Korbach

Fast 30 Handys erschlichen

- Korbach (mak/resa). „Gemeinschaftlicher Betrug in 18 Fällen“ lautete am Donnerstag die Anklage gegen zwei Männer vor dem Korbacher Amtsgericht. Mit gefälschten Handyverträgen hatten sie sich Geräte im Wert von rund 11 000 Euro erschlichen.

„Ich geb es zu, ich bin es gewesen“, räumte der 30-jährige Staplerfahrer bereits zu Beginn der Anhörung ein. Auch der 41-jährige Mitangeklagte war geständig. „Es tut mir leid. Es war ein absolut blöder Fehler“, bedauerte er, „der Fehler meines Lebens“. Beide legten ein vollständiges Geständnis ab: Im Mai 2009 begegneten sich die beiden Männer im Laden eines Handyanbieters in Bad Arolsen das erste Mal. Dort war der 41-Jährige als Verkäufer angestellt. Sie kamen ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass beide mit finanziellen Problemen zu kämpfen hatten. So kam ihnen die Idee, unter der Verwendung falscher Personalien Handyverträge abzuschließen.

Er habe die Ausweise seiner Mutter und seiner Schwester gefälscht, gestand der 30-Jährige aus Volkmarsen. Die Kopien dieser Ausweise reichte er dann im Mobilfunkladen ein, wo der Angestellte aus Twiste auf immer gleiche Adressen und ähnlich klingende Namen nicht weiter einging. Statt dessen schaltete er die Handyverträge frei. Ohne einen Cent zu bezahlen bekam der 30-Jährige auf diesem Weg rund 30 Mobiltelefone und Mini-Notebooks ausgehändigt. „Als wir einmal merkten, dass es funktioniert, haben wir einfach immer weiter gemacht“, erklärte der Volkmarser. Die Geräte habe er für 100 Euro pro Stück weiterverkauft.

„Und welchen Nutzen hatte der Verkäufer von diesem Deal?“, fragte Richter Gerd Rinninsland. „Ich habe hin und wieder sein Auto repariert“, erklärte der 30-Jährige, „dafür hatte er nämlich kein Geld“. Acht Monate lang hielten die beiden den Kuhhandel aufrecht. Als der 41-jährige Angestellte im Januar 2010 entlassen wurde, endete die Betrugsserie. Damals ahnte der Ladenbesitzer allerdings noch nichts von dem Betrug, die Entlassung war aus betrieblichen Gründen ausgesprochen worden.

„Erst bei der Überprüfung von Provisionsabrechnungen sind Unstimmigkeiten aufgetreten“, berichtete der Inhaber, der als Zeuge geladen worden war, „als ich den Angeklagten daraufhin kontaktierte, tat er unschuldig.“ Das Unternehmen verfolgte die Spuren und einige Wochen später gestand der Mann aus Twiste in einer Email an seinen ehemaligen Chef, dass er einen Fehler gemacht habe und verantwortlich sei. Die Polizei wurde eingeschaltet, der 30-Jährige Familienvater aus Volkmarsen wurde ausfindig gemacht und mit angeklagt.

Rund 11 000 Euro seien die erschlichenen Handys wert gewesen, stellte die Staatsanwaltschaft fest. Weitere 14 000 Euro Schaden entstanden durch die Nutzung der Handys. „So viel kriminelle Energie muss bestraft werden“, betonte der Staatsanwalt und forderte für den 30-Jährigen Strippenzieher eine Gefängnisstrafe von drei Jahren und sechs Monaten. Schließlich handele es sich um gewerbsmäßigen Betrug, weil sich der Angeklagte mit den Handys seinen Lebensunterhalt verdient hätte. „Außerdem sprechen acht Vorstrafen gegen den Angeklagten“, so der Staatsanwalt. Seit 1998 hatte der jugne Mann immer wieder wegen Betrugs und Diebstahls vor Gericht gestanden.

Richter Gerd Rinninsland hatte schließlich Nachsicht und verurteilte den 30-Jährigen zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren und einer Geldstrafe von 3000 Euro: „Ich drücke beide Augen zu“, betonte er, „das war kein dummer Jungenstreich“. Weil es sich aber um gleichartige Taten und immer den gleichen Geschädigten handele, sei eine Bewährungsstrafe möglich. Außerdem sei die Sozialprognose positiv: Der Angeklagte lebt mit seiner Frau und zwei Kindern zusammen und ist inzwischen beruflich erfolgreich. „Das ist ihre letzte Chance“, betonte der Richter. Der 41-jährige Verkäufer, der bisher nicht straffällig geworden war, wurde zu einer einjährigen Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt und einer Geldstrafe von 900 Euro.

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