar schon bei ihrer Geburt angemeldet worden, verrät Thomas Behle mit einem Schmunzeln. „Abgesehen davon hat der Verein nie verpasst, die nächste Generation einzubinden, und ist immer bemüht, neue Sänger zu finden“, sagt der Vorsitzende.

Am besten wirke da die persönliche Ansprache nach Konzerten. Allerdings mache auch dem Goddelsheimer Männergesangverein der Schichtdienst zu schaffen; ständig wechselnde Dienstzeiten halten so manchen vom Vereinsleben ab. Reinhold Ossowski konnte dem MGV Goddelsheim auch erst beitreten, als er mit 63 Jahren in Rente ging - und seitdem fehlt er bei keiner Übungsstunde.

Sorgen vergessen

Und er macht mit, was alle älteren Gesangsbrüder schon seit Jahren ebenfalls auf sich nehmen: auch mal in anderen Sprachen singen. „Die Älteren im Verein haben sich nie gesträubt, auch mal ein Lied in englischer Sprache zu lernen, obwohl das schwierig für jemanden ist, der die Sprache nie gelernt hat. Aber alle ziehen mit und wir wissen das zu schätzen. Denn wer nur an althergebrachten Strukturen festhält, kann die Jungen nicht so begeistern“, verrät Jörg Bangert ein weiteres Geheimnis für den Erfolg des Vereins. Von Vorteil sind die Englischkenntnisse schon bald für alle: Im September 2014 geht’s auf Sängerreise nach Schottland, in Edinburgh wollen sie ein Konzert geben. Die Reise führt auch zum See Loch Lomond nahe Glasgow - weil sie das Lied so gerne singen und, nun ja, der gleichnamige Whiskey sollte auch probiert werden.

„Übrigens muss keiner vorsingen“, räumt Uwe Bangert eine Mär aus. „Meist hört man schon an der Sprechstimme, welche Gesangsstimme jemand hat, und so findet jeder recht schnell seinen Platz im Chor.“ Aufmerksam zuzuhören sei besonderes am Anfang wichtig, ein leichtes Mitsingen bald möglich und es werde zwar ernsthaft geübt, aber trotzdem locker. Und wenn „der Neue“ erst mal richtig mitsingt, wird er schnell merken, was die anderen schon lange wissen: „Beim Singen lässt es sich sehr schön abschalten. Nach zwei Übungsstunden hast du alle Sorgen vom Tag vergessen“, sagt Uwe Bangert. Was für ein Glück.

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