80 Prozent des Publikums geht „Gilde der ehrlichen Taschendiebe“ auf den Leim

Fast alle lassen sich beklauen

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Die ausgefeilte „Klaukunst“ von Trickdieben erfuhr auch Moderator Thomas Korte am eigenen Leib.

Korbach - Diebstahlprävention mit viel Humor war beim Themenabend „Sicherheit im Geldverkehr“ im Bürgerhaus zu erleben.von sandra simshäuser

. Zu der kurzweiligen Infoveranstaltung hatte die Sparkasse in Zusammenarbeit mit der Polizeidirektion eingeladen. Dabei ging es schon am Eingang unter großem Polizeiaufgebot mit „intensiven Personenkontrollen“ zur Sache. In bester Taschendiebmanier wurde jeder Besucher erst einmal angerempelt, überrumpelt und bequatscht, um dann später im Saal eine Visitenkarte von der „Gilde der ehrlichen Taschendiebe“ in der eigenen Hosentasche vorzufinden. Unglaubliche achtzig Prozent der Gäste im Saal gingen auf diese Weise den Diebstahlspezialisten der Polizei auf den Leim, die eigens bei Bühnenkünstlern in die Lehre gegangen waren. „Im Ernstfall wären Sie alle beklaut worden“, gaben die „ehrlichen Taschendiebe“ ihrem verblüfften Publikum zu verstehen.

Kein Kavaliersdelikt

Die Gründung der „Gilde“, mit deren Aktionen Polizeibeamte die Bevölkerung für Diebstahlgefahren sensibilisieren, hat denn auch einen ersten Hintergrund. Bundesweit werden jährlich mehr als 120000 Taschendiebstähle verzeichnet. Deren Aufklärungsquote liegt bei mageren 5,5 Prozent. „Taschendiebstahl ist kein Kavaliersdelikt. Bringen Sie jeden Fall zur Anzeige“, lautete daher der Appell an die Gäste im Bürgerhaus. Zumal die „Hochsaison“ für Taschendiebe direkt bevorsteht: Im dichten Gedränge auf Weihnachtsmärkten und in Einkaufszentren haben Langfinger leichtes Spiel.

Damit die Brieftasche und deren Inhalt auch zukünftig an Ort und Stelle bleiben, hatte die Polizei eine Reihe von einfachen Tipps parat. Nicht nur Moderator Thomas Korte, auch Bürgermeister Klaus Friedrich und diverse Gäste aus dem Publikum wurden aufgefordert, sich für anschauliche Demonstrationszwecke zur Verfügung zu stellen. Deutlich wurde dabei, wie sehr Trickbetrüger, die meist zu mehreren unterwegs sind, auf Ablenkung setzen. Typisch für Taschendiebstahl ist das „Auf-Tuchfühlung-Gehen“.

Bauchgefühl folgen

„Besser ist es, zwei Armlängen Abstand zu halten oder sich wegzudrehen“, lautet der Expertenrat. Ebenfalls gilt folgender Tipp: „Vertrauen Sie Ihrem Bauchgefühl, wenn Ihnen was komisch vorkommt.“ Das Perfide an vielen Diebstahlmaschen sei, dass gerade die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen ausgenutzt werde.

Zur Vermeidung von Taschendiebstählen rät die Polizei, Wertgegenstände nur in verschließbaren Innentaschen oder überall dort zu verstauen, wo man selbst nicht ohne Weiteres hineingreifen kann. Bargeld sollte nur in begrenzten Mengen mitgeführt und Taschen stets mit dem Verschluss zur Körperseite getragen werden.

Großes Lob für die Intensität dieser und vieler weiterer Veranstaltungen im Rahmen der Korbacher Präventionswochen zollte der Präsident des Polizeipräsidiums Nordhessen, Eckhard Sauer, den Veranstaltern anlässlich der gezogenen Zwischenbilanz. „Ich bin dankbar, dass wir so eine Kommune haben“, stellte Sauer fest. Mit dem zweiwöchigen Programm nehme Korbach in Hessen eine Sonderstellung im Bereich der Prävention gegen Sucht und Gewalt ein. Dass Prävention in dieser Form über den reinen Wirkungsbereich der Polizei hinausgehe, führte Polizeidirektor Hubertus Hannappel als einen weiteren Pluspunkt der Veranstaltungsreihe auf. Weitere Herausforderungen sieht Hannappel beispielsweise im Bereich des Jugendschutzes: „Wir müssen sehen, was da kommt.“

Es ist besser geworden...

Für Bürgermeister Klaus Friedrich sind die Veränderungen nach zwölf Jahren intensiver Präventionsarbeit deutlich spürbar. In der Bevölkerung sei etwa eine höhere Sensibilität zu verzeichnen, die schon in der eigenen Nachbarschaft anfange: „In der Breite ist das deutlich besser geworden“, sagte Friedrich. Man habe in dieser Zeit viele Institutionen als Mitstreiter gewinnen können. Nun gehe es darum, die Präventionsarbeit kontinuierlich weiterzuführen. (sim)

Programm der Woche

Noch bis Freitag, 9. November, gibt es bei den Korbacher Präventionswochen jeden Tag Angebote für Jung und Alt. Heute findet an der Louis-Peter-Schule eine interne Schulveranstaltung zum Thema „Virtuelle Welten: Zwischen Chancen, Risiken und Generationskonflikt“ statt. Im Bürgerhaus steht um 16 Uhr die Diskussionsrunde „Arme Kinder – Arme Zukunft?“ mit Bernd Siggelkow, Gründer der Arche e.V. Berlin, an. Moderiert wird die Runde von WLZ-FZ-Chefredakteur Jörg Kleine. Beide sind auch am Abend um 19.30 Uhr im Bürgerhaus bei der Lesung und Diskussion „Deutschlands verlorene Kinder – Warum unser Bildungssystem Verlierer produziert“ mit von der Partie.

Weiter geht es am Donnerstag, 8. November, um 10 Uhr mit der Infoveranstaltung „Fun und Risk im Netz“ mit dem IT-Sicherheitsexperten Felix Weiß in der Stadthalle. Für die Veranstaltung für Schüler ab der achten Klasse sind noch Anmeldungen beim Jugendhaus möglich.

Von 16 bis 18 Uhr findet unter der Adresse ?www.bke-beratung.de ein Chat zum Thema „Cannabis – Wirkungen, Risiken und Nebenwirkungen“ statt.

Der Donnerstag endet mit Felix Weiß und dem Thema „Sicherheit im Internet“ um 20 Uhr in der Stadthalle. Einlasskarten gibt es bei der Waldecker Bank und im Bürgerbüro.(tt)

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